In einer Diskussion mit Staatsministerin Dr. Eva-Maria Stange (Dresden), Staatsrätin Carmen Emigholz (Bremen) und dem Mitglied des Abgeordnetenhauses Brigitte Lange (Berlin) ging es um die Übersetzung der wissenschaftlichen Ergebnisse in konkrete politische Maßnahmen in Sachsen, Bremen und Berlin.
Wilm Heinrich, kulturpolitischer Sprecher der SPD im Stadtrat Dresden, stellte in einer Voraufführung sein Programm über den Gestalter Wilhelm Wagenfeld vor und löste viel Beifall und Bewunderung aus.
Am folgenden Tag ging es im Gespräch mit Steffen Reiche (MdB und ehemaliger Kultusminister von Brandenburg) und Dr. Siegfried Kost (wiss. Mitarbeiter der SPD-Landtagsfraktion Dresden) um weitere konkrete Umsetzungen kultureller Bildung. Steffen Ihlau aus Dresden führte mit Beispielen in die Hip-Hop Kultur und ihre Bedeutung für Jugendliche ein.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterstützten untenstehende Erklärung zur kulturellen Bildung.
Mit einem Satz ließe sich sagen, erfolgreiche Kulturelle Bildung ist Verführung zur eigenen aktiven Eroberung des kulturellen Erbes bei gleichzeitiger Akzeptanz der Jugend-, Protest- oder Subkulturen.
Was bedeutet „Kulturelle Bildung“?
Ziel der kulturellen Bildung ist es, alle Menschen vor allem aber auch Kinder und Jugendlichen zu befähigen, am kulturellen Leben der Gesellschaft aktiv und selbstverantwortlich teilnehmen zu können. Sie muss den unterschiedlichen Lebenswelten der Menschen Rechnung tragen und ihnen den Zugang zu kulturellen Angeboten ermöglichen.
In der Saarbrücker Erklärung der Kulturforen der Sozialdemokratie von 2003 wird zu Recht darauf hingewiesen, wie wichtig die Mobilisierung der kreativen Potentiale einer Gesellschaft jenseits der Kategorien von Nützlichkeit und Verwertbarkeit durch die Kunst ist. Kunst und Kultur halten der Gesellschaft den Spiegel vor, reflektieren Lebensstile und formulieren Identitätsangebote. Kulturelle Bildung war und ist damit Teil einer umfassenden Persönlichkeitsbildung. Sie ermöglicht es der/dem Einzelnen, Kunst und Kultur kennen zu lernen, zu verstehen und zugleich eigenschöpferisch zu gestalten. Die ebenso spielerische wie kritische Auseinandersetzung mit Fremdbild und Selbstbild wird gefördert. Dabei schafft die Lust am gemeinsamen Austausch auch Achtung vor und Neugier auf das Fremde.
Kulturelle Bildung fördert Toleranz, Aufgeschlossenheit und die Fähigkeit, sich miteinander auseinander zu setzen. Die Vermittlung kultureller Vielfalt, die Förderung von Kreativität und künstlerischer Tätigkeit muss integraler Bestandteil der schulischen und vorschulischen Bildung werden. Sie bleibt zudem Teil des lebenslangen Lernens.
Kulturelle Bildung vermittelt Bewertungs- und Beurteilungskriterien, die für die Bewältigung des eigenen Lebens unverzichtbar sind. Sie ist Voraussetzung für gesellschaftliche Partizipation, emotionale Stabilität und Selbstfindung.
Durch die kulturelle Bildung wird die Gestaltung der neuen Zeit möglich, sie ermöglicht jeder/m Einzelnen, auf der „Bugwelle der Zeit“ schöpferisch und selbstbestimmt unterwegs zu sein. Es geht hierbei um die kulturelle Selbstbestimmung, um die Fähigkeit, das eigene Leben, den eigenen Raum und die eigene Zeit selbst zu gestalten.
Nicht zuletzt ist eine erfolgreiche Kulturvermittlung auch für die Akzeptanz der öffentlichen Finanzierung von Kulturförderung notwendig.
Wir setzen uns daher für den dringend erforderlichen Ausbau der kulturellen Bildung in Deutschland ein und fordern die Verankerung des Staatsziels Kultur im Grundgesetz. Da die öffentliche Kulturfinanzierung leider allzu häufig als freiwillige Leistung in Zeiten knapper Kassen drastisch gekürzt wird, fordern wir die Einordnung der Förderung und Unterhaltung von Einrichtungen der kulturellen Bildung auf kommunaler Ebene als Pflichtaufgabe.
Öffentlich geförderte Kultureinrichtungen sollten per Bewilligungsbescheid verpflichtet werden, einen angemessenen Teil des Angebots für Kinder und Jugendliche zur Verfügung zu stellen. Ein Teil der Fördermittel z.B. an Museen, Opern oder Kulturzentren sollte zielgerichtet für Zwecke der kulturellen Bildung eingesetzt werden.
Dabei muss auch die Ganztagsschule als Chance für den interkulturellen Austausch begriffen und interkulturelle Bildung in die Lehrangebote, zum Beispiel durch Theaterprojekte, integriert werden. Auch sollte „Kulturelle Bildung“ als Lernbereich eingeführt werden.
Zudem unterstützen wir die Empfehlung der Enquete-Kommission, eine Bundeszentrale für kulturelle Bildung einzurichten, die für die Entwicklung innovativer Konzepte, für die Vernetzung der Akteure und für die Fortbildung von Multiplikatoren zuständig ist.