DiNa-Gipfel 2017

Wie die Digitalisierung das Ehrenamt verändert

Carl-Friedrich Höck19. Oktober 2017
Staatssekretär Klaus Vitt
Staatssekretär Klaus Vitt auf dem DiNa-Gipfel
Ist das Ehrenamt schon im digitalen Zeitalter angekommen? Diese Frage wurde am Mittwoch auf einer Tagung in Berlin aufgeworfen. Klar wurde: Die Digitalisierung kann zivilgesellschaftliches Engagement erleichtern – sie stellt aber auch neue Anforderungen.

Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries sitzt auf einem Podium im Verlagshaus des Berliner Tagesspiegels und zeigt sich erstaunt. 31 Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland ehrenamtlich, das hat sie im Vorfeld dieser Tagung erfahren. „Man denkt ja, der soziale Zusammenhalt geht zurück“, merkt Zypries an. Vor einigen Jahren habe die Zahl noch bei 23 Millionen gelegen. Es gebe also einen Anstieg, und der sei „schon was tolles“.

Viele wissen zu wenig über IT-Sicherheit

Zur Tagung eingeladen hatte das Projekt digitale Nachbarschaft, kurz DiNa. Es bietet Kurse an für Vereinsmitglieder und andere Ehrenamtliche, um sie für den sicheren Umgang mit dem Internet, sozialen Netzwerken und IT-Sicherheit zu sensibilisieren. Die Workshops und Schulungen werden sowohl online (als Webinare) als auch direkt vor Ort angeboten. Für letzteres fährt ein DiNa-Bus quer durchs Land. Bereits 2007 wurde das Projekt gegründet, es steht unter der Schirmherrschaft des Bundesinnenministeriums.

„Wir brauchen eine Zivilgesellschaft, die in der Lage ist, mit der Digitalisierung umzugehen“, unterstreicht Staatssekretär Klaus Vitt, zuständig für Informationstechnik, auf dem DiNa-Gipfel am Mittwoch. Viele Menschen wüssten nicht, wie man sich vor Computerviren schützt, auch sei oft veraltete Software im Einsatz. „Bis zu 90 Prozent aller Schadensfälle können bereits mit einfachen Sicherungsmaßnahmen vermieden werden“, so Vitt.

Digitalisierung prägt die ehrenamtliche Arbeit

Brigitte Zypries auf dem DiNa-Gipfel
Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries. Foto: DsiN

Gleichzeitig spielt digitale Technik eine immer wichtigere Rolle: Das beginnt beim Internetauftritt des Vereins, reicht über die Einteilung von Schichten für die Hilfe im Flüchtlingsheim mittels Facebook und endet noch lange nicht mit dem Eintreiben von Spenden über Online-Plattformen. Auch die Digitalisierung selbst wird von Ehrenamtlichen vorangetrieben. Darauf verweist Bernd Schlömer, einst Vorsitzender der Piratenpartei und heute in der FDP aktiv. Denn viele teils kostenlose Open-Source-Softwareprogramme würden von IT-Spezialisten entwickelt und gepflegt, die hierfür kein Geld verlangen.

Und die Digitalisierung senkt den Bürokratieaufwand, meint zumindest Staatssekretär Vitt. Etwa helfe Software beim Erledigen von regelmäßig anfallenden Verwaltungsaufgaben. Das neue Onlinezugangsgesetz, in dessen Folge die Verwaltungsportale von Bund, Ländern und Kommunen verknüpft werden sollen, könne Aufgaben wie die Anmeldung einer Veranstaltung künftig sogar noch leichter machen.

Ähnlich wie Autofahren

Aber um all diese Instrumente zu nutzen, braucht es eben Menschen, die sich damit auskennen. Der Staatssekretär will auch für diesen Zweck Ehrenamtliche aktivieren, sie als Multiplikatoren und Mittler für Kenntnisse in IT-Sicherheit einsetzen. Vitt vergleicht es mit dem Fahren eines Autos: Der Staat sorgt für Straßen und Verkehrsgesetze, die Wirtschaft stellt die Autos her. Der Fahrer müsse sich dann nicht mit den Details der verbauten Technik auskennen, aber ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Gefährt müsse gewährleistet sein.

Geklärt werden müssen aber auch grundsätzliche Fragen, etwa zum Thema Datensicherheit. Willi Hink, Direktor gesellschaftliche Verantwortung beim Deutschen Fußballbund (DFB), berichtete auf dem DiNa-Gipfel von der Anfrage eines Anbieters, auf allen Amateursportplätzen feste Kameras zu installieren und die Spiele online zu übertragen. So könnten mehr Menschen ein Auswärtsspiel ihres Vereins verfolgen, und Bandenwerbung würde wegen der höheren Reichweite attraktiver. Aber ist es im Sinne der Sportler, wenn die Szene einer dummen Aktion – etwa eine kläglich vergebene Torchance oder ein blödes Foul – eine Woche lang auf sämtlichen Nachrichtenseiten zu sehen ist? Eine klare Antwort hatte Hink nicht, hier seien Vereine auch ein „Lernfeld“.

Übrigens, so Hink: Der DFB habe allein 30 Mobile, die durch Deutschland fahren um Trainer anzusprechen. Die DiNa schicke nur ein Auto durch das ganze Bundesgebiet. Da könne man also noch mehr tun.

Digitale Nachbarschaft

Das Projekt Digitale Nachbarschaft wurde im Rahmen des Nationalen IT-Gipfels der Bundesregierung gegründet und steht seit 2007 unter Schirmherrschaft des Bundesinnenministeriums. Unterstützt wird es von Unternehmen wie Telekom und Google, aber auch zivilgesellschaftlichen Organisationen wie der AWO.

DiNa bildet Interessierte mit Schulungen kostenfrei zu ehrenamtlichen Trainern für Sicherheit im Internet aus.
Weitere Informationen: digitale-nachbarschaft.de

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