Initiative der kommunalen Spitzenverbände

Deutsche Kommunen sammeln Geld für 1.000 Schulen in Entwicklungsländern

Carl-Friedrich Höck06. November 2018
Landkreistag-Präsident Sager, Entwicklungsminister Müller und Städtetags-Präsident Lewe
Landkreistag-Präsident Sager, Entwicklungsminister Müller und Städtetags-Präsident Lewe (v. l.) präsentieren die Kampagne „1.000 Schulen für unsere Welt”.
Die kommunalen Spitzenverbände wollen Kindern in Afrika, Asien oder Südamerika eine bessere Zukunft ermöglichen. Deshalb starten sie eine gemeinsame Aktion: „1.000 Schulen für unsere Welt“. Nun hoffen die Verbände, dass sich viele Städte und Gemeinden an dem Projekt beteiligen – und deren Bürger.

50.000 Euro. So viel kostet in manchen Ländern Afrikas, Asiens oder Südamerikas der Bau einer neuen Schule. Die kommunalen Spitzenverbände wollen dabei helfen, dieses Geld einzusammeln. Und das nicht nur für eine Schule, sondern für viele Neubauten. Am Dienstag haben sie die Gemeinschaftsinitiative „1.000 Schulen für unsere Welt“ gestartet.

Millionen Kinder besuchen keine Schule

„Wir sind überzeugt, dass die Kraft und die Power der kommunalen Familie dazu beitragen kann, mehr Gerechtigkeit in die Welt zu tragen“, sagt der Präsident des Deutschen Städtetages Markus Lewe. Weltweit könnten 264 Millionen Kinder keine Schule besuchen. Doch es sei wichtig, dass Kinder in einem Rahmen von Geborgenheit aufwachsen.

Mit der Gemeinschaftsinitiative greifen die Kommunalverbände ein Projekt auf, das bereits seit einigen Jahren für Furore sorgt. Es geht auf Reiner Meutsch zurück, einen Tourismus-Unternehmer und Hobbypilot. Als Meutsch im Jahr 2010 eine Weltumrundung plante, wollte er dieser Reise einen Sinn geben. So setzte er sich das Ziel, fünf Schulen zu errichten. „Als ich nach Hause kam, wusste ich: Das soll mein Leben werden“, sagt Meutsch.

Regeln sollen Nachhaltigkeit garantieren

Reiner Meutsch, Gründer von „Fly & Help”
Reiner Meutsch, Gründer von „Fly & Help”

Der Unternehmer gründete die Stiftung „Fly & Help“, die Bildungsprojekte für Kinder in Entwicklungsländern finanziert. Wichtig sei ihm Nachhaltigkeit, betont Meutsch. Wenn seine Stiftung eine Schule baue, sei stets das ganze Dorf beteiligt. Das Grundstück müsse der Gemeinde gehören und die Kommune, die den Bau übernimmt, müsse aufzeigen, dass sie die Schule anschließend selbst unterhalten kann. Zudem müsse stets eine deutsche Partnerorganisation beteiligt sein, die seit mindestens 20 Jahren im Land aktiv ist.

Dank zahlreicher Spender hat die Stiftung mittlerweile 250 Schulbauprojekte angestoßen. Unterstützt wurde sie unter anderem von Stefan Rößle (CSU), Landrat im Kreis Donau-Ries. Er bewegte weitere Kommunen dazu, an dem Projekt mitzuwirken. Für Rößle ist diese Art der Entwicklungshilfe auch Friedenspolitik – und ein Beitrag, Fluchtursachen zu bekämpfen. Der Umgang mit den Geflüchteten habe gezeigt, was Kommunen und Zivilgesellschaft gemeinsam zu leisten imstande sind.

Spenden statt Steuergelder

Rößle machte das Vorhaben auch bei den kommunalen Spitzenverbänden bekannt – also Deutscher Städtetag, Deutscher Landkreistag und Deutscher Städte- und Gemeindebund. Die wollen nun 1.000 weitere Schulen ermöglichen. Für die Schulbauten sollen jedoch keine Steuermittel eingesetzt werden. Stattdessen sollen Bürger, Vereine und Sponsoren aus der Wirtschaft das Geld spenden – oder auch Mitarbeiter aus kommunalen Verwaltungen. Die Städte und Gemeinden können beim Einwerben der Gelder vor Ort helfen: Mit Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Benefizveranstaltungen oder einem Beschluss des Kommunalparlamentes, der das Projekt untermauert.

Wenn gewünscht, richtet die Stiftung Fly & Help – oder eine andere Partnerorganisation – ein eigenes Spendenkonto für die jeweilige Kommune ein. So fließen alle Spenden, die die Bürger eines Ortes geleistet haben, in dasselbe Schulbauprojekt.

Kommunen werben und koordinieren

Die kommunalen Spitzenverbände werben bei den Städten, Gemeinden und Kreisen für das Projekt und helfen bei der Koordination. Das notwendige Personal wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mitfinanziert, über die „Servicestelle Kommunen in der Einen Welt“.

Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) unterstreicht, wie wichtig das Engagement der Kommunen sei: „Die Kommunen sind unser wichtigster Partner, wenn es darum geht, Infrastruktur in unseren Partnerländern zu schaffen.“ Sie könnten das, was anderswo gebraucht werde: Wohnungen organisieren oder eine Abfallbewirtschaftung aufbauen zum Beispiel.

Oder eben Schulen bauen. Mit der Gemeinschaftsinitiative „1.000 Schulen“ wolle man Kommunen einen Einstieg ermöglichen, die sich niedrigschwellig engagieren wollen, sagt Landkreistag-Präsident Reinhard Sager. Und ergänzt: „Kommunen sind nicht für Entwicklungs- oder gar Außenpolitik zuständig. Aber wir erkennen hier den Sinn.“

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