„Aus dem Einbruch muss ein Aufbruch werden“, sagte Frank Henkel, designierter Parteivorsitzender der Berliner CDU, bei der Vorstellung des von einer „Perspektivkommission“ erarbeiteten Wegs aus der Führungskrise der Partei. Demzufolge soll die Berliner CDU das erste Mal von einer Doppelspitze geführt werden, mit Frank Henkel als Vorsitzendem und Monika Grütters als erster Stellvertreterin. Dafür wollen beide in den nächsten Wochen auf Regionalkonferenzen, den Mitgliederversammlungen der CDU, werben. Zumindest Henkel soll dann auf einem kleinen Parteitag Anfang November ins Amt gewählt werden, ebenso wie ein neuer Generalsekretär.
Ob die CDU damit aber gut aufgestellt ist, bleibt fraglich. Henkel musste quasi ins Amt getrieben werden, weil Grütters sich strikt weigerte, die Führungsposition zu übernehmen – unter anderem mit der Begründung, dass sie keine Mehrheit in der Partei hinter sich habe. Neu wird die Politik auch nicht sein: Henkel war Büroleiter des ehemaligen Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Eberhard Diepgen (CDU), Grütters lässt sich von Klaus-Rüdiger Landowsky beraten – sowohl Diepgen als auch Landowsky waren mit verantwortlich für den Berliner Bankenskandal, letzterer als mächtiger Strippenzieher.
Auch in der Brandenburger CDU scheint der Weg jetzt offen zu sein für zumindest neue Gesichter. Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns will den Führungsvorsitz der CDU grundsätzlich abgeben und auch auf die Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl 2009 verzichten, ließ aber den Zeitpunkt des Rücktritts offen. Auch will er keine Empfehlung für die Nachfolge abgeben, um den oder die Zukünftige nicht vorzeitig zu verbrennen. Als Vorsitzende gehandelt wird Wissenschaftsministerin Johanna Wanka, die in den letzten Wochen auch schon Sondierungsgespräche mit den Kreischefs des Lagers um den erbitterten Junghanns-Gegner und CDU-Vizechef Sven Pethke geführt hatte. Aber auch der Ex-Justizministerin Barbara Richstein werden Ambitionen in Richtung Parteivorsitz nachgesagt.
Obwohl keine einflussreichen Landesverbände, sieht die Bundes-CDU mit nicht geringem Schauer, was ihre Ableger in und um die Bundeshauptstadt machen. Um nicht von deren Querelen bei den Vorbereitungen für den Bundestagswahlkampf 2009 behindert zu werden, hatte CDU-Bundesgeneralsekretär Roland Pofalla in den letzten Tagen mit führenden Köpfen beider Seiten telefoniert und einen Wechsel ohne Hauen und Stechen angemahnt. Ob mit Erfolg, werden die nächsten Monate zeigen.