Müllentsorgung

Der Gelbe Sack hat ausgedient

Michael Kniess02. Dezember 2019
Gelbe Säcke wird es in der Franken-Metropole Nürnberg bald nicht mehr geben.
Zerrissene Müllsäcke am Straßenrand sind ein Ärgernis. Nürnberg setzt bei der Entsorgung von Verpackungsmüll in Zukunft auf die Gelbe Tonne

Glascontainer, Wertstoff-, Bio- und Papiertonne, Gelber Sack: Abfalltrennen gehört für die Deutschen längst zum Alltag. Letzterer hat in Nürnberg jedoch ausgedient. Seit Jahresbeginn werden in der fränkischen Metropole Folien, Plastikverpackungen und Kunststoff stattdessen in Gelben Tonnen entsorgt. Das Sammeln in Säcken und damit ein zuletzt großes Ärgernis hat so ein Ende. Seit den 90er Jahren wurden im Stadtgebiet Nürnberg Verkaufsverpackungen über das Sammelsystem „Gelber Sack“ gesammelt, mit dem jedoch seit Jahren zunehmend Unzufriedenheit in der Bevölkerung herrschte.

Stadtbild litt unter den Säcken

Die Gründe hierfür liegen im Wesentlichen in der mangelnden Reißfestigkeit der Gelben Säcke und der daraus resultierenden Verschmutzung. Darüber hinaus litt das Stadtbild unter den oft ungeordnet, zu früh und am falschen Ort zur Abholung bereitliegenden Plastiksäcken. Denn im Gegensatz zur Rest- und Biomüllabfuhr, die der Abfallwirtschaftsbetrieb Stadt Nürnberg (ASN) in eigener Regie durchführt, sind für die Entsorgung von Verkaufsverpackungen, zum Beispiel im Gelben Sack oder in der Gelben Tonne, die sogenannten Dualen Systembetreiber mit ihren Entsorgern auf rein privatwirtschaftlicher Basis zuständig.

Jahrelang flatterten so die dünnhäutigen Plastiksäcke durch die Straßenzüge. Eben jenen Anblick wollten die Stadtverantwortlichen verbannen. Zunutze machen sie sich dabei das zum 1. Januar 2019 in Kraft getretene neue Verpackungsgesetz.

Erweitertes Mitspracherecht der Kommunen

Denn bis dato waren den Städten bei der Entsorgung von Verpackungsabfällen die Hände gebunden, weil diese in die Zuständigkeit der Dualen Systeme gefallen ist. Zwar erlaubt auch die neue gesetzliche Regelung der Stadt nicht, die Entsorgung des Verpackungsmülls selbst zu organisieren, denn dies bleibt in der Hand von privatwirtschaftlichen Systembetreibern. Aber durch das neue Gesetz haben die Städte erstmals ein erweitertes Mitspracherecht und die Möglichkeit, Eckpunkte zu definieren.

Deshalb hat der zuständige Stadtratsausschuss im SPD-dominierten Stadtrat die Umstellung des Sammelsystems von Gelben Säcken auf Gelbe Tonnen im Nürnberger Stadtgebiet ab 2020 beschlossen. In der Metropolregion ist Nürnberg damit Vorreiter. Rund 80.000 Gelbe Tonnen wurden in enger Zusammenarbeit zwischen der Stadt und der vom Systembetreiber beauftragten, lokal ansässigen Entsorgungsfirma deswegen bis Jahresende an die Haushalte verteilt. „Tatsächlich bietet die Gelbe Tonne viele Vorteile gegenüber dem gelben Sack“, betont Thomas Braun vom Abfallwirtschaftsbetrieb der Stadt Nürnberg.

Tonne erheblich stabiler

Der offensichtlichste ist wohl, dass die Gelbe Tonne erheblich stabiler ist: Sowohl Wind und Wetter, als auch Tiere, die sich nachts auf Futtersuche begeben, können der Gelben Tonne nichts anhaben. Der Verpackungsabfall wird somit nicht mehr in der Nachbarschaft verteilt. Ein weiterer Vorteil liegt für Thomas Braun darin, dass die Geruchsbelästigung deutlich vermindert werden kann: „Besonders im Sommer kann der Verpackungsabfall zu unangenehmen Gerüchen führen. Dank des Deckels bleibt dieser überwiegend in der Tonne.“

Trotz der zahlreichen positiven Aspekte galt es für die Stadtverantwortlichen im Vorfeld auch einige Herausforderungen zu bewältigen. Wirbel um die Gelbe Tonne gab es etwa in der Nürnberger Altstadt. Diese würden kreuz und quer auf Gehwegen stehen und dort Fußgänger behindern, so die Kritik. „Mittlerweile hat sich das Erscheinungsbild aber wieder normalisiert und die Tonnen haben ihren Standort gefunden oder wurden von der Entsorgungsfirma auf Antrag wieder abgeholt, denn die Gelbe Tonne ist nicht verpflichtend und kann zurückgegeben werden“, unterstreicht Thomas Braun.

Akzeptanz der Bürger ist hoch

Von dieser Möglichkeit haben bislang aber nur rund zwei Prozent der Hauseigentümer Gebrauch gemacht. Die Akzeptanz der Bürger, sie ist hoch. Dafür wurde bereits im Vorfeld von allen Beteiligten (Abfallwirtschaftsbetrieb der Stadt Nürnberg, Umweltreferent und Entsorgungsfirma) viel getan. Vor Beginn der Verteilarbeiten wurde die Presse umfassend informiert. Zudem wurden ausführliche Informationen in Form einer FAQ-Liste veröffentlicht, in der die wichtigsten Fragen zum Systemwechsel beantwortet werden. Die Stadt Nürnberg hat ergänzend in den sozialen Netzwerken über den Systemwechsel berichtet. Die dünnhäutigen, schnell reißenden Plastiksäcke, in Nürnberg wird ihnen kaum jemand nachtrauern.

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