Bereits seit langem leidet die Deutsche Daseinsvorsorge an der Aufmerksamkeit, die ihr nun - ausgelöst durch die Folgen der globalen Finanzkrise und der drohenden Rezession - zuteil wird. Die künftigen Einnahmerückgänge der Öffentlichen Hand drohen die Situation eines der wichtigsten Sektoren unseres Sozialen Gefüges einmal mehr zu verschärfen.
Niemand wird die Notwendigkeit zum Handeln, angesichts der angespannten Haushaltssituation vieler deutscher Kommunen und den Blick auf den Zustand von Schulen, Kindertagesstätten und Verkehrswegen, ernsthaft leugnen. Das Deutsche Institut für Urbanistik spricht in einer neuen Studie von einem jährlichen Investitionsbedarf in Höhe von 47 Mrd. Euro, allein für die Kommunen in den nächsten zehn Jahren.
Das die Große Koalition sich genötigt sah, überfällige und längst beschlossene Investitionen in Infrastrukturprojekte als erstes Konjunkturpaket gegen die anstehende Krise zu deklarieren, verdeutlicht den Ernst der Situation.
Und so könnte die gegenwärtig geführte Diskussion, das anstehende Konjunkturpaket mit sinnvollen und notwendigen Investitionen in Bildung und Infrastruktur zu verschmelzen, dem Thema der Daseinsvorsorge auch in der Finanzwirtschaft zum Durchbruch verhelfen.
Denn die krisengeschüttelte Finanzwirtschaft hat das Thema für sich entdeckt.
Allen voran sind es institutionelle Investoren wie Pensionskassen, Versicherer, Christliche Versorgungswerke oder auch Family-Offices, die sich in Folge der Krise von risikoreichen Anlageprodukten trennen und nach sicheren Investitionsmöglichkeiten Ausschau halten. Da es die meisten Investoren in den vergangenen Jahren versäumten, sich einen entsprechenden Marktzugang zu sichern und viele den Sektor der Daseinsvorsorge schlicht ignorierten, können sich die wenigen auf die Öffentliche Hand spezialisierten Fondsanbieter vor Zeichnungswilligen kaum retten. Hier locken Renditen um die 4,5 %, dafür aber langfristig und nachhaltig, bei einer risikoarmen Nutzerstruktur der Anlageobjekte.
Setzt sich dieser Trend in den Vorstandsetagen durch, käme es zu einer Win Win Situation in und wegen der Krise. Auf der einen Seite die Öffentliche Hand als Träger der Deutschen Daseinsvorsorge und damit der Bürger. Für ihn könnten sich drohende Belastungen verringern und er würde von einer verbesserten Infrastruktur profitieren. Auf der anderen Seite die Finanzwirtschaft und ihre Anleger. Denn neben sicheren und transparenten Produkten, könnten sie zusätzlich vom positiven Image profitieren, die Investitionen in gesellschaftlich relevante Bereiche mit sich bringen. Ein für die Zukunft nicht unerheblicher Aspekt für den Finanzplatz Deutschland.
Alexander Komianos
Generalbevollmächtigter der AKO Capital AG