Kampagne

Bund, Länder und Kommunen werben für Rückkehr in den ÖPNV

Carl-Friedrich Höck20. August 2020
Vertreter*innen von Politik und Verkehrsunternehmen posieren vor einem Bus mit Motiv der Kampagne #Besserweiter
Wegen der Corona-Krise fehlen den Öffentlichen Nahverkehrs-Unternehmen Fahrgäste und Einnahmen. Eine Kampagne soll helfen, das Vertrauen in den ÖPNV zurückzugewinnen. Bund, Länder und Kommunen unterstützen die Aktion.

Im März und April 2020 stieg kaum noch jemand in die Busse und Bahnen ein. Das Fahrgastaufkommen im Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) sank auf 20 Prozent des Vorkrisenniveaus. Damit fehlten Ticketeinnahmen in Milliardenhöhe, die nun teilweise von Bund und Ländern ausgeglichen werden.

Fahrgastzahlen steigen wieder

Mittlerweile sind die Verkehrsmittel wieder voller: Arbeitnehmer*innen kehren ins Büro zurück, Kinder an die Schulen. Laut einer Umfrage fahren 78 Prozent der Fahrgäste, die vor der Krise mindestens an drei Tagen pro Woche den Nahverkehr genutzt haben, jetzt wieder genauso häufig mit Bus und Bahn. Das meldet der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV).

Dies reicht aber nicht, um die Verkehrsunternehmen auskömmlich zu finanzieren. Deshalb werben nun Bund, Länder und Kommunen gemeinsam mit dem VDV dafür, wieder in Busse und Bahnen einzusteigen. Die Gemeinschaftskampagne #BesserWeiter wurde am Mittwoch in Berlin vorgestellt. Sie läuft bereits seit Ende Juli – als bundesweit Großplakate angebracht wurden – und soll nun verstärkt werden.

Milliardenausfälle müssen kompensiert werden

Der Nahverkehr sei systemrelevant, meint die saarländische Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD), die auch Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz ist. Bund, Länder und Kommunen hätten den ÖPNV in der Krise finanziell abgesichert. Anfang August hat auch die EU-Kommission zugestimmt, dass die deutschen Verkehrsunternehmen Beihilfen von bis zu sechs Milliarden Euro erhalten dürfen. Allein der Bund hat bisher 2,5 Milliarden Euro zugesagt.

„Die Angebotsseite steht“, sagt Rehlinger. Nun müsse die Nachfrage gestärkt werden. Das will auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) erreichen: „Wir müssen Vertrauen zurückgewinnen.“ Dabei gehe es auch um die Mobilität der Zukunft. Er wolle nicht, dass die Verkehrsunternehmen ihre Angebote ausdünnen müssen und „alle wieder aufs Auto umsteigen“.

Kampagne soll Sicherheitsgefühl erhöhen

Verkehrsminister Andreas Scheuer

Laut Scheuer haben Bund, Länder und Verkehrsunternehmen einen Maßnahmenkatalog erarbeitet: Mit Lüftungskonzepten, Konzepten für die Desinfektion und Reinigung sowie der Maskenpflicht. Letztere soll in Zukunft noch stärker kontrolliert werden. Für das Maskentragen werben auch die Motive der Kampagne #BesserWeiter, die nun zum Beispiel auf Bussen im ganzen Land zu sehen sind.

Mit ihrer Gemeinschaftskampagne wollen Politik und Unternehmen das Sicherheitsgefühl potenzieller Fahrgäste wieder erhöhen. „Der ÖPNV ist kein Corona-Hotspot“, betont etwas Burkhard Jung, der Präsident des Deutschen Städtetages. Es gebe keine Untersuchung, die darauf hinweise, dass sich das Coronavirus im Nahverkehr besonders stark ausbreite.

Weitere Fahrgastumfragen geplant

Verkehrsminister Scheuer hat angekündigt, einen „Vertrauensindex Bus & Bahn“ einzuführen. Er soll das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste messbar machen, indem monatlich repräsentative Umfragen durchgeführt werden. Je näher der Index bei 100 liegt, desto größer ist das Vertrauen. Der Ausgangswert liegt aktuell bei 47 Punkten. VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff erklärt: „Wir wollen wissen, ob die Menschen mit einem guten Gefühl in Bus und Bahn einsteigen oder warum sie das eventuell nicht tun. Denn uns ist jeder einzelne Fahrgast, der zurückkehrt, wichtig.“

Timm Fuchs, Beigeordneter beim Deutschen Städte- und Gemeindebund

Um das Sicherheitsgefühl zu erhöhen, könnte auch das Potenzial der Digitalisierung noch stärker genutzt werden, meint Timm Fuchs, Beigeordneter und Verkehrsexperte beim Deutschen Städte- und Gemeindebund. Da könnten sich die Verkehrsunternehmen noch mehr anstrengen. Als Beispiel nennt er Apps, in denen angezeigt wird, wie stark Busse und Bahnen ausgelastet sind. So könnten Fahrgäste dies bei der Routenplanung berücksichtigen. Auch elektronisches Ticketing und kontaktlosen Bezahlen könnten helfen, weil der Kontakt mit Bargeld so vermieden wird. „Die Leute fühlen sich einfach sicherer“, so Fuchs.

Mehr zur Kampagne:

Interview mit der saarländischen Verkehrsministerin Anke Rehlinger zur Kampagne:
„Corona darf den ÖPNV nicht ausbremsen” (demo-online.de)

Kampagnenwebsite:
besserweiter.de

weiterführender Artikel

Kommentar hinzufügen