Auf dem deutschen Energiemarkt erwächst den großen Vier EnBW, E.on., RWE und Vattenfall erstmals kommunale Konkurrenz: Nachdem das Kartellamt am Dienstag grünes Licht für den 2,9 Milliarden-Euro-Deal gegeben hatte, wurden am heutigen Mittwoch die Kaufverträge unterschrieben und der Kaufpreis entrichtet: Damit übernimmt ein Erwerberkonsortium aus Integra/KOM9 die Eon-Stadtwerketochter Thüga, mit mehr als 90 Minderheitsbeteiligungen das größte Netzwerk kommunaler Energieversorger im Land. Zu den Käufern gehören die Stadtwerke Frankfurt, Hannover, Wiesbaden, aber auch die Freiburger Badenova und kleinere süddeutsche Versorger. Ausgenommen von dem Verkauf sind nur die Thüga-Beteiligungen an der Berliner Gasag, der südhessischen HEAG und den Stadtwerken Duisburg und Karlsruhe.
Frankfurts OB Petra Roth wird Vorsitzende
In der konstituierenden Sitzung des Aufsichtsrats wurde die Frankfurter OB und Mainova-Aufsichtsratschefin Petra Roth zur Vorsitzenden gewählt. Der Vorstand der Thüga AG soll "seine erfolgreiche Arbeit" unter Leitung von Ewald Woste fortsetzen. Auf einer Pressekonferenz bekräftigten die beteiligten OB ihrer Unterstützung für den Kauf. Für Petra Roth wird durch den neuen Stadtwerke-Verbund "die Stellung der lokalen Energieversorger im Markt gestärkt und die kommunale Daseinsvorsorge gesichert." Für Helmut Müller, OB Wiesbaden und Aufsichtsratschef der ESWE, bietet die "Rekommunalisierung der Thüga als Novum in der Energiegeschichte der Republik große Chancen für die Kommunen."
Hannovers OB Stephan Weil sieht mit dem "erstmaligen Entstehen eines kommualen Energiekonzerns" sowie "den aktuellen Gründungen von Energieversorgern durch Städte und Gemeinden..erst den Anfang einer neuen Rekommunalisierungswelle." Nürnbergs OB Ulrich Maly verwies darauf, dass es gerade unter Globalisierungsbedingungen wichtig sei, "dass energiepolitische Entscheidungen...vor Ort und im kommunalen Konsens gefällt werden." Michael Feist, Vorstandschef der Hannoveraner Stadtwerke und Sprecher der Konsorten, freute sich "sehr, dass es uns gelungen ist, in einem kurzen Zeitraum, eine der größten und komplexesten Transaktionen der deutschen Energiebranche unter Dach und Fach zu bringen."