ÖPNV

Abo-Upgrade für den Nahverkehr wird zum Renner

Carl-Friedrich Höck15. September 2021
Mit der Regionalbahn in die nächstgelegene Stadt fahren – das ist mit dem Abo-Upgrade ohne weitere Kosten möglich.
Seit Montag können ÖPNV-Abonnent*innen fast im gesamten Bundesgebiet kostenlos mit dem Nahverkehr fahren. Die Aktion läuft zwei Wochen lang. Erste Zahlen zeigen: die Nachfrage nach dem Abo-Upgrade ist hoch.

Die Unternehmen des Öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) spüren immer noch die Auswirkungen der Pandemie. Während des ersten Lockdowns 2020 nutzten nur rund 20 Prozent der Fahrgäste, die vor Corona in Bussen und Bahnen unterwegs waren, die öffentlichen Verkehrsmittel. Mittlerweile liegt der Wert immerhin wieder bei 70 bis 75 Prozent. Das teilt der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) mit.

Dankeschön für Stamm-Fahrgäste

Mit einer besonderen Aktion wollen sich die Verkehrsunternehmen jetzt bei ihren treuesten Kund*innen bedanken. Seit Montag bieten sie ein Abo-Upgrade an. Wer ein Abonnement für eine Jahres- oder Monatskarte besitzt, kann bis zum 26. September 2021 auch in anderen Verkehrsverbünden gratis fahren. Dafür ist lediglich eine Registrierung auf der Kampagnen-Website besserweiter.de nötig. 95 Prozent der Verkehrsverbünde beteiligen sich.

Die Nachfrage ist hoch, berichtet der stellvertretende VDV-Pressesprecher Eike Arnold. Schon jetzt gebe es mehr als 420.000 Registrierungen, und zwar „quer durch alle Zielgrupppen“. Das Angebot werde ebenso von Studierenden genutzt, die mit dem Upgrade quer durch das ganze Land reisen, wie von älteren Paaren, die in die nächstgelegene Großstadt fahren wollen. „Wir sind überwältigt, wir hätten nicht mit dieser Resonanz gerechnet“, sagt Arnold.

Was das Upgrade den ÖPNV-Unternehmen bringt

Hinzu kommt der Werbeeffekt: Viele regionale und überregionale Medien berichten über die Aktion. Dagegen dürften die Einnahmeverluste für die Verkehrsunternehmen überschaubar ausfallen. Schließlich zahlen die Kund*innen weiter für ihr Abo und reisen damit lediglich in Gebiete, in die sie ohne die Aktion womöglich gar nicht gefahren wären. „Formell handelt es sich um eine Gebietsbereichserweiterung“, erklärt Arnold.

In der Pandemie haben die meisten Abo-Inhaber*innen den ÖPNV-Unternehmen die Treue gehalten. Aktuell gibt es rund 15 Prozent weniger Abos als vor der Krise. Doch auch dieser Rückgang ist für die Unternehmen schmerzhaft, weil die Abonnent*innen verlässliche Einnahmen generieren. Zuletzt haben Bund und Länder den Verkehrsunternehmen mit zwei Rettungspaketen aus ihrer finanziellen Schieflage geholfen. Jetzt wollen die Unternehmen wirtschaftlich wieder auf die Beine kommen, damit sie nicht auf weitere Rettungspakete angewiesen sind oder ihr Angebot zurückfahren müssen.

Werbung für den öffentlichen Nahverkehr

Die Upgrade-Kampagne verfolgt im Kern drei Ziele: Stammfahrgäste sollen weiter an die Nahverkehrsunternehmen gebunden werden und ehemalige Stammkund*innen zurückgeholt werden. Und es soll sich herumsprechen, dass man trotz Pandemie relativ gefahrlos mit Bus und Bahn fahren kann. Das Infektionsrisiko sei gering, betont VDV-Präsident Ingo Wortmann, weil die ergriffenen Schutzmaßnahmen gut funktionierten. Auch Studien hätten gezeigt, dass Maskentragen, permanentes Lüften und die oft kurze Aufenthaltsdauer in den Verkehrsmitteln die Ansteckungsgefahr minimierten.

Die hohe Nachfrage nach dem Upgrade hat allerdings auch einen Nachteil: Sie bringt die Serverkapazitäten an ihre Grenzen. Manche Kund*innen müssen deshalb mehrere Stunden warten, bis ihre Registrierung bestätigt wird. Wer eine Reise plant, sollte sich nach Möglichkeit schon am Vortag für die Aktion anmelden, rät der VDV.

Mehr Infos und Registrierung:
besserweiter.de/abo-upgrade.html

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