Demografischer Wandel und alternde Gesellschaft

Deutsche Regionen altern unterschiedlich

Karin Billanitsch22. Mai 2017
Fit im Alter, das wünschen sich viele. Künftig werden immer mehr Ältere die Gesellschaft prägen.
Die Menschen in Deutschland werden immer älter, aber nicht überall ist dieser Trend gleich stark ausgeprägt. Freiburg und Heidelberg sind die Städte mit der jüngsten Bevölkerung in Deutschland, hat eine Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung ausgewertet. Die meisten Älteren leben in Dessau. Die Kommunen sind herausgefordert, die örtlichen Rahmenbedingungen für das Älterwerden zu gestalten. Empfehlungen gibt der 7. Altenbericht der Bundesregierung.

Die Bevölkerung in Deutschland wird älter. Es gibt aber große regionale Unterschiede, auf die sich die Kommunen jeweils vor Ort einstellen müssen. Das geht aus einer aktuellen Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung hervor. Die Studie hat Daten von der Jahrtausendwende bis 2015 ausgewertet. In dieser Zeit ist das Durchschnittsalter um 3,3 Jahre gestiegen – von 40,6 auf 43,9 Jahre.

Strukturschwache Gebiete altern schneller

Weil viele strukturschwache Gebiete an junger Bevölkerung verloren haben, altern diese schneller, stellt das BBSR fest. Besonders stark macht sich die Alterung der Bevölkerung in strukturschwachen Gebieten abseits der Ballungsräume bemerkbar. Allein zwischen 2000 und 2015 haben Landkreise wie Suhl (minus 22 Prozent), Oberspreewald-Lausitz (minus 21,7 Prozent) und Spree-Neiße (minus 19,9 Prozent) jeden fünften Einwohner verloren.

Die Auswertung der BBSR zeigt, wie groß die Kluft in Deutschland inzwischen ist: In Freiburg und Heidelberg, in den Städten mit der jüngsten Bevölkerung liegt das Durchschnittsalter bei 39,8 beziehungsweise 39,9 Jahren. In einigen ostdeutschen Landkreisen und kreisfreien Städten liegt es zehn Jahre darüber. Die ältesten Deutschen leben in Dessau mit einem Schnitt von 49,5 Jahren. Mit Alterung zu kämpfen hat auch das Altenburger Land (49,4) oder Suhl (49,1). Während in Dessau fast jeder Dritte über 64 Jahre ist, sind in Freiburg und Heidelberg hingegen nur rund 16 Prozent älter als 64 Jahre.

7. Altenbericht der Bundesregierung sieht Handlungsbedarf im Kommunen

Auch der jüngst vorgestellte 7. Altenbericht der Bundesregierung kommt zu dem Befund, dass die Alterung der Gesellschaft voranschreitet, und sogar in Zukunft anhält: Insgesamt gehört in Deutschland jeder vierte Mensch zur Generation 60plus, heißt es im 7. Altenbericht. Im Jahr 2050 wird es bereits jeder Dritte sein, lautet die Prognose der Autoren. Bundesseniorenministerin Manuela Schwesig betont anlässlich der Präsentation des Berichts: „Ältere Menschen werden unsere Gesellschaft mehr und mehr prägen. Deshalb muss unsere Politik für ältere Menschen stärker darauf ausgerichtet sein, ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben im Alter zu unterstützen“, so Manuela Schwesig weiter.

Gerade wegen sehr unterschiedlicher Entwicklungen in den Kommunen besteht besonderer Handlungsbedarf. Die Sachverständigen des 7. Altenberichts weisen auf die Schwierigkeiten hin, gleichwertige Lebensverhältnisse für ältere Menschen zu sichern. So stellt sich in einigen ländlichen und strukturschwachen Regionen angesichts der steigenden Zahl älterer Menschen und der Abwanderung junger Menschen bereits die Frage, wie die regionale Daseinsvorsorge sichergestellt werden kann. Hinzu kommt eine Vielzahl von Gemeinden, die sich vor allem angesichts finanzieller Engpässe kaum mehr in der Lage sehen, die angestrebten Ziele umzusetzen.

Gegen den Trend

Es gibt aber auch ländliche Regionen, die sich dem Trend der Überalterung entgegen stellen, das zeigen die Zahlen der BBSR-Auswertung. Einige Landkreise im Westen – wie Vechta (40,0) oder Cloppenburg in Niedersachsen (40,1) – haben eine vergleichsweise junge Bevölkerung. Dort leben besonders viele Familien mit kleinen Kindern.  Auch in Teilen Baden-Württembergs oder Bayerns ist das Durchschnittalter niedrig. Neben Universitätsstädten wie Tübingen, Erlangen, Regensburg oder Eichstätt haben auch einige Umlandkreise der wirtschaftsstarken Metropolen ein niedriges Durchschnittsalter, beispielsweise Freising (40,6) und Erding (41,4) bei München. Der Grund: Viele Familien zieht es hier ins engere Umland.

Es spiegelt sich deutlich in diesen Zahlen, dass jede Kommune ihre eigenen Lösungen finden muss, um auf ihre örtlichen Gegebenheiten die richtige Antwort zu finden. Auch der 7. Altenbericht fordert, die regionale Vielfalt im Blick zu behalten. Pauschale Lösungen gibt es nicht, heißt es. Das müssten auch Bund und Länder im Auge behalten, zum Beispiel wenn sie Förderprogramme auflegten. Die Siebte Altenberichtskommission unter der Leitung von Professor Andreas Kruse hatte den Auftrag, Handlungsempfehlungen für eine nachhaltige Seniorenpolitik in den Kommunen zu erarbeiten. In einer Broschüre sind die Ergebnisse und Empfehlungen zusammengefasst.

 

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