Bürgermeisterin werden

Frauen an der Spitze einer Kommune

Susanne Dohrn 16. August 2017
Den Weg an die Rathausspitze – im Bild das Detail einer Rathaustür – gehen weit mehr Männer als Frauen in Deutschland. Frauen stellen etwa zehn Prozent der Oberhäupter in Kommunen.
Wer Bürgermeisterin werden will, braucht den Mut und den Willen, in einem von Männern dominierten Bereich zu arbeiten. Welche wichtige Faktoren es für den Erfolg gibt, erzählen Zwei, die es geschafft haben.

Frauen stellen in Deutschland etwa zehn Prozent der Stadtoberhäupter, bei kleinen Kommunen ist der Anteil geringer, bei Kommunen zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern liegt er mit 17,6 Prozent am höchsten. Es ist etwas in Bewegung, aber offensichtlich nicht genug. „Viele Bürgermeister und Oberbürgermeister kommen aus der Kommunalpolitik, und da sind sehr viel mehr Männer als Frauen aktiv“, sagt Elke ­Ferner, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfamilien­ministerium und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen. Zwar werden die Stadtoberhäupter heutzutage direkt von der Bevölkerung gewählt und längst nicht jedes hat ein Parteibuch, aber bei der Aufstellung der Kandidatinnen und Kandidaten und bei der Unterstützung im Wahlkampf spielen die Parteien nach wie vor eine wichtige Rolle. Hinzu kommt, so Elke Ferner: „Frauen werden eher bei aussichtslosen Kandidaturen aufgestellt, Männer hingegen, wenn es etwas zu ­holen gibt.“ Gefragt, wie sie Amt und ­Familie vereinbaren wollen, würden Männer auch nicht.

Amt und Familie ist vereinbar

Christiane Küchenhof, Bürgermeisterin in Schenefeld Foto: Stadt Schenefeld

Fragen wir also Zwei, die es geschafft haben, die den Mut und Willen hatten, in einem mehrheitlich von Männern dominierten Bereich zu arbeiten. Monika Müller, geboren 1974, ist seit dem Jahr 2011 Bürgermeisterin für Soziales, Bildung und Sport in Pforzheim, Christiane Küchenhof (49) seit zwölf Jahren Bürgermeisterin in Schenefeld bei Hamburg. Beide haben Kinder, Monika Müller drei im Alter von 9 und 11 Jahren, ­Christiane Küchenhof zwei, die mittlerweile erwachsen sind. Beide sagen: Familie und Bürgermeisterin, das lässt sich vereinbaren, vorausgesetzt der Partner übernimmt einen Teil der Familien­arbeit. Monika Müllers Ehemann tritt beruflich kürzer und arbeitet halbtags, der von Christiane Küchenhof ist als Industriemeister tätig und am frühen Nachmittag zu Hause.

Monika Müllers erster Kontakt mit dem Bürgermeisteramt fiel in ihre Schulzeit. „Ich habe mit zwölf ein Praktikum im Bürgermeisteramt gemacht.“ Es gefiel ihr gut. Eine solche Laufbahn anzustreben war aber zunächst nicht ihr Ziel. Sie studierte Jura, besuchte die Verwaltungshochschule in Speyer, arbeitete unter anderem bei einer Bundestagsabgeordneten, in der SPD-Bundestagsfraktion und als Referentin der Bundes-SGK – dort wuchs dann der Wunsch, selbst in der Kommunalpolitik aktiv zu werden.

Christiane Küchenhof stieg nach der Familiengründung mit 22 in die Kommunalpolitik ein, war 16 Jahre Stadtvertreterin, leitete verschiedene Ausschüsse, war u.a. Fraktions­vorsitzende und als Erste Stadträtin die Stellvertreterin des Bürgermeisters. Auch sie arbeitete im Büro eines Bundestagsabgeordneten und absolvierte ein Stu­dium zur Verwaltungsfachwirtin, um die notwendigen „Hard Skills“ für ein solches Amt zu erwerben. „In der Realität Bürgermeisterin zu sein, ist trotzdem ein himmelweiter Unterschied“, sagt die Schenefelderin. Sie kannte zwar die kommunalpolitischen Themen und die Akteure vor Ort, aber nun übernahm sie zusätzlich ein Haus mit 115 Mitarbeitern.

Monika Müller, Bürgermeisterin in Pforzheim Foto: Stadt Pforzheim

Netzwerken, dass wissen beide, ist der Schlüssel zum Erfolg. Aber für Frauen sind die Strukturen andere. „Männer haben ihre Netzwerke, Frauen müssen sich diese erst erarbeiten“, so bringt es ­Monika Müller auf den Punkt. Und Christiane Küchenhof sagt: „Ich bin ­eine leidenschaftliche Netzwerkerin.“ Beide Frauen haben gute Kontakte zu anderen Bürgermeisterinnen. ­Christiane ­Küchenhof trifft sich regelmäßig mit den drei Bürgermeisterinnen des Kreises Pinneberg zum Austausch. Die Frauen holen sich Rat oder stehen einer neuen Amtskollegin zur Seite. „Wenn man neu ist, hilft der Blick einer anderen Bürgermeisterin“, bestätigt Monika Müller.

„Frauen suchen das Gespräch“

Führen Frauen anders als Männer? „Ich glaube, dass Frauen mehr das Gespräch suchen“, sagt Christiane Küchenhof. Sie selbst strebe an, immer möglichst viele im Boot zu haben, um Entscheidungen auf eine breite Basis zu stellen. Monika Müller hat sich das Ziel gesetzt, Alleinerziehende zu fördern. Auch Christiane Küchenhof kommt Alleinerziehenden etwa mit einer Stundenanpassung – die manchmal ja auch nur vorübergehend ist – entgegen.

Vorbilder für andere Frauen sind sie beide. Müller hat mehrere Frauen in Führungspositionen als Amtsleiterinnen eingestellt und in Schenefeld besteht derzeit die gesamte erste Führungsriege der Stadt aus Frauen – von der Bürgermeisterin, über die Bürgervorsteherin bis zur Ersten Stadträtin.

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