Zur baden-württembergischen Landtagswahl am 27. März tritt die NPD laut dem Statistischen Landesamt Baden-Württemberg mit 68 Bewerberinnen und Bewerbern an. Auffallend niedrig ist dabei der Frauenanteil. Lediglich vier Frauen (5,9 Prozent) haben sich zur Kandidatur bei der Ländle-NPD entschlossen. 50 000 Euro an Spenden hatte sich die finanziell klamme Südwest-NPD für ihren Landtagswahlkampf erhofft. Drei Tage vor der Wahl verharrt das Spendenbarometer jedoch bei lediglich rund 38 850 Euro.
NPD-Spitzenkandidat ist der Landesvorsitzende Jürgen Schützinger (Jahrgang 1953). Schützinger ist zugleich kommunaler Mandatsträger der NPD-Abspaltung Deutsche Liga für Volk und Heimat (DLVH) und seit 1991 einer der Bundessprecher dieses überparteilichen Vereins. Der ehemalige Polizeibeamte gehört auch der Gesellschaft für freie Publizistik (GFP) und dem Schutzbund für das Deutsche Volk (SdV) an. Schützingers Vision zufolge will die NPD bei der Landtagswahl „das Überspringen der willkürlich gesetzten und undemokratischen Fünf-Prozent-Hürde fest ins Auge fassen!“ Bei der Landtagswahl 2006 hatte die NPD magere 0,7 Prozent erzielt und kam als Folge nicht in den Genuss der Wahlkampfkostenrückerstattung.
NPD-Parteibuch seit 1966
Auf den politischen Fußspuren des Vaters wandelt Bewerber Rudolf Schützinger (Jahrgang 1982), Beisitzer im NPD-Landesvorstand. Schützinger jun. schloss sich 1997 als Mitglied der Deutschen Liga für Volk und Heimat an.
Weitere Landtags-Kandidaten sind unter anderem Matthias Brodbeck, Markus Fries, Siegfried Gärtner, Ronnie Hellriegel, Benjamin Hennes, Klemens Lockfisch, Marcel Müller, Janus Nowak, Alexander Neidlein und Nico Schiemann.
Matthias Brodbeck (Jahrgang 1972), seit 1990 Mitglied der NPD, war zeitweilig Landesschatzmeister der Jungen Nationaldemokraten (JN) und NPD-Landesgeschäftsführer. Der Bankkaufmann Markus Fries (Jahrgang 1969) trat nach 13 Jahren aktiver Mitgliedschaft in der CDU „aufgrund der Entwicklung der Partei in eine gewisse Profillosigkeit“ zur NPD über. Er verbindet damit das Ziel, „die rechten Gruppierungen zu einer gemeinsamen Partei zusammen zu bringen.“ Ältester NPD-Bewerber ist Siegfried Gärtner (Jahrgang 1946). Er ist seit 1966 Besitzer eines NPD-Parteibuchs. In dem Neonazi-Blatt „Volk in Bewegung“ ließ er sich einst über die „Kriegsschuldlüge“ aus.
„Ein komplett anderes politisches System erkämpfen“
Ronnie Hellriegel (Jahrgang 1978), seit 2007 beim NPD-Bundesordnungsdienst, war einst Jugendbeauftragter der Vereinigten Rechten (VR). 2008 sorgte Hellriegel für Schlagzeilen als er bei einem öffentlichen Fest mit einem T-Shirt auftrat, das die Aufschrift „Kritik an der Regierung: 100 Euro. Kritik am Zentralrat: 1000 Euro. Holokaustleugnung: unbezahlbar“ trug. Benjamin Hennes (Jahrgang 1987) fungiert seit dem 30. Juni 2007 als JN-Stützpunktleiter in Konstanz und gehört dem JN-Landesvorstand als Beisitzer an.
Klemens Lockfisch ist langjähriger NPD-Landesschatzmeister. Zeitweilig wirkte er im dem Sprecherrat der Bürgerbewegung Pro Landkreis Böblingen mit. Marcel Müller (Jahrgang 1987), stellvertretender Kreisvorsitzender in Heilbronn, schloss sich 2007 der NPD an. Janus Nowak (Jahrgang 1978), NPD-Wahlkampfleiter, ist Landesvize und Kreisrat in Böblingen. Laut Nowak hat die NPD in Baden-Württemberg 540 Mitglieder.
Liedermacher Nico Schiemann will seit seinem 12. Lebensjahr in der „nationalen Bewegung“ aktiv sein. Schiemann gehört der NPD seit 1997 an. Als Landesgeschäftsführer der NPD und JN in Baden-Württemberg fungiert Alexander Neidlein (Jahrgang 1975). Der knasterfahrene ehemalige Kroatien-Söldner Neidlein trat 1997 der NPD bei. Auf dem JN-Landeskongress im November 2006 führte Neidlein aus: „Nationalismus bedeutet Revolution. Und unsere Revolution findet im 21. Jahrhundert statt. Unsere Revolution ist keine kleine Veränderung, sondern wir müssen uns ein komplett anderes politisches System erkämpfen!“