Kommunalwahlen

Hessen: SPD stark bei Direktwahlen, Verluste im Landestrend

Carl-Friedrich Höck15. März 2021
Das Neustädter Rathaus in Hanau: Hier heißt der Oberbürgermeister auch in Zukunft Claus Kaminsky.
Die SPD bleibt in allen Landkreisen und kreisfreien Städten hinter ihrem Ergebnis von 2016 zurück. Dennoch können die Sozialdemokrat*innen viele OB- und Landratsposten verteidigen.

In Hessen wurden am Sonntag die Stadtverordnetenversammlungen und Kreistage neu gewählt. In mehreren Städten und Landkreisen gab es zudem Direktwahlen. Dort wurden die Ämter der Bürgermeister*innen, Oberbürgermeister*innen und Landrät*innen neu besetzt.

SPD-Erfolg in vier von fünf Landkreisen

Bei den Direktwahlen ging die SPD in vier von fünf Landkreisen als Siegerin hervor. Den Kreis Hersfeld-Rotenburg eroberte Torsten Warnecke mit 61,9 Prozent für die SPD – dieser war bisher von CDU-Landrat Michael Koch geführt worden. Rot regiert bleiben ebenso die Landkreise Kassel (Andreas Siebert, 58,9 Prozent), Odenwaldkreis (Frank Matiaske, 67,3 Prozent) und Schwalm-Eder-Kreis (Winfried Becker, 51,5 Prozent). Im Kreis Bergstraße kann CDU-Landrat Christian Engelhardt sein Amt weiterführen, er erreichte 63,3 Prozent der Stimmen.

Die SPD hat auch gute Chancen, die bisher von ihr geführten Rathäuser zu verteidigen. In Hanau gelang dem sozialdemokratischen Oberbürgermeister Claus Kaminsky die Wiederwahl mit einem Ergebnis von 56,2 Prozent. In Viernheim schaffte Bürgermeister Matthias Baaß mit 50,03 Prozent ebenfalls die Wiederwahl im ersten Anlauf.

Stichwahlen am 28. März

In Marburg schaffte es SPD-Amtsinhaber Thomas Spies mit 33,9 Prozent in die Stichwahl gegen Nadine Bernshausen (Grüne, 26,0 Prozent). In Wetzlar verpasste der sozialdemokratische Oberbürgermeister Manfred Wagner mit 49,4 Prozent nur knapp die absolute Mehrheit. In der Stichwahl tritt er nun gegen CDU-Kandidat Michael Hundertmark an (25,9 Prozent). In Limburg an der Lahn gelang Bürgermeister Marius Hahn – der SPD-Mitglied ist, aber als unabhängiger Kandidat angetreten ist – mit 44,9 Prozent ebenfalls ein sehr gutes Ergebnis. Im zweiten Wahlgang muss er sich nun gegen Stefan Laux behaupten (CDU, ebenfalls als unabhängiger Kandidat angetreten), der im ersten Wahlgang 40,4 Prozent der Stimmen einfuhr.

In Oberursel (Taunus) will SPD-Kandidatin Antje Runge die Nachfolge ihres Parteigenossen Hans-Georg Brum antreten und Oberbürgermeisterin werden. Mit 24,2 Prozent schaffte sie es in die Stichwahl gegen Carsten Trumpp (CDU, 28,0 Prozent). In Dietzenbach hat SPD-Herausforderer Dieter Lang weiterhin Chancen auf den Sieg: Beim ersten Urnengang erreichte er einen Stimmenanteil von 34,8 Prozent und liegt somit nur knapp hinter dem Parteilosen Amtsinhaber Jürgen Rogg (36,2 Prozent)

In Bad Homburg und Fulda konnten sich die CDU-Oberbürgermeister Alexander Hetjes und Heiko Wingenfeld eine weitere Amtszeit sichern. In Friedrichsdorf kamen Lars Keitel (Grüne) und Katja Gehrmann (CDU) in die Stichwahl.  

Wahl der Kommunalvertretungen

Neu gewählt wurden in Hessen auch die kommunalen Vertretungen – also die Stadtverordnetenversammlungen, Kreistage, Gemeindevertretungen und Ortsbeiräte. Die endgültigen Ergebnisse für die Kommunalwahlen werden voraussichtlich erst am Donnerstag vorliegen. Der Grund ist das komplizierte Auszählungsverfahren: Das hessische Wahlrecht erlaubt den Wähler*innen, zu kumulieren und zu panaschieren.

Nach den bisherigen Trendergebnissen aus den einzelnen Landkreisen, kreisfreien Städten und kreisangehörigen Städten mit mehr als 50.000 Einwohner*innen bleibt die SPD überall hinter ihrem Ergebnis von 2016 zurück. Ihr bestes Resultat fuhr die SPD im Landkreis Kassel ein: 39,4 Prozent. Im Städtevergleich konnten die Sozialdemokrat*innen ihr bestes Ergebnis in Hanau erzielen, mit 30,4 Prozent.

In Frankfurt errang die SPD laut den Trendergebnissen 16,6 Prozent der Stimmen, nach CDU (23,6 Prozent) und Grünen (25,6 Prozent). Es sieht zudem so aus, als ob die neue paneuropäische Partei „Volt“ in den Römer einziehen wird, sie erzielte drei Prozent. Die Satirepartei „Die Partei“ kam auf 1,8 Prozent.

Landestrendergebnis: Verluste für die SPD

Im Landestrend entfielen auf die CDU 28,2 Prozent der Stimmen (2016: 28,9). Die Grünen bekamen 19,4 Prozent (2016: 11,3 Prozent). Die SPD fuhr laut den Trendergebnissen 23,3 Prozent der Wählerstimmen ein (2016: 28,5 Prozent) und bleibt damit zweitstärkste politische Kraft in Hessen. Mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten hatte sich beteiligt (50,4) Prozent.

Kommentar hinzufügen