Carsharing

Erstmal den Zweitwagen ersetzen

Ulf Buschmann01. August 2019
E-Tankstelle für die E-Autos des geplanten Carsharing-Angebotes der Stadtwerke Rotenburg.
Aufbruch bei den Stadtwerken Rotenburg: Das kommunale Unternehmen mit Sitz in der Kreisstadt an der Wümme zwischen Hamburg und Bremen startet im Spätsommer ein eigenes Carsharing-Pilotprojekt mit Elektroautos.

Was in der Großstadt funktioniert, klappt auch in mittleren Städten. Davon sind Reinhard David und Uwe Schmidt überzeugt. David ist Geschäftsführer der Stadtwerke Rotenburg, Schmidt der Vertriebschef. Zuversichtlich macht die beiden das Projekt, das im August oder September losgehen los: Ein Carsharing-Angebot mit Elektroautos. „Wenn es um E-Mobilität geht, geht es ja um Strom. Wir bieten die Infrastruktur an und wollen die Elektromobilität begleiten“, sagt David: „E-Mobilität macht aus unserer Sicht in den Städten Sinn, wo kurze Fahrstrecken zu absolvieren sind. Es ist sicherlich für 80 bis 90 Prozent der Autofahrten ausreichend. Deshalb wollen wir das Thema hier in Rotenburg begleiten. Und wir wollen schauen, wie man das Ganze mittel- und langfristig ausbauen kann.“

Persönliche Anmeldung für die Stadtwerke-App

Wer das neue Angebot ausprobieren möchte, muss sich in einer der Geschäftsstellen der Stadtwerke persönlich anmelden; online ist es nicht möglich. Wenn er eine Kopie seines Führerscheins hinterlegt und eine Einzugsermächtigung für den Beitrag unterzeichnet hat, kann es eigentlich losgehen: App für den PC, das Smartphone oder das Tablet herunterladen und warten. Denn: Die Stadtwerke müssen die App freigeben. Wenn auch das geschehen ist, kann es mit dem Carsharing losgehen.

Stadtwerke-Vertriebschef Uwe Schmidt (links) und Geschäfsführer Reinhard David setzen auf E-Mobilität.

„In der App gibt es einen integrierten Kalender. Daran kann der Kunde sehen, wann das Auto zur Verfügung steht. Wenn ein anderer Kunde damit unterwegs ist und es geladen wird, ist das Auto in dieser Zeit blockiert“, erklärt Schmidt das System, „über diese App wird das Auto auch entriegelt.“ Wie das System genau funktioniert, sollen die Interessenten, die sich vor einigen Wochen bei der Gewerbeausstellung „ROWdinale“ registrierten, in einer Informationsveranstaltung erfahren.

Kleine Schritte Richtung E-Auto

Die große Herausforderung wird es nach Überzeugung von David und Schmidt sein, die Menschen davon zu überzeugen, dass es möglich ist, auch mit einem Elektroauto von A nach B zu kommen. Deshalb gehen die Rotenburger Stadtwerke kleine Schritte – die Kunden sollen nicht gleich auf das E-Auto umsteigen. Dafür müssten die Leute „vom Kopf her bereits sein“, weiß Schmidt: „Unser Pilotprojekt ist nicht nur ein Test für uns. Damit werden die Menschen auch motiviert, sich ein Elektroauto zu kaufen; vielleicht erst einmal als Zweitwagen für kürzere Strecken oder Stadtfahrten im Umkreis von 100 Kilometern.“

Weil es für die Rotenburger eben ein Pilotprojekt ist, gehen sie beim Aufbau des Angebots schrittweise vor. Zunächst wird das System nur innerstädtisch getestet. Wenn es läuft, soll das Carsharing innerhalb des Stadtgebiets ausgebaut werden – so etwa in den Neubaugebieten. Schmidt erläutert: „Dann kann man in der App verschiedene Standorte hinzufügen. Das wird langfristig gar nicht anders gehen, denn ein Auto reicht in Zukunft sicherlich nicht aus: Wenn Auto A an einem Standort nicht verfügbar ist, muss ich auf Auto B am anderen Standort zurückgreifen.“ Möglich sein soll auch der Tausch der Autos. Hätte der Kunde gerne ein Auto, das aber nicht verfügbar ist, wird ihm ein anderes zugewiesen. Stadtwerke-Geschäftsführer David macht klar: „Das alles hängt natürlich vom Zuspruch seitens der Kunden ab.“

Auch alternative Antriebsarten werden angedacht

Langfristig kann er sich auch Carsharing-Angebote mit anderen Antriebsarten vorstellen. „Das muss aber was Innovatives sein, kein Verbrennungsmotor“, sagt David. Schmidt setzt noch eines drauf: „Wir wollen nicht wieder zurück zum Diesel oder Benziner. Alles andere kommt durchaus infrage.“ Die beiden Stadtwerker erläutern, dass Experten in der Zukunft mit 20 bis 30 Prozent E-Mobilität rechneten. Der Rest seien alternative Antriebsarten, wie zum Beispiel die Brennstoffzelle. Die Stadtwerke wollten sich diesen Dingen nicht verschließen.

David findet zudem, dass es falsch sei, bei der Mobilität nur auf E-Autos zu setzen: „Wir müssen da noch links und rechts des Weges gucken. Erdgas beispielsweise verbrennt viel sauberer als Benzin oder Diesel.“ Und dann sei da noch Flüssigerdgas für den Schwerlastverkehr. Diesbezüglich könnten können E-Autos oder -Laster gar nicht mithalten.

Problem: Rohstoffgewinnung für die Batterien

Ein Problem sei auch das Problem der Rohstoffgewinnung für die Batterien. Dies werde zurzeit noch weitgehend totgeschwiegen. David sagt: „Wir brauchen Kobalt für das Lithium. Die Gewinnung geschieht durch Ausbeutung der Entwicklungsländer. Das macht uns noch ein bisschen Kopfschmerzen. Deshalb muss bei der Batterieentwicklung ein Quantensprung her.“

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