Energiewirtschaft

Auf dem innovativen Holzweg

Maicke Mackerodt13. März 2017
Die Akzeptanz für Holznutzung ist in den vergangenen 15 Jahren gestiegen.
Die Region Oberberg macht die regionale Ressource Holz zur alternativen Energiequelle. Warum das gut für das Klima ist und wie die regionale Wertschöpfungskette funktioniert.

Bäume fällen und das Klima schützen, das klingt ziemlich gegensätzlich. Genau für diesen innovativen Ansatz wurde die nachhaltige Holzenergie­wirtschaft in Oberberg, ein Projekt des gemeinnützigen Vereins ­ZebiO e.V., mit dem Projektpreis ­„KlimaExpo. NRW“ ausgezeichnet. Holz als alternative Energiequelle clever ausschöpfen und als Ressource wirtschaftlich nutzen, das schließt sich offenbar nicht aus. Mit mehr als 40 Biomasseanlagen, einem regionalen Lieferverbund und CO2-Einsparungen von mehreren Tausend Tonnen ist der Kreis heute Vorbild für die Nachbarregionen.

Oberberg, Rhein-Erft und Westerwald-Sieg sind vernetzt

In der Themenwelt „Energie neu denken“ sucht die „KlimaExpo.NRW“ – eine Initiative der Landesregierung – Vorzeigeprojekte. Die innovativen Ansätze können sowohl technologische als auch soziale Ideen sein. „Klimaschutz ist ein Fortschritts­motor für Wirtschaft und Gesellschaft“, so Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) bei der Preisverleihung 2016 in Gummersbach. „Die Preisträger sind ein Ansporn, Klimaschutz auch als wirtschaftliche Innovation noch stärker voranzutreiben.“ Der Schauspieler und Umweltaktivist Hannes Jaenicke lobt die Oberberger: „Es geht darum, selbst konsequent zu handeln und so als Gesellschaft Schritt für Schritt voranzukommen.“

Die Region ist stolz auf den Preis und auf seine idyllischen Wälder. Aber die Skepsis war anfangs noch groß, auch in der Bevölkerung. Es dauerte, bis erkannt wurde, dass Holz eine wertvolle Ressource für die Nutzung von Bioenergie ist. Aber zwischen dem Baum im Wald und dem Holz im heimischen Ofen liegt eine ganze Wissenschaft. Möglich wurde der innovative Holzweg, weil verschiedene Akteure und Initiativen seit mehr als sechs Jahren intensiv zusammenarbeiteten: Vor allem das Zentrum für Bioenergie Oberberg (ZebiO) hat einen Umdenkprozess angestoßen und mit dem Projekt „BioEnergieDialog“ die Regionen Oberberg, Rhein-Erft und Westerwald-Sieg vernetzt.

Skeptische Waldbesitzer überzeugen

ZebiO hat Wege entwickelt, um Energie aus Biomasse wie Schnittgut von Straßensträuchern und -bäumen zu nutzen. „Wenn wir die Energiewende schaffen wollen, muss Bioenergie ein zentraler Punkt sein“, so Regina Schulte von ZebiO. Wie das gehen kann, zeigt beispielhaft das Sanierungskonzept des ­Schulzentrums Waldbröl, welches jüngst mit dem dena-Effizienzpreis NRW ausgezeichnet wurde. Ein Nahwärmenetz auf Basis von Holzhackschnitzen aus der Region versorgt vier Schulen, Turnhalle und Mensa mit Wärme.

Die Oberberger haben es letztendlich auch geschafft, alle regionalen Wald-Player zusammenzubringen – vom Land- und Forstwirt über Veredelungsbetriebe bis zu den Nutzern. „Der Wald gehört zu 72 Prozent privaten Besitzern von äußerst kleinen Parzellen“, weiß Regina Schulte. „Die vielen Besitzer mussten wir erst mal überzeugen, damit sie sich organisieren, um effizient und auf kurzen Wegen nachhaltig zu wirtschaften.“ Die Erfolge ermutigen, weiterzumachen, denn die Akzeptanz für Holznutzung ist in den letzten 15 Jahren deutlich gestiegen.

Regionale Wertschöpfungskette ist entstanden

Es ist eine regionale Wertschöpfungs­kette rund um die Holzenergie-Wirtschaft entstanden: Unternehmer kümmerten sich um Lieferstrukturen für die Holzhackschnitzel und ums Qualitätsmanagement. Es gibt ein Gütesiegel, das für die Qualität der natürlichen Brennstoffe bürgt. Zum Stichwort Nachhaltigkeit gehört auch, dass die privaten und öffentlichen Wälder besser gepflegt sind. Außerdem hat sich deren jährlicher Wert- und Gesamt­zuwachs vergrößert. „Das Potenzial ist längst nicht ausgeschöpft“, so Regina Schulte. „Durch weitere Maßnahmen könnten wir 100.000.000 Kilowattstunden fossile Energieträger und damit circa 25.000 Tonnen klimaschädliches CO2 einsparen.“ Kay Boenig vom Regionalforstamt Bergisches Land fügt hinzu: „Etwa 200.000 Erntefestmeter mit Nettoerlösen von bis zu neun Mil­lionen Euro verzeichnet die Statistik. Der Ertrag der oberbergischen Wälder könnte doppelt so groß sein.“ Die neue Technologie wird übrigens vom Deutschen Biomasseforschungszentrum und der FH Köln wissenschaftlich begleitet.

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