Innenstadthandel

Handel: Schlechte Aussichten für das Weihnachtsgeschäft

Karin Billanitsch16. November 2020
Fast 80 Prozent der Weihnachtsmärkte in Deutschland fallen laut einer neuen HDE-Umfrage in diesem Jahr coronabedingt aus.
Der Branchenverband HDE warnt vor massiven Auswirkungen durch die Corona-Pandemie und fordert rasche finanzielle Hilfen. Laut einer Umfrage sehen sich 60 Prozent der Innenstadthändler in Existenznöten.

Fast 80 Prozent der Weihnachtsmärkte in Deutschland fallen  in diesem Jahr coronabedingt aus. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage, die der Handelsverband Deutschland (HDE) und die Beratungsfirma cima sowie der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland (bcsd) durchgeführt haben. Der Handel erwartet massive Auswirkungen für das Weihnachtsgeschäft der innerstädtischen Einzelhändler.

„Schwerer Schlag für Innenstadthandel“

„Weihnachtsmärkte sind ein wichtiger Faktor, um die Kunden in die Fußgängerzonen und Stadtzentren zu bringen. Wenn diese Anlässe jetzt beinahe flächendeckend wegbrechen, bedeutet das erneut einen schweren Schlag für den ohnehin schon gebeutelten Innenstadthandel“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Die aktuelle Umfrage mache deutlich, dass voraussichtlich lediglich rund sieben Prozent der Weihnachtsmärkte stattfinden werden, bei weiteren rund 13 Prozent  sei das noch unklar. Die Umfrage fand unter über 1.400 Vertretern aus Stadtverwaltungen, Standortinitiativen, sowie Vereinen und Handel statt.

Dass sich das Weihnachtsgeschäft im örtlichen Einzelhandel im Vorjahresvergleich in der Folge verschlechtern wird, erwarten fast zwei Drittel der Befragten. Weniger als drei Prozent rechnen mit Verbesserungen, ein Drittel mit gleichbleibenden Umsätzen. Die Einnahmen in den letzten beiden Monaten machen in vielen innerstädtischen Branchen normalerweise rund ein Viertel der Jahresumsätze aus.

HDE warnt vor Insolvenzwelle

Der HDE warnt vor weiteren Insolvenzen: Derzeit sehen sich nach einer aktuellen HDE-Umfrage unter mehr als 500 Unternehmen knapp 60 Prozent der befragten Innenstadthändler in Existenznöten.

Gerd Landsberg vom Deutschen Städte- und Gemeindebund verweist in einem Statement darauf, dass bis zu 50.000 Einzelhandelsstandorte von der Schließung bedroht sind.

Landsberg befürchtet Auswirkungen auf die Attraktivität der Innenstädte

„Anders als der Online-Handel, der an 7 Wochentagen und 24 Stunden geöffnet ist, kämpft der stationäre Handel ums Überleben. Dies wird nicht nur die Sortimentsvielfalt und damit das Einkaufserlebnis in unseren Innenstädten beeinträchtigen. Dieser Trend wird auch unmittelbare Auswirkungen auf die Attraktivität der Innenstädte als Mittelpunkte des sozialen und kulturellen Lebens und damit auf die Identifikation der Menschen mit Ihrer Stadt oder Gemeinde haben“, so Landberg.

SPD-Fraktion: „Prozess der Verdrängung“

In den Innenstädten ist die Lage vielerorts ohnehin schwierig. „Seit vielen Jahren findet in den deutschen Innenstädten ein Prozess der Verdrängung statt“, schreiben Johannes Fechner, rechtspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Michael Groß,  SPD-Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz sowie im Haushaltsausschuss und Carsten Schneider, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion kürzlich in einem Gastbeitrag für den „Tagesspiegel“. Die Corona-Pandemie könnte diesen Trend auch hierzulande beschleunigen. Denn viele Gewerbetreibende müssen seit Monaten auf Einnahmen verzichten und haben zunehmend Schwierigkeiten, Miete zu zahlen.

Der HDE fordert nun eine rasche und unbürokratische Unterstützung für die Einzelhändler in den Stadtzentren: „Viele Handelsunternehmen beispielsweise aus dem Bekleidungshandel werden diese Krise nicht überleben, wenn die Bundesregierung jetzt nicht entschlossen handelt. Der Einzelhandel muss dringend auch antragsberechtigt für die staatlichen Nothilfen sein. Ansonsten hungern viele Händler mangels Kunden bei geöffneten Ladentüren finanziell aus“, malte Genth ein drastisches Szenario an die Wand.

HDE: „Kriterien für Überbrückungshilfen anpassen“

Zudem setzt sich der HDE für eine Anpassung der Beantragungskriterien bei den Überbrückungshilfen ein. Die bisher festgelegten Umsatzverluste seien für viele Händler zu hoch angesetzt. „Die Margen in der Branche sind meist sehr gering. Wenn ein Händler 20 Prozent Umsatz einbüßt, steht er faktisch oft schon vor der Insolvenz“, sagte Genth.

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