Bundeskongress Nationale Stadtentwicklungspolitik

Appell: Trotz Wohnraumnot den Sport nicht vergessen

Julian Krischan21. September 2018
Genügend Raum für Sport als wichtigem Bestandteil für Gesundheitsprävention sollte in keiner Kommune fehlen.
Anfang dieser Woche fand in Frankfurt am Main der diesjährige „Bundeskongress der Nationalen Stadtentwicklungspolitik“ statt. Diskutiert wurde dabei auch, welche Rolle der Sport im Rahmen kommunaler Stadtentwicklung spielt.

In Deutschland fehlen Wohnungen, die Kommunen halten Ausschau nach jeder erdenklichen Fläche für den Wohnungsbau. Dies ist zwar wünschenswert, kann aber zu Konflikten führen. Nicht vergessen werden dürfen die Belange des Sports als wichtigem Träger für Gesundheitsprävention und mit sehr positiven gesundheitlichen, psychischen und anderen Wirkungen. Mit diesen Worten begrüßte Thomas Wilken vom Büro „Kontor 21“ zu einem Themenforum mit Expertinnen und Experten im Rahmen des Bundeskongresses.

Trotz fehlender Wohnungen: Nicht vergessen werden dürfen die Belange des Sports als wichtigem Träger für Gesundheitsprävention, so lautete der Appell auf dem Bundeskongress der Nationalen Stadtentwicklungspolitik.

Hamburger Hafen City: Sportplatz wird vermisst

„Wir haben als Organisation gelernt“, bilanzierte Christoph Holstein, Hamburger Staatsrat für Sport, die dortige Verfahrensweise bei Gebietsentwicklungen. In dem unter Renditeerwartungen entwickelten Stadtteil „HafenCity“ wird ein Sportplatz sehr vermisst. Zum Fußballspielen müssen Jugendliche so in andere Stadtteile fahren. Damit dies im Rahmen der Umnutzung des Areals um den zu verlegenden Fernbahnhof in Hamburg-Altona nicht geschieht, haben Sportbund und Stadtentwicklungsbehörde ein Sportraumkonzept für diesen Bereich erarbeitet. Darin enthalten ist unter anderem ein „Sportscommunitycenter“ für Gesundheits- und Rehabilitationssport. Die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger waren zuvor erhoben worden.

Eine Öffnung hin zu individuellen und gesundheitsfördernden Sportarten zeigt sich auch an der Umgestaltung des Sportzentrums Falkenwiese in Lübeck. Für über 40 Millionen Euro wurde dort eine bislang dezidiert auf Wettkampfsportarten normierte Sportanlage in einen Sportpark mit unter anderem Klettergarten, Wellenbahn, Fitnessparcour und einer schön gelegenen Sportpromenade am Wasser umgestaltet. Möglich wurde diese Umgestaltung durch das Engagement einer lokalen Stiftung und einer Förderung durch das Bundesprogramm zur Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur. Dieses Bundesprogramm ist diesen Sommer in die dritte Förderrunde gegangen, wird aber bei weitem nicht allen gestellten Anträgen von Kommunen entsprechen können. Auch soll es nicht die Regel werden: „Die Zuständigkeit für kommunale Infrastruktur und Sportstätten liegt nicht beim Bund“, ergänzte Monika Thomas, Abteilungsleiterin im Bundesministerium.

Bonn macht „Sport im Park“

Dass Bewegungsangebote erfolgreich im städtischen Raum verankert werden können, hat zuletzt auch die Stadt Bonn unter Beweis gestellt. Von Montag bis Freitag fanden dort den ganzen Sommer über jeden Abend Sportangebote an dezentralen Stellen statt – von Aerobic, Yoga über „Lishi Tai Chi“  und „Zumba“ bis hin zu Aquafitness. Eine gesetzliche Krankenkasse hatte „Sport im Park“ finanziell unterstützt. Wenn es nun in Richtung Herbst und Winter geht, soll den Teilnehmenden der Weg in die Sportvereine geebnet werden.

„Wir sind der größte nichtstaatliche Bildungsträger“, führte Dr. Karin Fehres vom Deutschen Olympischen Sportbund aus. Wichtige Integrationsfunktionen erfülle bei den rund 91.000 Sportvereinen in Deutschland immer auch „die Zeit zwischen dem Abpfiff und Anpfiff“. Circa ein Drittel der Bevölkerung sind aktuell in Sportvereinen organisiert. Nicht immer sind diese mit der Würdigung ihres Engagements durch die Politik einverstanden: Ein Problem sei in diversen Förderprogrammen die fehlende Antragsberechtigung von Sportvereinen. Mit Blick auf den investiven Bereich gebe es auch in der Hand der Sportvereine sanierungsbedürftige Infrastruktur. Von den Kommunen wünschen sie sich eine regelhafte und auf Augenhöhe stattfindende Einbeziehung in Planungsprozesse. „Je mehr eine Kommune für Sportstätten tut, desto besser gedeihen die Vereine und können wichtige soziale Aufgaben übernehmen“, lautete ein Fazit von Dr. Fehres.

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