Efeu-Campus

In Bruchsal werden Pakete vom Roboter gebracht

Carl-Friedrich Höck04. März 2021
So sieht der autonom fahrende Roboter aus
Um den Lieferverkehr in den Städten zu verringern, könnten Pakete in Zukunft von Robotern ausgeliefert werden – zumindest auf der „letzten Meile“. In Bruchsal wurde ein autonomer Roboter entwickelt und am Mittwoch der Öffentlichkeit vorgestellt.

Es gehe „um nichts anderes als die Zukunft der urbanen Mobilität in der sogenannten letzten Meile“. Das sagt Cornelia Petzold-Schick, die parteilose Oberbürgermeisterin von Bruchsal. Die Stadt hat vor fünf Jahren ein Innovationszentrum für Güterlogistik gegründet, den „Efeu-Campus“. Es ist ein Testareal, das vom Land Baden-Württemberg und der EU gefördert wird. Dort wurde ein autonom fahrender Fahrzeugroboter entwickelt. Am Mittwoch wurde er der Öffentlichkeit präsentiert.

Zustellung wird neu organisiert

Der Roboter soll Pakete zum Kunden bringen und die sogenannte „letzte Meile“ effizienter und klimaschonender gestalten. Der Online-Versandhandel hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen und damit auch der Lieferverkehr in die Innenstädte. Geht es nach den Entwickler*innen vom Efeu-Campus Bruchsal, soll die Paketzustellung in Zukunft anders organisiert werden.

Die Pakete, so die Idee, sollen dann vom Kurierdienst nur noch bis zu einem Mikrodepot am Stadtrand oder in einem bestimmten Stadtgebiet geliefert werden. Von dort aus werden sie mit autonom fahrenden Fahrzeugen weitertransportiert. Die Empfänger*innen können das Paket entweder per App zu sich nach Hause bestellen oder – wenn sie nicht zuhause sind – es an eine Ablagestation bringen lassen. Um Leerfahrten zu vermeiden, sollen die Roboter auf dem Rückweg Retouren oder Abfälle mitnehmen.

Roboter reagieren eigenständig

Entwickelt wurden die Roboter gemeinsam mit dem Antriebstechnik-Hersteller SEW Eurodrive. Laut Efeu-Campus und SEW sind die Roboter im Gegensatz zu klassischen Fabrik-Robotern für den Außenbereich geeignet. Sie sollen wind- und wetterfest sein und auch Bürgersteige oder Steigungen überwinden können. Die Fahrzeuge kommunizieren untereinander über den 5G-Standard. Sie sind mit künstlicher Intelligenz, Kameras und Laserscannern ausgestattet. Das soll sicherstellen, dass sie Objekte (etwa Personen) erkennen und eigenständig auf Ereignisse reagieren. Durch die Stadt bewegen sich die Fahrzeuge mit Schrittgeschwindigkeit.

Die ersten fünf Roboter sollen bald schon im realen Einsatz getestet werden und 240 Bewohner*innen des Campus beliefern. Das Test-Quartier in Bruchsal soll Vorbildcharakter haben, sagt die Oberbürgermeisterin. Interessierte Kommunen könnten gerne Hilfe anfragen. „Wir haben eine technische Entwicklung, die sensationell ist, und die wir anderen gerne weitergeben wollen“, betont Petzold-Schick.

Die Idee der City-Hubs – also Mikro-Depots, von denen aus Pakete umweltfreundlich innerhalb der Stadt weitertransportiert werden – ist allerdings nicht ganz neu. So experimentieren die DHL und andere Paketzusteller schon seit einigen Jahren mit Fahrradkurieren auf E-Bikes.

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