Corona-Impfkampagne

Bus, Bahnhof, Bratwurst: So kreativ sind die Impf-Angebote vor Ort

Karin BillanitschPaul List05. August 2021
Zu jedem Pieks eine Bratwurst: Eine solche Impfaktion in Thüringen war erfolgreich.
Die Impfbereitschaft in Deutschland sinkt. Nun soll auf niedrigschwellige Angebote gesetzte werden, um COVID-19 einzudämmen. Länder und Städte setzen auf kreative Angebote – vom Impfbus vor der Bücherei bis zum Picks am Gleis.
Die Impfbereitschaft in Deutschland sinkt. Nun soll auf niedrigschwellige Angebote gesetzte werden, um COVID-19 einzudämmen. Länder und Städte setzen auf kreative Angebote – vom Impfbus vor der Bücherei bis zum Picks am Gleis.

„Egal ob Möbelhaus oder Fußballstadion“, sagte Olaf Scholz zu Wochenbeginn in Mecklenburg-Vorpommern, der SPD-Kanzlerkandidat wirbt um kreative Impfangebote gegen die Coronapandemie. Lebensnahe Angebote sind für den Vizekanzler die Antwort auf die sinkende Impfquote in Deutschland. Und mit Impfbussen, Impfungen am Bahnhof oder der Bücherei lassen sich Länder und Kommunen inzwischen schon einiges einfallen.

Denn die verabreichten Impfungen sinken von Woche zu Woche. So schreibt es das Robert-Koch-Institut in seinen täglichen Berichten. Gleichzeitig rückt das Ziel „Herdenimmunität“, um die Pandemie zu beenden, in die Ferne. Um die Quote wieder zu erhöhen, versuchen die Länder mit kreativen und gleichzeitig niedrigschwelligen Angeboten die Menschen zur Impfung zu bringen. In immer mehr Bundesländern ist der „Picks“ gegen Corona nun ohne Termin möglich. Die Impfbusse rollen vor die Supermärkte in Rheinland-Pfalz. Und wer die Stadtbücherei in Düsseldorf besucht, kann neben einem Buch auch direkt eine Erst- oder Zweitimpung mitnehmen.

Impfen ohne Termin in Berlin

Impfzentren impfen an vielen Orten nun ohne Termin. Die Türen stehen den Menschen unter anderem in Rheinland-Pfalz, Hamburg und Berlin offen. Die SPD-Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci sagte gegenüber dem rbb, es würden nun allen Menschen in Berlin die Türen geöffnet werden. „Wir bitten jetzt die Zögerlichen, ihrerseits einen Schritt auf uns alle zuzugehen und das Angebot anzunehmen“, so Kalayci.

Es ist nur die jüngste Entwicklung in der Hauptstadt: In den vergangenen Wochen hatte Berlin bereits mit Impfungen vor Möbelhäusern und in Schwerpunkt-Stadtteilen Schlagzeilen gemacht, zeitweise war der Andrang so groß, dass Personal und Impfdosen nicht ausreichten, um alle zu bedienen.

Niedrigschwelliges Impfangebot auf dem Parkplatz 

In Rheinland-Pfalz sind seit Montag sechs Impfbusse unterwegs. Sie sollen hochfrequentierte Orte ansteuern, wie beispielsweise Supermarktparkplätze. „Es bedarf lediglich eines Personalausweises, um eine Impfung zu erhalten“, teilt Clemens Hoch, Gesundheitsminister in Rheinland-Pfalz, mit. Die Erfahrung der ersten Tage zeige, dass das Impfangebot unweit der eigenen Haustür gerne angenommen würde, so der Sozialdemokrat. Es seien am ersten Tag bereits über 1000 Menschen durch die Impfbusse in Rheinland-Pfalz geimpft worden.

„Jede Impfung zählt“, so Hoch. Es sei wichtig, jetzt die Menschen zum Impfen zu bringen, um sicher durch den Herbst und Winter zu kommen. Er sagt: „ Wir wollen den Menschen niedrigschwellige Impfangebote bieten, um so diejenigen zu erreichen, die aufgrund Ihrer Lebenslage nur schwer die Impfung in einem Impfzentrum oder bei einem niedergelassenen Arzt wahrnehmen können.“

Düsseldorf mit „Pop-Up-Impfzentren“

Die Stadt Düsseldorf hat ebenfalls ihr Impfangebot erweitert: Jeden Tag von 10 bis 19 Uhr kann man sich dort am Hauptbahnhof, in einem zentral gelegenen U-Bahnhof sowie am Flughafen impfen lassen. Ein Impfmobil tourt durch die Stadt, außerdem gab es „Pop-Up-Impfzentren“ in der Stadt. So konnten beispielsweise in der Stadtbücherei die Ausleihe oder der Gottesdienstbesuch in einer Moschee mit einer Impfung verbunden werden.

Auch eine Initiative im Profisport will gemeinsam mit Städten und Gemeinden Anreize zum unkomplizierten Impfen schaffen. Die gemeinsame Initiative von Profiligen im Basketball, Eishockey, Fußball und Handball bietet Städten und Gemeinden Hilfe an bei Impfangeboten im Rahmen von Sportveranstaltungen. Mit der Idee „Erst impfen, dann ins Stadion“ möchten die vier größten deutschen Liga-Organisationen „zusätzliche Möglichkeiten eröffnen, um die Impfbereitschaft in Deutschland zu erhöhen und damit die Bekämpfung der Corona-Pandemie zu unterstützen“, teilt unter anderem die Deutsche Fußball-Liga (DFL) mit. 

Bratwurst in Thüringen

Olaf Scholz, der Kanzlerkandidat der SPD, freute sich auf Twitter über die kreativen Angebote und forderte noch mehr: „Wir müssen die Impfung jetzt an die Leute bringen und so viele Bürgerinnen und Bürger wie möglich davon überzeugen, sich impfen zu lassen. Lebensnahe Angebote gehören dazu.“ Dabei spielte er auf ein Impfangebot in Thüringen an: Dort gab es zu jedem „Piks“ eine Bratwurst. Die Aktion war ein Erfolg.

Kommentar hinzufügen