Digitalisierung

Großstädte im Smart-City-Ranking: Hamburg bleibt vorne

Carl-Friedrich Höck20. September 2022
Blick auf die Elbphilharmonie in Hamburg: Die Hansestadt liegt erneut im Smart-City-Ranking vorne.
Bei der Digitalisierung der Großstädte beobachtet der Verband Bitkom eine große Dynamik. Im neuen Smart-City-Ranking liegt Hamburg zwar erneut auf Platz 1, doch viele andere Kommunen holen auf.

Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Das machte Bitkom-Präsident Achim Berg gleich zu Beginn deutlich, als er am Dienstag den neuen Smart-City-Index seines Verbandes vorstellte. Für ihn sind digitale Lösungen ein Weg, um Antworten auf die Krisen und Katastrophen der Gegenwart zu finden. So werde der Großteil der Treibhausgasemissionen in Städten verursacht, also seien sie auch ganz besonders gefragt, Nachhaltigkeitsstrategien zu entwickeln. Putins Angriff auf die Ukraine lasse die Energiepreise steigen. Umso wichtiger sei es, dass Kommunen intelligent Energie sparen. Entsprechend groß sei das Interesse an dem Thema, hat Berg beobachtet: „Die Bevölkerung ist wirklich hungrig nach der Digitalisierung der Städte“.

Hamburg, München und Dresden liegen vorne

Als Sammelbegriff für diese Entwicklung hat sich der Begriff „Smart City“ etabliert. Welche Städte am smartesten sind, versucht Bitkom alljährlich mit einem Index messbar zu machen. Im Jahr 2022 steht Hamburg – wie schon im Vorjahr – auf Platz 1. Der Vorsprung auf die Verfolger ist allerdings geschmolzen. Die Hansestadt erreichte 86,1 von 100 möglichen Punkten, direkt dahinter folgt München mit 85,2 Punkten. Auf dem dritten Platz folgt Dresden mit 81,6 Punkten – übrigens neben Berlin die einzige ostdeutsche Stadt in den Top 20.

Insgesamt wurden 81 Großstädte bewertet. Analysiert wurden die fünf Themenbereiche Verwaltung, IT und Kommunikation, Energie und Umwelt, Mobilität sowie Gesellschaft. Für das Ranking hat Bitkom nach eigenen Angaben 36 Indikatoren und 133 Parameter definiert und fast 11.000 Datenpunkte erfasst. So wurde zum Beispiel untersucht: Welche Online-Bürgerservices oder Sharing-Angebote gibt es? Wo sind Breitbandanschlüsse verfügbar? Werden Umweltdaten erhoben und genutzt?

Reallabor in Gelsenkirchen, Energiewende in Paderborn

Während Hamburg in der Gesamtbetrachtung und in der Kategorie „Gesellschaft“ vorne liegt, ist Gelsenkirchen Spitzenreiter im Bereich „IT und Kommunikation“. Gründe sind unter anderem ein hervorragendes Breitband- und 5G-Netz und das „Open Innovation Lab“. Dabei handelt es sich um ein in der Stadt beheimatetes Reallabor. Es soll Verwaltung, Forschungsinstitute und Unternehmen vernetzen, Smart-City-Lösungen erproben und so die digitale Stadtentwicklung vorantreiben.

Im Bereich „Energie und Umwelt“ konnte Paderborn die höchste Punktzahl einfahren. Unter anderem dank intelligenter Baumbewässerung, einem hohen Anteil an E-Fahrzeugen, großen Solarstrom-Kapazitäten und einer „SmartGridDataPlatform“. Diese soll die Netzauslasung optimieren und erneuerbare Energien effizient integrieren.

Die Stadt Nürnberg überzeugte auf den Feldern „Verwaltung“ und „Mobilität“. Letzteres ist auch in München ein Schwerpunkt. Dort gibt es ein Testfeld für automatisiertes Fahren („TEMPUS“), wodurch die bayerische Landeshauptstadt laut Bitkom „eine der führenden Städte für vernetzte Mobilität“ geworden ist.

Zu wenige Smart-City-Vorreiter?

In der Gesamtschau zeichnet das Ranking ein positives Bild von den Entwicklungen in deutschen Großstädten. „Überall ist das Niveau gestiegen“, sagt Berg. Nur im Tempo der Fortschritte gebe es teilweise deutliche Unterschiede.

Bitkom vertritt mehr als 2.000 Unternehmen der digitalen Wirtschaft. Der Smart-City-Index wurde auch von Visa, Uber, dem Beratungsunternehmen Detecon und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC unterstützt.

Weniger optimistisch als Bitkom bewertet die Unternehmensberatung Haselhorst Associates den stand der Digitalisierung deutscher Städte. Fast zeitgleich zu Bitkom veröffentlichte das Unternehmen eine eigene Smart-City-Studie mit einem Ranking von 407 Städten. Auch hier liegen Hamburg und München auf den Spitzenplätzen, gefolgt von Köln. Das Fazit der Studie lautet jedoch: Deutschlands Städte verschlafen die Digitalisierung. Die Zahl der Vorreiter-Städte stagniere, drei Viertel der Kommunen erreichten nur einen geringen Digitalisierungsgrad.

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