Dualer Studiengang in Dortmund

Wie junge Studenten ausgebildet werden, Zuwanderer zu unterstützen.

26. Januar 2017
Die Dortmunder Studenten des dualen Studiengangs Soziale Arbeit, mit Schwerpunkt Armut und (Flüchtlings-)Migration.
Die Fachhochschule Dortmund hat gemeinsam mit der Stadt einen dualen Studiengang Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Armut und Migration gestartet. Die Studenten werden darin ausgebildet, Zuwanderer und Flüchtlinge zu unterstützen.

Armuts- und Flüchtlingszuwanderer aus Südosteuropa stellen eine Großstadt wie Dortmund vor riesige Probleme. Im November 2016 zählte die Stadt 8015 Bulgaren und Rumänen, die mehrheitlich mittellos, nicht krankenversichert und ohne berufliche Perspektive waren. Der Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften der Fachhochschule Dortmund hat deshalb in Kooperation mit der Stadt Dortmund einen Studiengang zum Aufbau kultursensibler Beratungs- und Unterstützungsangebote ins Leben gerufen. Der duale Bachelor-Studiengang nennt sich „Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Armut und (Flüchtlings-)Migration“.  

Das Besondere: Alle Studierenden haben Migrationserfahrung und bringen eine entsprechende Sprachkompetenz mit. Sie werden theoretisch und praktisch darin ausgebildet, Zuwanderern und Flüchtlingen bei ihren vielfältigen Problemen zu unterstützen. „Ziel des Studiengangs ist die Qualifikation für Tätigkeiten in den verschiedenen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit. Die Studierenden werden gezielt darin qualifiziert, Zuwanderer fachlich zu begleiten und sich kritisch mit der Frage auseinanderzusetzen, welche gesellschaftlichen Strukturen die Notlagen dieser Menschen bedingen“, teilt die Fachhochschule mit.

Studentischer Einsatz in Griechenland für Flüchtlinge

Jetzt haben die Studenten ihr erstes studentisches Hilfsprojekt für Flüchtlinge unter dem Titel „Grenzenlose Wärme“ gestartet. Mit drei Transportern voller Spenden, darunter warme Winterkleidung, feste Schuhe, Hygieneartikel oder Spielsachen, reisten sie zum Jahreswechsel nach Griechenland, um in zwei Flüchtlingscamps im Raum Thessaloniki zu helfen. Weil diese Camps nicht von Hilfsorganisationen, sondern nur von Freiwilligen betreut werden, ist die Not dort besonders groß.

Die Idee zum Einsatz vor Ort hatte Antonette Dugayo: „Wir studieren alle im dualen Studiengang Soziale Arbeit, mit Schwerpunkt Armut und (Flüchtlings-)Migration. Ich wollte mir ein Bild davon machen, was auf der Flüchtlingsroute passiert.“ Ihr Aufruf „Wer kommt mit nach Griechenland?“ entwickelte schnell eine Eigendynamik: Nahezu die Hälfte ihres Jahrgangs beteiligte sich aktuell an dem Projekt „Grenzenlose Wärme“. Den selbst geplanten und organisierten Einsatz bereiteten die Studierenden in nur sechs Wochen vor. Sie teilten sich ein in „Die Transporter“, „Die Helfer vor Ort“ und „Die Rückendeckung“ – das sind die Helfer und Unterstützer daheim.

Studenten gestalten Feizeitangebote für Kinder im Camp

Vor Ort in Griechenland halfen die Dortmunder bei der Spendenausgabe, packten im „Spenden-Warehouse“ Food-Pakete und gestalten Freizeitangebote für Kinder. „Die Leute wollten reden“, sagt Mohammed Okasha, „man spürte, dass sie eine Last loswerden wollten.“ Sebastian Heinze ist von der Stärke der Flüchtlinge beeindruckt: „Manche sind schon seit einem Jahr in dem Camp, haben aber ihre positive Einstellung noch nicht verloren.“ Auch außerhalb der Camps gibt es viel Not. „Wir haben uns nachts manchmal mit der Taschenlampe auf den Weg gemacht und Decken und Essen an Obdachlose verteilt“, so Antonette Dugayo.

Vor ein paar Tagen sind die Studierenden zurückgekehrt voller Eindrücke, aber auch mit dem Gefühl, etwas getan zu haben. „Wir haben viele gute und viele schlechte Dinge gesehen“, so Hanifa Ben Meryem. „Wenn man sieht, wie die Kinder in den Camps sich über das Spielzeug freuen, weiß man: Es ist gut, was wir machen.“

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