Bericht zum Forum „Intelligente und nachhaltige Infrastruktur für aktive Bürger“
In seinem engagierten Impulsreferat zeichnete Harry Voigtsberger, Landesdirektor im Landschaftsverband Rheinland (LVR), unter dem Arbeitstitel „Nachhaltigkeit, Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit als Aufgabenmoderner Infrastrukturpolitik“ ein düsteres Szenario zur Zukunft des Planeten, wenn die Politik – auch die kommunale – nicht schnell umwelt- und klimapolitisch umsteuert. Die heutige aktive Generation hinterlasse der nachfolgenden einen ausgeplünderten Planeten, verbunden mit gigantischen Schulden, wenn sie weiter die Zukunft ihrer Kinder und Enkel verkonsumiere.
Voigtsberger erinnerte daran, dass der Schutz der Umwelt ebenso wie soziale Marktwirtschaft, Sozialstaat und Demokratie miteinander verkoppelt seien: „Und wenn ein Element herausbricht, ist alles gefährdet!“ Deshalb brauche es einen neuen Ansatz: eine ökologisch-soziale Marktwirtschaft.
Ziel sei eine Ökonomie, die weitgehend ohne endgültigen Rohstoffverzehr auskomme, also auf erneuerbare Ressourcen setze, die Rohstoffe effektiver und effizienter einsetze und die Stoffwechselprozesse im Biotop Erde nachhaltig in Form von Kreislaufwirtschaften anlege. Mithin habe die Welt „genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier“.
Aus kommunaler Sicht nannte Voigtsberger vor allem die Herausforderung „Nachhaltiges Bauen“ und griff die Vision einer „2 000-Watt-Gesellschaft“, wie sie letztlich vor allem auf kommunaler Ebene verwirklicht werden könne, auf. Hierzu gehörten die Senkung des Spitverbrauchs bei Pkw von zehn auf drei Liter je 100 Kilometer, die Minderung des Heizölverbrauchs je Quadratmeter Gebäudebestand von zehn auf drei Liter, den energetischen Ersatz von Öl, Gas und Kohle durch „Sun fuel s“ sowie die Verringerung des Abfalls pro Person von 350 auf 150 Kilogramm.
Voigtsberger stellte das Leitbild „Nachhaltigkeit im Gebäudeund Liegenschaftsmanagement“ (GLM) vor und erläuterte dazu drei Wirkungsfelder: Ökonomisch gehe es um die Optimierung der Kosten über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes. Ökologisch müsse man verstärkt den Ressourcenschutz durch Einsparung fossiler Quellen und deren Substitution durch erneuerbare Quellen sowie den Klimaschutz durch Verringerung der CO2-Emissionen im Blick haben. Und unter sozialen Aspekten sei die Gestaltung nach den Bedürfnissen der Menschen auszurichten: Schutz der Gesundheit, Förderung sozialer und kultureller Werte, Unterstützung pädagogischer und fachlicher Ziele.
Beim Planen, Bauen und Bewirtschaften von Gebäuden im Bereich des LVR werde man drum künftig den Passivhaus-Energiestandard umsetzen. Der Zielvereinbarungsprozess im GLM beinhalte u.a. Energie-Controlling, so durch Energieberichte, den Einsatz zeitgemäßer Techniken, ein durchdachtes Flächenmanagement, etwa durch Büroflächenoptimierung, sowie ständige Personalfortbildung und die Motivation der Mitarbeiter über Fachtagungen. Überdies müsse die die politische Führung einer Kommune in dieser Frage eine Vorbildfunktion gegenüber den Bürgern, Vereinen und Initiativen übernehmen, um sie zu zu kreativen Ideen und zum Mitmachen zu motivieren. Mithin hätten Städte und Gemeinden eine Schlüsselrolle für soziale, wirtschaftliche und ökologische Nachhaltigkeit. „Denn Kommunen sehen die Probleme staatliche Stellen. Sie analysieren und handeln und lernen voneinander!“, so Voigtsberger. Und ein Teil des Handelns sei dieser DEMO- Kongress.
Wolfgang Bielmeier, Geschäftsführer der GBG Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft mbH in Mannheim, sagte in der Diskussion, dass sein Wohnungsunternehmen bereits seit zehn Jahren an der Verbesserung der Energieeffizienz arbeite. 15 000 der 20 000 bewirtschafteten Wohnungen wären heute zentral beheizt. Überdies habe man einen Wohnblock auf Passivhausstandard umgestellt, nutze hierbei auch Erdkühlung. Daneben plane sein Unternehmen, so Bielmeier – der auch Vizevorsitzender der Vereinigung badenwürttembergischer kommunaler Wohnungsunternehmen ist –, den Bau von sechs neuen sowie die Modernisierung einer Schule in Mannheim. Aufgrund der hohen energetischen Kriterien, die hierbei angelegt würden, entstehe bei der anschließenden Bewirtschaftung ein Effizienzvorteil von rund 30 Prozent.
Eine Debatte entstand zur Frage, ob eine Kommune bauliche Mehrkosten von der Kommunalaufsicht genehmigt bekommt, wenn sich damit erst auf längere Sicht die Bewirtschaftungskosten reduzieren lassen. Der Birkenfelder Landrat Axel Redmer sprach diesbezüglich von einer ernüchternden Praxis, zumal sein Kreisetat mehr als eng bemessen sei. Der Potsdamer Kommunalwissenschaftler Robert Kösling hielt dem entgegen, es sei weltfremd seitens der übergeordneten Behörden, hier nicht den Langzeiteffekt zu sehen. Schließlich sei Lebenszyklusmanagement bei der Bewirtschaftung von Gebäuden heute bereits gängige Praxis. Wenn ein Kreis oder eine Kommune nachweisen könne, dass sich bauliche Mehrkosten in zehn Jahren wieder amortisiert haben, müsse das eine Kommunalaufsicht heute akzeptieren und mitgehen. Überdies riet Kösling dazu, in Sachen intelligentnachhaltige Infrastruktur nicht nur über neue Qualitäten, sondern auch über die Quantität zu reden. Denn momentan gebe es noch zu viel Infrastruktur.
Redmer informierte zudem ausführlich über das Projekt „Energiestadt Baumholder 2020“. Dahinter verberge sich eine durch eine US-Garnison geprägte 20 000 Einwohner-Kommune.
Mit dem Projekt soll erstmals in Rheinland-Pfalz ein umfassendes Energiekonzept für den städtischen Bereich erarbeitet und umgesetzt werden, das auf Energieeinsparung, Effizienzsteigerung und erneuerbare Energien beruht. Partner ist hierbei der Birkenfelder Umwelt-Campus der Fachhochschule Trier.
Die Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion Hannover, Christine Kastning, berichte von jährlichen städtischen Solarfesten an der Leine, die viel zur Aufklärung und zu einem Bewusstseinswandel unter den Bewohnern beitrügen. Auch autofreie Sonntage dienten dem Thema Nachhaltigkeit.