Corona-Pandemie

Hotels und Gastronomie: Angst vor dem Aus

Karin Billanitsch20. März 2021
Leere Tische, keine Gäste – wie ist die Perspektive? Antworten erhofft sich die Branche vom anstehenden Treffen der Ministerpräsidenten der Länder und Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Vor Beginn der Osterferien rollt die dritte Welle an und die Inzidenzen steigen. Gleichwohl fordert die Hotel- und Gastronomiebranche Perspektiven und mehr Wirtschaftshilfen. Auch eine Diskussion um Bedingungen für Urlaube hat begonnen. Der Blick richtet sich auf das anstehende Treffen der Ministerpräsidenten am Montag.

Leere Gaststätten ohne Gäste, Hotels geschlossen und die finanzielle Lage ist desolat: Mittlerweile macht sich Verzweiflung in der Branche breit. Noch immer herrschen vielerorts Lockdown-Bedingungen, der stufenweise Öffnungsfahrplan von Bund und Ländern ist angesichts der steigenden Inzidenzen kaum umsetzbar. Bei 100 greift laut dem aktuell geltenden MPK-Beschlüssen eine Notbremse, bei der etwaige Lockerungen rückgängig gemacht werden müssen.

Branchenverband: Lage sehr kritisch

Die Lage der Branche ist laut den Angaben des deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) sehr kritisch: "Jeder Monat Schließung bedeutet für unsere Betriebe durchschnittlich 75 Prozent Umsatzverlust", beklagte Präsident Guido Zöllick. Rücklagen seien aufgebraucht, die Angst vor dem endgültigen Aus nehme bei vielen Firmen dramatisch zu. Es gehe um 222.000 Unternehmen mit mehr als 2,4 Millionen Beschäftigten. Insolvenzzahlen dazu gibt noch nicht, da die Insolvenzanmeldepflicht coronabedingt aufgeschoben wurde. „Wir halten keine Wochen und Monate in dieser Schockstarre mehr durch“, hieß es.

Vor allem zwei Probleme treiben die Vertreter der Branchenverbände um: Wirtschaftshilfen kommen nicht an, weil die Voraussetzungen nicht auf ihre Lage passten, und eine mangelnde Perspektive. „Die Branche braucht jetzt einen konkreten Fahrplan, wann und unter welchen Voraussetzungen die Betriebe wieder öffnen können. Überlebenswichtig ist zudem, dass die zugesagten staatlichen Hilfen bei allen Unternehmen ankommen und da, wo nötig, nachgebessert werden“, fasst Zöllick die Erwartungen der Branche zusammen.

Für die Kommunen ist ein gesundes Gast- und Hotelgewerbe wichtig, wie etwa die DEHOGA in einer Publikation betont: Gemeinden ohne Hotels, Restaurants, Cafés oder Biergärten geht Lebendigkeit und Lebensqualität verloren und ihren Bürgern beliebte Anziehungspunkte.

Kurz vor der kommenden Runde der Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel fordern die Branchenvertreter trotz der steigenden Inzidenzen gleichwohl eine Perspektive und „Kriterien, aus denen sich ergibt, wann und unter welchen Bedingungen es möglich ist, ein Hotel wieder zu betreiben, eine Gastronomie auch innen wieder zu öffnen“, so Otto Lindner vom Hotelverband Deutschland. Dass das bei Inzidenzen über 100 vielleicht nicht der Fall sein könne, sei ihnen als verantwortungsvolle Unternehmer bewusst, so Lindner. „Man muss festlegen, wann darf in Deutschland, Hotel, Gastronomie, Hotel, Catering und Event wieder gestartet werden, unter welchen Bedingungen. Wenn dann eine Notbremse verabredet ist, sollten sich auch alle daran halten.“

Pilotprojekt: Augustusburg sucht Auswege

Es gibt auch Kommunen, die versuchen, eigene Wege zu gehen. Die Stadt Augustusburg hatte sich kürzlich das „Pilotprojekt „Sichere Gastlichkeit“ ausgedacht: Gastronomie und Freizeiteinrichtungen sollten für getestete Besucher öffnen. Dafür sollte ein eigenes Schnelltestzentrum aufgebaut werden. Doch der Start wurde auf Eis gelegt. „Ich habe die letzten Wochen fast rund um die Uhr dafür gearbeitet. Und es ist natürlich sehr betrüblich, dass wir bei diesen Zahlen gerade ein solches Projekt, das zeigen soll, dass man trotz Inzidenzen arbeiten kann, nicht machen können. Das ist schwierig zu verarbeiten“, so Bürgermeister Dirk Neubauer im MDR Sachsen.

Doch nun gibt es, so scheint es, grünes Licht: „Nachdem wir nun mit der Landesregierung Einigkeit erzielen konnten, dass wir dies nun doch machen können –  auch unabhängig von den Inzidenzen – stimmen wir gerade einen neuen Termin ab“, heißt es auf der Internetseite der Stadt.

Schwesig zu Osterurlaub: Mecklenburg-Vorpommern statt Mallorca

Einen ersten Schriit will Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) gehen und hat sich zu Osterurlaub in der engeren Umgebung geäußert. „Wir sollten zumindest darüber sprechen, ob es Möglichkeiten für einen kontaktfreien Urlaub im eigenen Bundesland gibt“, sagte die SPD-Politkerin im Deutschlandfunk vor der für den Montag, 22.3.2021  geplanten Bund-Länder-Gipfel zum weiteren Vorgehen in der Corona-Pandemie.

„Viele Menschen verstehen nicht, dass es Möglichkeiten für den Osterurlaub auf Mallorca gibt, aber zuhause nicht einmal eine Ferienwohnung im eigenen Bundesland angemietet werden kann", sagte Schwesig zur Begründung. „Übrigens machen das jetzt schon Tausende von Zweitwohnungsbesitzern. Dass jetzt wieder der Mallorca-Urlaub dem Urlaub im eigenen Land aus epidemiologischen Gründen vorgezogen wird, das versteht niemand. Und ich sage Ihnen, darüber sind die Menschen vor Ort sauer. Und vor allem natürlich auch die Branche“, so die Ministerpräsidentin.
 

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