Elektromobilität

Elektromobile Zukunft mitgeplant

Heinz Wraneschitz05. Juli 2019
Die ersten Wohnungen im neuen Quartier sind bereits bezogen. Am Ende werden hier rund 5.000 Menschen wohnen.
Im neuen Wohngebiet „Das Dörnberg“ in Regensburg wurde die Verkehrswende gleich mitgedacht

Ein Schwerpunkt beim neuen Wohnbaugebiet „Das Dörnberg“ am früheren Regensburger Rangierbahnhof-Gelände liegt auf zukunftsweisender E-Mobilität. Hier nahe dem Bahnhof, dem Park von Schloss Emmeram, der Donau oder der weitgehend erhaltenen Regensburger Altstadt mit ihren historischen Ensembles und Baudenkmälern – ein UNESCO-Welterbe – ist das eigene Kraftfahrzeug nicht unbedingt das Wichtigste für die „Dornberger“. Dennoch haben die meisten Familien einen Verbrenner. „Aber das nächste wird ein Elektroauto“, sagt beispielsweise Xavier Gallond, einer der ersten Bewohner.

So traf es sich gut, dass er zur Tiefgarage seiner neuen Wohnung auch eine Wallbox ordern konnte, eine Zuhause-Ladestation für E-Mobile. Denn heute klagen viele Menschen über Schwierigkeiten, nachträglich einen Stromanschluss in eine Garage einer Wohnanlage zu bekommen: Das Wohneigentumsgesetz WEG fordert hierfür bisher einstimmige Beschlüsse der Eigentümerversammlung. Und über Änderungen des WEG im Bundestag wird schon lange diskutiert.

E-Mobilität als Verkaufsargument

„Zukunftsorientiert und wegweisend“ ist das Elektromobilitätskonzept in einem eigenen Prospekt des Dörnberg beschrieben; laut Michael Schmid ist es tatsächlich „einzigartig, womöglich sogar europaweit“. Der Handlungsbevollmächtigte der Facit GmbH hat die Projektleitung in der Hand.
Bauherren von „Das Dörnberg“ sind die Facit-„Mutter“ Haupt-Immobilien-Gruppe aus Grünwald bei München und „Bucher Properties“. Und die haben etwa 2017 entschieden: „Wir wollen uns mit einem E-Mobilitätskonzept von Mitbewerbern abheben. Das werden wir größer aufziehen.“

Parkplatz mit Ladestation

Im Keller unter den ersten fertigen Wohnblocks wird das sofort deutlich: Etwa an jedem vierten Stellplatz hängt eine blaue Wallbox. Fast an allen restlichen nummerierten Parkplätzen ist von einer Kabelpritsche ein weißes Rohr heruntergeführt; darin liegen die Kabel, um später Wallboxen ohne viel Aufwand nachrüsten zu können.

Partner für die E-Mobilität ist der örtliche Versorger Rewag, die Regensburger Energie- und Wasserversorgung AG. Projektentwickler Schmid: „Die betreiben zum Beispiel offensiv E-Carsharing oder Elektroleihräder.“ So sei man schnell auf einen gemeinsamen Nenner für das E-Mobilitätskonzept gekommen. Die Stadtwerke verlangen für das „Basispaket“, das vorbereitende Kabel bis zum Stellplatz, etwa 1.700 Euro; eine Wallbox kostet um die 2.100 Euro.

Die Rewag stellt auch sicher, dass wirklich irgendwann einmal an jedem Platz ein E-Auto geladen werden kann. „Die einzelne Wallbox ist auf maximal 22 Kilowatt (kW) Ladeleistung ausgelegt. Und es gibt ein aktives Lastmanagement der Rewag in den Trafostationen“, nennt Schmid technische Details. Ein eigener Zähler pro verkabeltem Stellplatz gehört dazu. Und damit weitere Anschlüsse für‘s E-Mobil-Laden nachgerüstet werden können, gibt es für die Tiefgaragen eigene Eigentümergemeinschaften. So wird ausgeschlossen, dass einzelne Besitzer das Nachrüsten von Steckdosen verhindern könnten.

Dass „Das Dörnberg“ ein lebendiges Quartier wird, das sieht schon, wer durch die ersten, teils bereits bezogenen Blöcke läuft: Farben, Baustile, Stockwerkszahl, alles spannend bunt gemischt. Denn „Jeder Riegel wird unterschiedlich. Es sind Wettbewerbe gelaufen, für jedes Bauvorhaben sind andere Architekten zuständig“, so Schmid.

Günstiger Wohnraum integriert

Immerhin fast 170 öffentlich geförderte Wohnungen werden in der Gesamtanlage integriert. Dazu kommt ein Studentenwohnheim. Man sieht überall Gründächer, aber keine Photovoltaik-Anlagen: Das habe eine Auflage der Baubehörde verhindert, erklärt Michael Schmid. Deshalb kommt der Strom nun aus einem Blockheizkraftwerk, das die Rewag neu errichtet hat. Das liefert auch Fernwärme über je eine Übergabestation in die Wohnungen. Dadurch kann sogar das Brauchwasser per Kraft-Wärme-Kopplung erhitzt werden.

Irgendwann wird „Das Dörnberg“ etwa 5.000 Menschen beherbergen. Auch ein paar zehntausend Quadratmeter Gewerbeflächen werden entstehen oder sind bereits von Händlern belegt, vor allem für die Nahversorgung, Ärzte, Gastronomie oder Banken. Und in einem Punkt haben die Bewohner auf jeden Fall für die Zukunft vorgesorgt: Um die Lademöglichkeit für ihre künftigen E-Mobile brauchen sie sich nicht mehr zu sorgen. Egal, wie lange der Bundestag noch über die Genehmigungsfreiheit für Anschlüsse in Kellern von Eigentumswohnanlagen diskutiert.

 

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