Familienministerin Paus präsentiert Strategie

Wie der Bund mehr Fachkräfte für Kitas gewinnen will

Carl-Friedrich Höck21. Mai 2024
Familienministerin Lisa Paus beim Besuch einer Offenbacher Kita im Sommer 2023
In Kitas und Ganztagsschulen herrscht Personalnot. Bundesfamilienministerin Paus hat gemeinsam mit den Ländern eine Strategie vorgestellt, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Dieser werde zum Risikofaktor für die frühkindliche Bildung, hieß es.

Für viele Eltern ist es Alltag geworden: Ihre Kita verkürzt die Öffnungszeiten oder schließt die Gruppe gleich ganz, weil wieder einmal Personal fehlt. Auch Ganztagsschulen suchen händeringend nach Fachkräften, zumal ab 2026 schrittweise ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung eingeführt werden soll.

Das Bundesfamilienministerium geht davon aus, dass im Jahr 2030 allein in den Kitas zwischen 50.000 und 90.000 Fachkräfte fehlen könnten. Dieser Mangel werde zunehmend zu einem Risikofaktor für die frühkindliche Bildung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums.

50 Vorschläge für mehr Personal in Kitas

Dessen Chefin Lisa Paus (Bündnis 90/ Die Grünen) will gegensteuern und hat dazu am Dienstag gemeinsam mit den Ländern eine Strategie präsentiert. An der Erarbeitung waren auch weitere Ressorts, die Kommunalen Spitzenverbände und andere Akteur*innen beteiligt. Die Strategie umfasst knapp 50 Empfehlungen, um kurz- bis langfristig mehr Menschen für die Kinderbetreuung zu gewinnen oder länger im Beruf zu halten.

„Dies kann gelingen, wenn wir beispielsweise den Einstieg durch Umschulungsförderung, durch vergütete praxisintegrierte Ausbildungsmodelle und durch flexiblere Aus- und Weiterbildung attraktiver machen“, erklärte Paus. Sie rechnet vor, dass von mehr bedarfsgerechten Betreuungsangeboten für Familien auch die Wirtschaft profitieren würde. Berechnungen zufolge könnten dadurch mehr als 800.000 Personen dem Arbeitsmarkt zusätzlich zur Verfügung stehen.

SPD-Politikerin nennet drei Kernpunkte

Hamburgs Bildungssenatorin Karolin Aulepp (SPD) mahnte an, den Personalbedarf in Kitas und Schulen flächendeckend zu sichern. „Dafür brauchen wir schnell eine zukunftsweisende nationale Strategie, die drei Punkte umfasst: niedrigschwellige Zugänge in den Arbeitsbereich und tätigkeitsbegleitende Qualifizierung, vergütete und praxisintegrierte, ‚dualisierte‘ Aus- und Weiterbildungen sowie die gemeinsame finanzielle Verantwortung von Bund und Ländern für die Kindertagesbetreuung und den schulischen Ganztag auch bei der Ausbildung und weiteren Qualifizierungsmaßnahmen.“ Aulepp ist auch Vorsitzende der Jugend- und Familienministerkonferenz der Länder.

Paus bekräftigte am Dienstag ihre Absicht, dass der Bund sich auch nach 2024 an der Qualitätsentwicklung der Kindertagesbetreuung finanziell beteiligen solle. Derzeit passiert das im Rahmen des Kita-Qualitätsgesetzes, für das der Bund in den Jahren 2023 und 2024 insgesamt vier Milliarden Euro eingeplant hat.

Schnellere Integration in den Arbeitsmarkt

Die nun vorgelegten Empfehlungen sehen unter anderem vor, dass Personen mit ausländischen Abschlüssen schneller in Betreuungsberufe integriert werden können. Die Anerkennungsverfahren für ausländische Abschlüsse sollen vereinfacht und auch berufsbegleitend ermöglicht werden. Bundesbildungsministerium stellt auch „bessere Rahmen- Arbeits- und Rahmenbedingungen etwa durch die Etablierung von vergüteten Fachkarrieren“ in Aussicht.

In der Kindertagesbetreuung arbeiten laut Bundesbildungsministerium mehr als 840.000 Menschen. Der Teilarbeitsmarkt der frühen Bildung sei in den vergangenen Jahren dreimal so schnell gewachsen wie der deutsche Gesamtarbeitsmarkt. Auch die Ausbildungszahlen steigen. Gleichzeitig ist durch Kita- und Ganztagsausbau der Bedarf an Fachkräften zuletzt enorm gestiegen und wird in den kommenden Jahren weiter wachsen.

Mehr Informationen
Das Empfehlungspapier steht auf der Website des Bundesfamilienministeriums als PDF-Download zur Verfügung.

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