Autofreie Innenstadt

Autofreies Wuppertal-Elberfeld ist noch Zukunftsmusik

Maicke Mackerodt14. Februar 2018
Schon mit der weltberühmten Schwebebahn war man früh innovativ: Jetzt wird in Wuppertal über eine autofreie Zone nachgedacht.
In Wuppertal träumen die Stadtplaner bald von einem autofreien Stadtteil. Jetzt wird ein Vorschlag des Wuppertal-Instituts diskutiert. Das Impulspapier schlägt vor, bis zum Jahr 2027 konsequent alle Autos aus Elberfeld zu verbannen. Thüringens Landeshauptstadt Erfurt entwickelt seit 2012 eine Begegnungszone, bei der nahezu einstimmig vom Stadtrat beschlossen wurde, weite Teile der Altstadt zum Fußgängerbereich zu erklären.

Begegnungsräume in der Altstadt von Erfurt

In Wuppertal träumen die Stadtplaner bald von einem autofreien Stadtteil. Schon mit der weltberühmten Schwebebahn war man  früh innovativ. Jetzt wird ein Vorschlag des Wuppertal-Instituts diskutiert. Das Impulspapier schlägt vor: Bis zum Jahr 2027 konsequent alle Autos aus Elberfeld zu verbannen. Das wäre der erste ganze Stadtteil in Deutschland, der in ein autofreies Quartier umgewandelt würde. Ein Blick nach Thüringen zeigt, wie weit man in Erfurt ist. Die Landeshauptstadt entwickelt seit 2012 eine Begegnungszone, bei der nahezu einstimmig vom Stadtrat beschlossen wurde, weite Teile der Altstadt zum Fußgängerbereich zu erklären.

Oslo, Madrid, Florenz, Wuppertal

Kinder spielen auf der Straße, unterwegs sind Fußgänger und Radler. Autos Fehlanzeige. Frische Luft mitten in der City. Wenn es nach dem Wuppertaler Institut geht, wird der Stadtteil Elberfeld ein autofreies Quartier. Oslo, Madrid, Florenz, Wuppertal. In so einer Reihe sieht Verkehrsplaner Professor Oscar Reutter vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie künftig seine Stadt - aber noch ist das Zukunftsmusik. „Das Initiativpapier ist ein wichtiger Denkanstoß. Das Institut ist ein wichtiger Thinktank, wie der Verkehr von morgen aussehen kann“, so Pressesprecherin Ulrike Schmidt Käßler.

Es geht um 4,5 Quadratkilometer, wo 1.400 Betriebe angesiedelt sind. Etwa 40.000 Menschen leben in Elberfeld, knapp elf Prozent der gesamten Stadtbevölkerung. Etwa 12.000 privat zugelassene Pkw gibt es dort. Dazu kommen 1.500 gewerblich betriebene Fahrzeuge. Hier liegen das Schauspielhaus, die sogenannte Schwimmoper aus den 50er Jahren und das Von-der-Heydt-Museum, ein bedeutendes Kunstmuseum im Rheinland. Ein Drittel der alltäglichen Wege sollten künftig über das Nahverkehrsnetz ÖPNV erledigt werden. Dieser gleichermaßen mutige wie radikale Vorschlag scheint für den Leiter der Forschungsgruppe Professor Oscar Reutter durchaus erreichbar bis 2027. „Noch ist alles in der Schwebe, demnächst finden die ersten Gespräche statt.“

Parken in der Quartiersgarage

Kein Parken mehr vor der Haustür. Geparkt werden soll in der Quartiersgarage. „Probleme bereitet vor allem der ruhende Verkehr. Alle Straßen sind zugestellt mit Blech“, so Oscar Reutter. Das Mobilitätsangebot der Stadt müsste aufgestockt werden. Zusätzliche Radwege, Radparkhäuser, Car-Sharing und das Nahverkehrsnetz soll ausgebaut werden. „Es geht darum, sich eine moderne Stadt für das 21. Jahrhundert vorzustellen. Wuppertal spielt dann in einer Liga mit Oslo, Wien oder Madrid, die ähnliche Projekte voranbringen.“ Die Politik reagiert bisher eher zögerlich, der nächste Schritt könnte für Verkehrsforscher Reutter eine Machbarkeitsstudie sein.

Verkehrsberuhigte Zonen in Erfurt

Die Abschaffung von 2.800 kostenlosen Parkplätzen in der gesamten Innenstadt gehört zum langfristigen Projekt der verkehrsberuhigten Zonen in Erfurt. „Die mittelalterliche Altstadt soll für Fußgänger noch attraktiver werden, also Aufwertung des ÖPNV und Verkehrsberuhigung in einem“, erläutert Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD). „Am Rande der Altstadt sollen nur noch Anwohner künftig kostenlos parken, Pendler und Touristen müssen künftig zahlen.“ Die Altstadt wurde bereits 2014 weitgehend in eine Begegnungszone" umgewandelt. Zu-Fuß-Gehen und Verweilen haben klar Vorrang vor dem Autoverkehr. Lieferverkehr ist auf wenige Stunden am Tag beschränkt, Poller versperren den Weg. Aktuell gibt es 60 frei verfügbare Parkplätze.

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