Bericht zum Forum „Standort Kommune“
Die städtischen Gesellschaften verändern sich und keiner hat’s bislang gemerkt. Dies ist der Kern der Aussagen von Prof. Dr. Dieter Läpple, Leiter des Instituts für Stadt- und Regionalökonomie an der Technischen Universität Harburg.
Angesichts eines tief greifenden Wandels der Strukturen in den Ballungsräumen gelte es, neue Formen der Wirtschaftsförderung zu entwickeln. „Gefordert ist heute (...) nicht der Rückzug aus staatlichen und städtischen Aufgaben, sondern Dialog, Verantwortungsteilung und problemlösungsorientierte Formen der Koproduktion mit den gesellschaftlichen Akteuren“, verdeutlicht Läpple in seinem Impulsreferat im Workshop „Standort Kommune“ beim DEMO- Kommunalkongress. Der Wissenschaftler hatte seine Ausführungen unter das Motto „Lokale Potenziale im flexiblen Kapitalismus“ gestellt.
Städte haben eine Schlüsselrolle als Stimulator
Den Städten „kommt eine Schlüsselrolle zu als Stimulator, Ermöglicher und Vermittler“, betonte Läpple. Lösungen müssten sich aus offenen Prozessen ergeben. Um fit für die Zukunft zu sein, müssten die Gebietskörperschaften ihre Selbstanpassungs- und Regenerationsfähigkeit erhöhen – besonders durch das Neuausrichten der „Erziehungs- und Ausbildungeinrichtungen“.
Läpple begründet dies mit seiner Feststellung, dass es seit Beginn des 21. Jahrhunderts „deutliche Zeichen“ für eine Trendwende in der Stadtentwicklung gebe: hier die „wissens- und kulturbasierte Dienstleistungsökomie in Städten wie München, Hamburg, Köln oder Frankfurt am Main, dort die traditionell industriell geprägten Städte in Westdeutschland sowie viele ostdeutsche Kommunen. Gleichwohl hat Läpple eine „Trendwende“ ausgemacht: In Berlin, Leipzig und Dresden steigen die Bevölkerungszahlen an.
Allgemein gesehen entwickelten sich Kreativität und „intellektuelle Arbeit“ zu immer wichtigeren Produktionsfaktoren. Konsequenz: Die Unternehmen benötigten einen ausreichend großen Pool entsprechend qualifizierter Arbeitnehmer, letztere „eine breite Vielfalt an Beschäftigungsgelegenheiten“. Daran, ist Läpple überzeugt, orientieren sich die Unternehmen bei ihrer Standortwahl.
Auf der anderen Seite führt der Strukturwandel jedoch ebenso dazu, dass Arbeitsmarkt und Sozialstrukturen „segmentiert“ werden. Derer hat Läpple vier ausgemacht: das „Segment der wissens- und kulturbasierten Dienstleistungsbeschäftigten“, die „brüchigen Wagenburgen des Fordismus“ mit den Stammbelegschaften großer Industrieoder Dienstleistungsunternehmen, die unter großem Umstruktierungsdruck stehen, das „Risiko-Segment“ – es besteht aus Menschen mit Einfachjobs in zumeist prekären Beschäftigungsverhältnissen – und die „Ausgegrenzten“, die ihren Arbeitsplatz verloren haben und künftig ohne Chance auf dem Arbeitsmarkt sind. Nicht nur die Gewinner, sondern auch die Verlierer mitzunehmen sei die Aufgabe der kommenden Jahre, weiß Läpple.
Thesen greifen nicht ganze Tragweite des Themas auf
Die Diskussionsteilnehmer stimmten den Ausführungen des Professors zwar in weiten Teilen zu. Gleichwohl aber befanden sie, dass Läpples Thesen nicht die ganze Tragweite des Themas aufgreifen. So vermisste Peer Giesecke, Landrat des des Kreises Teltow-Fläming, die demografische Dimension in Läpples Impulsreferat. Obwohl sein Landkreis ökonomisch mit einem positiven Saldo punkten könne, stehe die Gebietskörperschaft vor dem großen Problem der allgemeinen Vergreisung.
Dabei gehe es den meisten Kreisen des Bundeslands Brandenburg noch erheblich schlechter, betonte Giesecke – landesweit hätten nur drei positive Salden.
Der Brandenburger hob hervor, dass sich die Kommunen ihrer Aufgabe bewusst sein müssten, um Arbeitsplätze zu schaffen. In diesem Zusammenhang sei es die Aufgabe des Stadtmarketings, „das Einzigartige herauszustellen“. Hermann-Josef Pelgrim, Oberbürgermeister der Stadt Schwäbisch Hall, wunderte sich, dass sich Läpple in seiner Betrachtung nur auf die Metropolen konzentriert habe. Der Kommunalchef wies darauf hin, dass die meisten Menschen in der Bundesrepublik in Klein- und Mittelstädten lebten: „Dort entscheidet sich in hohem Maße die Leistungsfähigkeit der Bundesrepublik Deutschland.“
In diesem Segment der Kommunalpolitik sieht der Baden-Württemberger eine „umfangreiche Aufgabe“. Sie umfasst aus Pelgrims Sicht Themen wie Kleinkindbildung, Förderung der Sprachfähigkeit und Integration der Zuwanderer. Die Wirtschaftsförderung müsse in die „vielen Verästelungen der Gemeinde“ hineingetragen werden.
Kommunen sind flexiblem Kapitalismus nicht gewachsen
Gerade damit jedoch hätten Gebietskörperschaften Probleme. Dies liegt nach Auffassung von Robert Sander vom Deutschen Institut für Urbanistik daran, dass die Kommunen „vielfach nicht besonders gut“ gegenüber dem flexiblen Kapitalismus aufgestellt seien – die Verwaltungsstrukturen bezeichnete der Wissenschaftler als „starr“. Er forderte eine „problemorientierte Verwaltung“, um die lokalen Potenziale beziehungsweise Schätze heben zu können. Weiterhin sprach sich Sander dafür aus, das „lokale Humankapital in den Fokus zu nehmen und Leitbilder zu entwickeln, die von der Bevölkerung verstanden werden“.
Dafür müsse es einen breit angelegten Kommunikationsprozess geben, befand Alexander Stotz, Geschäftsführer von Ströer Deutsche Städte Medien (DSM). Im Rahmen des Stadtmarketings müssten „die Dinge, die die Kommunen bewegen, auch kommuniziert werden. Er rief dazu auf, „die Stadt als Marke zu verstehen“. Es reiche aus, drei bis fünf Punkte nach innen und außen zu tragen.