Nachruf

Der „geborene Sozi“

Ulf Buschmann24. August 2016
Henning Voscherau (re.) mit seinem Bruder Eggert auf dem SPD-Bundesparteitag im Jahr 2008
Hamburgs ehemaliger Erster Bürgermeister Henning Vorscherau ist tot. Er starb am 23. August nach schwerer Krankheit. Der überzeugte Hamburger verkörperte bis zum Schluss die Werte der Sozialdemokratie in einer sich rasant verändernden Welt.

Henning Voscherau war einer, zu dem jeder aufschauen konnte. Zum richtigen Zeitpunkt hatte er die richtigen, die zukunftsweisenden Ideen. Galt es ein Ziel zu erreichen, war Henning Vorscherau nicht alleine. Im Gegenteil, er setzte auf Teamgeist; auch zu einer Zeit als das Wort im deutschen Sprachgebrauch eigentlich noch gar nicht angekommen war. Vor allem war Henning Vorscherau verlässlich. Seit Wort galt. Ganz im hanseatischen Sinne. Hanseat, das war er aus tiefster Überzeugung. Es war seine Lebenseinstellung, mit der Henning Vorscherau von 1988 bis 1997 die Geschäfte als Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg führte. Am 23. August starb Henning Vorscherau, kurz nach seinem 75. Geburtstag.

Sigmar Gabriel: „Besonnener Streiter für sozialen Ausgleich“

Der Hamburger sei ein „besonnener Streiter für sozialen Ausgleich“ gewesen und habe „ganz und gar für seine Stadt gelebt“. Mit diesen Worten hat SPD-Parteichef Sigmar Gabriel den Bogen zwischen den beiden Polen gespannt, die die Arbeit von Henning Vorscherau ausmachten. Als Vorsitzender der Mindestlohnkommission sorgte er an entscheidender Stelle dafür, dass tausende von Arbeitnehmer von ihrem Einkommen wirklich leben können. Und als Hamburger machte sich Henning Vorscherau einen Namen als Erneuerer. Sein Name ist eng verbunden mit der „HafenCity“. Mit ihr zeigten die Norddeutschen, was in der Zukunft mit alten Hafen- und Gewerbeflächen alles möglich ist.

Bildung für alle ist sein Anliegen

Sozialer Ausgleich hier, überzeugter Hamburger dort – diesen Spagat machte Henning Vorscherau nicht aus reinem Pragmatismus, sondern aus innerer Überzeugung. Er hatte sich einmal selbst als „geborener Sozi“ bezeichnet. Schon seine Eltern und Großeltern waren Sozialdemokraten. Henning Vorscherau schaffte das, was sich die Partei seit ihrer Gründung auf die Fahnen geschrieben hat: Bildung für alle. Und so promovierte er in Volkswirtschaft. Seit den 1970er Jahren arbeitete sich der Hanseat über die Bezirksversammlung Wandsbeck und die Bürgerschaft bis zum Bürgermeister nach oben.

Die Zeit danach bedeutete für Henning Vorscherau keinewegs, in den eigentlich wohlverdienten Ruhestand zu gehen, im Gegenteil. Viele Menschen und Institutionen haben bis zum Schluss seinen Rat gesucht. Mit der ihm eigenen Ruhe legte Henning Vorscherau seine Standpunkte dar, ohne sein jeweiliges Gegenüber zu beeinflussen. Auf diese Weise brachte Henning Vorscherau Menschen über Grenzen hinweg zusammen und er inspirierte sie zu Neuem. Das alles wird uns fehlen.

 

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