Trotz erheblicher Kritik von Bürgern und Datenschützern will der Internetkonzern Google seinen bereits in 23 Ländern existierenden Kartenfotodienst "Google Street View" im Herbst 2010 auf die 20 größten deutschen Städte ausweiten. Seit 2008 hat Google dafür Häuser und Straßen abfahren und fotografieren lassen. Auf Kritik von Anwohnern, Datenschützern und Kommunen hat Google Teile der Fotos schwärzen lassen, ebenso wie bereits Gesichter und Autokennzeichen. Zwischenzeitlich musste sich der Internetriese dafür entschuldigen, auch lokale Funknetze mitgeschnitten zu haben. Angesichts rd. einer Million Zugriffe von Deutschen auf ausländische "Panoramen", will Google aber nicht auf den deutschen Markt verzichten und beginnt demnächst mit den 20 größten Städten.
Diese bereiten sich unterschiedlich darauf vor: In den neun Ruhrstädten gibt es Verwaltungen wie in Essen, die den Bürgern raten, Widerspruch einzulegen. In Dortmund dagegen hieß es, es hätten sich bisher gerade einmal drei bis vier Kritiker gemeldet. Google will nun Anfang nächster Woche für vier Wochen ein Widerspruchsangebot einräumen - eine viel zu kurze Zeit, wie NRW-Datenschutzbeuaftragte Bettina Gayk meint. In der Landeshauptstadt Düsseldorf hofft Sprecher Manfred Blaszcyk, das intensive Medienberichte die Bürger sensibilisieren. Die Stadt Köln bietet bereits seit längerem auf ihrer Homepage Widerspruchsformulare an, die auch in allen Bürgerämtern ausliegen. Auch Duisburg und Essen prüfen dieses Verfahren. Der Mieterschutzbund empfiehlt allen Hauseigentümern und Mietern, "die nicht wolen, dass ihr Haus, ihr Garten, ihre Wohnung über Google Street view im Internet vermarktet wird, Widerspruch einzulegen" und versendet das erforderliche Formular gleich mit der Pressemitteilung. Dies könne auch nach Ablauf der Frist geschehen, so DMB-Direktor Lukas Siebenkotten.
Bundesdatenschützer Peter Schaar kritisierte heftig, dass der Netzmulti Google sich nur unter dem massiven Druck von Bürgern, Verbraucherschützern und -politikern bewege. Um nicht von der Gnade eines Konzerns abhängig zu sein, brauche es Regeln von der Politik, mahnte Schaar im "Deutschlandfunk"-Interview an. Das Bundesverbraucherschutzministerium bietet unter www.bmelv.de ebenfalls Musterschreiben für Widersprüche an. Einspruch kann man außerdem erheben an: streetview-deutschland@google.com oder: Google Germany, GmbH, Betr. Street View, ABC-Str. 19, 20354 Hamburg.
Bisher galt, dass wer die vierwöchige Widerspruchsfrist versäumt, bis zur Freischaltung der Daten durch Google warten muss. Der Konzern versprach Bilder dann nachträglich unkenntlich zu machen. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann bereits jetzt Widerspruch einlegen, auch wenn er nicht in einer der 20 Städte wohnt.