DEMO-Kommunalkongress 2020

Digitalisierung in Kommunen: Die Veränderungen sollen Spaß machen

Ulf Buschmann03. November 2020
Auch der DEMO-Kommunalkongress fand in diesem Jahr digital statt. (Hier eine Aufnahme aus einer anderen Diskussionsrunde.)
Unter dem Schlagwort „Kommune Digital” diskutierten Fachleute auf dem DEMO-Kommunalkongress über die Digitalisierung von Politik und Verwaltung. Gesprochen wurde über Prozesse, Leitbilder und Ressourcen.

Ein Leitbild ist wichtig. Und es muss über neue Prozesse nachgedacht werden. Aber ohne die entsprechenden personellen und finanziellen Ressourcen funktioniert das alles nicht; noch weniger allerdings dann, wenn die Mitarbeitenden nicht mitgenommen werden. Stichwort: Buttom-up-Modell. Darüber waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Workshop „Kommune Digital – Digitalisierung von Verwaltung und Politik“ beim diesjährigen DEMO-Kommunalkonkress einig.

Wie der Weg in die Zukunft aussehen kann, darüber sprachen unter der Leitung von Moderator Oliver Lindner: Kirsten Fründt, Landrätin des Landkreises Marburg-Biedenkopf und Vorsitzende der SGK Hessen und Marc Groß, bei der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) unter anderem für Prozessentwicklung zuständig. Ebenso dabei waren Daniel Riss, Geschäftsführer des Softwareunternehmens Axians Infoma, sowie Ramona Schumann, Bürgermeisterin der Stadt Pattensen bei Hannover.

„Tradition und Moderne verbinden”

Um den Dreh hinzubekommen, hat sich der Landkreis Marburg-Biedenkopf laut Fründt eine Digitalisierungsstrategie mit insgesamt 15 Unterpunkten gegeben. Im Mittelpunkt stehe die Frage nach dem Wert für die Bürger und die Mitarbeitenden. Die Landrätin bezeichnete dies als „langen Prozess“, den intern die Beschäftigten mittragen müssten. Auch die Stadt Pattensen hat sich laut Schumann auf den Weg gemacht. Über allem steht laut Schumann der Anspruch: „Wir wollen Tradition und Moderne zum Wohle aller verbinden.“

Dass unter anderem die Hessen auf dem richtigen Weg sind, bescheinigte ihnen KGSt-Mann Groß. Digitale Prozessoptimierung bedeute, sich radikal am Nutzen für Bürger und Mitarbeitende auszurichten. Doch das allein sei es nicht. Digitalisierung bedeutet nach Überzeugung aller, sich auch Gedanken über die Zukunft zu machen. Diesen Prozess anzuschieben, sei den Kommunen durch die Corona-Pandemie gut gelungen. „Da ist viel geleistet worden“, sagte Groß.

Im nächsten Schritt seien nun digitale Experimentierräume notwendig. Zeit dafür gebe es genug, war sich Software-Mann Riss sicher: „Das Thema Digitalisierung wird uns noch die kommenden 20 Jahre beschäftigen.“ Er verglich diesen Prozess mit der Umstellung von der kameralen auf die doppische Haushaltsführung.

„Auf dem Weg zur künstlichen Intelligenz”

Riss spricht indes inzwischen lieber von smarter statt von digitaler Verwaltung beziehungsweise von „smart government“. Er nämlich denkt einen Schritt weiter: „Wir sind auf dem Weg zur künstlichen Intelligenz.“ Komplexe Anforderungen könnten schneller und intelligent abgearbeitet werden. Wo dieses umgesetzt werde, so Riss’ Erfahrung, seien die Mitarbeitenden extrem motiviert.

Dies alles jedoch sollte auch politisch abgesegnet werden, berichtetet Fründt aus ihrer Erfahrung heraus. Ohne zusätzliche Ressourcen funktioniere der Weg ins Reich der binären Zahlensysteme nicht. Deshalb hat sich der Landkreis Marburg-Biedenkopf seine Digitalisierung entsprechend vom Kreistag absegnen lassen – unter anderem mit der Schaffung der Stelle eines IT-Beauftragten sowie Hilfe in Sachen IT-Sicherheit.

Eines sei klar, waren sich alle einig: Prozesse und Veränderungen sollen Spaß machen. Fehler dürfen dabei gemacht werden, sie müssen nur in der Zukunft verhindert werden. Und: Probleme müssten offen und ehrlich benannt werden.

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