Drei Wochen nach Einsturz des Kölner Stadtarchivs werden die Ursachen langsam deutlicher: Offensichtlich war Pfusch beim Bau der nahe gelegenen U-Bahn ursächlich. Inzwischen tauchen Protokolle der Kölner Verkehrsbetriebe auf, wonach bereits im September 2008 ein "hydraulischer Grundbruch" (Wassereinbruch) eingetreten ist, woraufhin die Baufirmen weitere Brunnen angelegt und mehr Wasser abgepumpt haben als genehmigt worden war. Weiter zeigen noch Notizen vom 17. Februar, das auch durch die Wände größere Wassermengen eindrangen und die Baufirmen offenbar nicht so häufig maßen wie es nötig gewesen sei. Der eigentliche Skandal ist, das die KVB - aus steuerrechtlichen Gründen Bauherr der U-Bahn - auch die Kontrolle der Baustelle an die Bauträger vergeben hatte, also diese "sich quasi selbst kontrollierten." Hier wurde an der staatlichen Aufsicht gespart, privat vor Staat auf Kölsch mit unschätzbaren Folgen.
Die Protokolle zu Bauproblemen waren dem zuständigen Technikvorstand der KVB, Walter Reinartz (CDU), lange bekannt, er verschwieg diese aber, weshalb SPD, Grüne und Linke in einer Aufsichtsratssitzung der KVB seinen Rücktritt forderten. Allerdings wurde das Thema Reinartz, dessen Vertrag erst 2008 um fünf Jahre verlängert worden war, bis zu einer Sondersitzung am 31. März vertagt. Auf dieser sollen weitere offene Fragen geklärt werden, so KVB-Aufsichtsratsvorsitzender Wilfried Kuckelkorn (SPD). Dann werde "auch über eventuelle personelle Konquenzen" entschieden (sollte der 52-jährige Reinartz ausscheiden, ohne dass ihm Verschulden nachweisbar ist, stehen ihm laut "Kölner Stadtanzeiger" vier Jahre lang 200 000 Euro und danach die Hälfte seines Gehalts bis zum Erreichen des Rentenalters, danach 75 Prozent zu).
Erste Konsequenzen zog Kölns OB Fritz Schramma (CDU): Er zeigte sich verärgert, dass Baudezernent Bernd Streitberger (CDU) bereits seit 12. März von den belastenden Protokollnotizen gewusst hatte, dies aber erst vorigen Freitag in einer Sitzung des Koordinierungsausschusses "Unglück Waidmarkt" eingeräumt hatte. Nun iwrd klar, dass es auch an anderen Stellen zu Bauproblemen gekommen ist und die Verantwortlichen offenbar Warnsignale nicht ernst genug genommen haben. OB Schramma, wenige Monate vor den Kommunalwahlen immer stärker unter Druck, zog die Notbremse und leitete am gestrigen Montag ein Disziplinarverfahren gegen Streitberger ein. Der kommentiert das Handeln seines Dienstherrn nicht. Nun wartet nicht nur das politische Köln gespannt auf die Aktuelle Stunde des Rates am Donnerstag.