Buchrezension

Bürgermeister-Handbuch: Einblicke in „das schönste Amt neben Papst“

Carl-Friedrich Höck07. Januar 2022
Cover Handbuch Berufsbild Bürgermeister
Welche Eigenschaften müssen angehende Bürgermeister*innen mitbringen? Diese Frage beantwortet jetzt ein lesenswerter Sammelband. Zahlreiche „Kommunalos“ berichten von ihren eigenen Erfahrungen und zeichnen ein Bild des Berufs.

Wer mit dem Gedanken spielt, sich auf ein Bürgermeisteramt zu bewerben, muss sich fragen: Kann ich das überhaupt? Werde ich den Anforderungen gerecht? Sofern man die Erwartungen der Bürgerschaft zum Maßstab nimmt, dürfte das zumindest schwierig werden. Das macht Bergkamens ehemaliger Bürgermeister Roland Schäfer deutlich: Die Bevölkerung wolle einen durchsetzungsstarken Rathauschef, aber mit Fingerspitzengefühl! Die Bürgermeisterin solle ständig vor Ort präsent sein, aber auch den Blick über den Tellerrand richten! Natürlich sollten die verschiedenen Wünsche von Vereinen, Gruppen und Einzelnen möglichst rasch erfüllt werden, während gleichzeitig Steuern und Gebühren gesenkt und Schulden abgebaut werden. Gesucht werde also ein kommunaler Superman oder eine kommunale Superfrau. Schäfer schreibt: „Wer kann diesen Anforderungen genügen? Antwort: Niemand!“

Bürgermeister*innen teilen ihre Erfahrungen

Das „Handbuch Berufsbild Bürgermeister“ belässt es zum Glück nicht bei solchen launigen Bemerkungen. Den Herausgebern Rainer Beutel, Johannes Winkel und Uwe Zimmermann ist ein lesenswerter Sammelband gelungen. 19 Autor*innen – die meisten von ihnen mit Rathauserfahrung – beschreiben darin, was zum Job des Rathauschefs alles dazugehört.

Das umfasst zum einen Themengebiete, mit denen sich ein Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin befassen muss. Dazu gehören etwa Wirtschaftsförderung, Bürgerbeteiligung, Digitalisierung und finanzieller Sachverstand. Das Handbuch enthält dazu jeweils eine kurze Einführung.

Mit allen reden – nicht es allen recht machen

Daneben geht es um grundsätzliche Fragen. Der ehemalige OB von Mönchengladbach (und frühere Vorsitzende der Bundes-SGK) Norbert Bude wirft die Frage auf: Soll und kann ein Amtsträger „ein Oberbürgermeister für alle“ sein und „die Menschen mitnehmen“? Er selbst empfand solche Sätze als selbstverständlich, als er 2004 sein Amt antrat. Heute würde er diese Aussagen nicht mehr verwenden, schreibt er. Ein Bürgermeister brauche klare Ziele und Vorstellungen für seine Stadt und könne nicht alle Menschen von der eigenen Meinung überzeugen. Aber: Er solle Respekt zeigen vor denen, die anders denken, mit ihnen diskutieren und sich auch unliebsamen Diskussionen stellen. Das verstehe er heute unter „mitnehmen statt ausgrenzen“. Allerdings gebe es Ausnahmen: Mit Menschen aus dem rechten Spektrum diskutiere er nicht über Asylpolitik oder Integration.

Fachliche Qualitäten gefragt

Was in der öffentlichen Wahrnehmung oft etwas untergeht: Ein Bürgermeister ist nicht nur Politiker, sondern auch Chef einer Behörde. Wer sich für das Amt bewirbt, muss Mitarbeiter*innen führen können und zugleich offen für ihren Rat und konstruktive Kritik sein.

Braucht es dafür ein bestimmtes Studium oder eine Ausbildung? Nein, resümiert Roland Schäfer im eingangs erwähnten Beitrag. Guter Wille und Enthusiasmus reichten für das Amt allerdings nicht aus. Wer es anstrebt, sollte einige fachliche Qualitäten mitbringen oder sich schnell aneignen können. Dazu gehören zum Beispiel Kenntnisse der Gemeindeordnung, des Haushalts- und Steuerrechts, kommunaler Satzungen und des Arbeits- und Tarifrechts. Aber auch Grundwissen von Rechtsbereichen der Verwaltung wie Bauplanungsrecht, von Personalführung und Organisation.

Man muss viel wissen, aber nicht alles

Abschrecken lassen sollte man sich davon jedoch nicht. Schäfer räumt ein: Auch der erfahrenste Verwaltungsfachmann wird nicht alle Aspekte einer Kommunalverwaltung beherrschen. Umso wichtiger ist funktionierende Teamarbeit.

Das Handbuch verdeutlicht: Der Job des Bürgermeisters ist anspruchsvoll – aber auch vielfältig und reizvoll. Oder, wie Norbert Bude in Anlehnung an einen Ausspruch von Franz Müntefering schreibt: „Es ist das schönste Amt neben Papst.“

 

Rainer Beutel, Johannes Winkel, Uwe Zimmermann (Hrsg.):
Handbuch Berufsbild Bürgermeister.
Was Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in ihr Amt mitbringen sollten
Kommunal- und Schulverlag, Wiesbaden 2021, 305 Seiten, 49,40 Euro
ISBN 978-3-8293-1688-0

weiterführender Artikel

Kommentar hinzufügen