Carsharing-Städteranking 2017

Karlsruhe wieder Spitze bei Carsharing-Angeboten

Karin Billanitsch07. Dezember 2017
Ein Auto fahren, aber nicht selbst besitzen – das ermöglicht Carsharing, zu deutsch „Auto teilen“.
Wer ist die Carsharing-Königin im Land? Die Stadt Karlsruhe hat ihre Stellung als Deutschlands Carsharing-Hauptstadt weiter ausgebaut. Das hat der „Bundesverband CarSharing“ (bcs) mitgeteilt. In der Stadt sorgt der Anbieter stadtmobil dafür, dass das „Auto teilen“ floriert.

Der Spitzenreiter des neuen Carsharing-Städterankings 2017 ist Karlsruhe, die zweitgrößte Stadt des Landes Baden-Württemberg mit rund 300.000 Einwohnern. Dort kommen auf 1.000 Einwohner nun 2,71 Carsharing-Fahrzeuge, teilte der Branchenverband mit. Karlsruhe habe damit nicht nur seinen Rang verteidigt, sondern auch den größten Zuwachs aller Städte verzeichnet, hieß es. Stuttgart (1,47) und Freiburg (1,41) belegen die Plätze zwei und drei. Unter den Millionenstädten führt das rheinische Köln, das im Gesamtranking auf Platz 4 liegt.

Verschiebungen seit der letzten Umfrage

Es gibt auch einige Verschiebungen seit dem letzten Ranking: Freiburg hat sich seit dem Jahr 2015 um zwei Plätze verbessert. Auch Heidelberg (1,27 Fahrzeuge), München (1,26 Fahrzeuge) und Göttingen (1,25 Fahrzeuge) sind nach vorne gerückt und sind laut der Umfrage am ehemals Drittplatzierten, Frankfurt am Main, vorbeigezogen.

Willi Loose, der Geschäftsführer des Bundesverband Carsharing e.V., ordnet diese Verschiebungen ein: „Die Versorgung mit Carsharing-Angeboten hat sich seit dem Jahr 2015 in vielen Städten verbessert. Dass Städte im Ranking zurückfallen, liegt meist nicht an einer Verschlechterung der Situation. Es liegt daran, dass sie von anderen Städten mit einem dynamischeren CarSharing-Wachstum überholt wurden.“

„Angebote in den Städten sichtbarer machen“

Hintergrund: Der Bundesverband CarSharing e.V. erhebt alle zwei Jahre die Zahl der Carsharing-Fahrzeuge in deutschen Städten und Gemeinden mit mehr als 50.000 Einwohnern. Die Erhebung basiert auf einer Abfrage der Fahrzeugzahlen bei allen in Deutschland tätigen Anbietern.

Loose forderte von den Städten, Carsharing-Stationen im öffentlichen Raum zu fördern. Das im September 2017 in Kraft getretene Carsharing-Gesetz der Bundesregierung habe juristisch klargestellt: Auf Straßen in ihrer Zuständigkeit könne jede Kommune jederzeit Stellplätze für stationsbasierte Carsharing-Anbieter als Sondernutzung einrichten. „Die rechtlichen Instrumente sind da. Die Städte können ihre Carsharing-Angebote sichtbarer machen“, stellt Loose fest.

Oberbürgermeister Mentrup: „Verkehrsmanagement mit intelligenter Mobilität“

Die von Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) geführte Stadt Karlsruhe gehört schon seit Jahren zu den Regionen, die erfolgreich auf das „Auto teilen“ setzen. Mit Blick auf das Ergebnis des Städterankings vor zwei Jahren lobte Oberbürgermeister Mentrup (SPD): „Die schiere Menge an festen, im gesamten Stadtgebiet verteilten Standorten knüpft ein dichtes Netz für eine flexible Nutzung.“ Es fänden sich kundenorientiert „besonders viele Stadtmobil-Fahrzeuge entlang des ÖPNV-Liniennetzes“. Mentrup: „Dem knappen Verkehrsraum setzten wir ein Verkehrsmanagement mit  intelligenter Mobilität entgegen.“

Treiber der Entwicklung ist stadtmobil

Treiber dieser Entwick­lung ist die privat­recht­lich organi­sier­te Gesell­schaft „stadt­mo­bil“, die schon seit mehr als 20 Jahren besteht. „Im Stadt­ge­biet Karlsruhe bieten wir aktuell 825 Fahrzeuge an, die 11.200 Teilnehmer nutzen können“, sagte Anja Orth, Leitung Marketing bei stadtmobil Karlsruhe. Es gebe nicht nur ein Erfolgsrezept, warum Karlsruhe hier seit Jahren an der Spitze stünde, so Orth. Ein ganz wesentlicher Faktor sei aber ein gut ausgebauter Öffentlicher Personennahverkehr. „Damit man sich dafür entscheidet, auf das eigene Auto zu verzichten, müssen die täglichen Wege leicht zu bewältigen sein“, erklärte Orth.

Die Carsharing-Teilnehmer nutzen neben dem ÖPNV auch oft das Fahrrad, erläuterte Orth, und das Auto erst dann, wenn es wirklich nötig werde. Auch die Stadt Karlsruhe nutzt das Angebot – zusätzlich zum eigenen Fuhrpark: Ihre Mitarbeiter dürfen das Angebot nutzen. Darüber hinaus, betonte Orth, „haben die Gründer von Anfang an ein Augenmerk darauf gelegt, den Bedarf zu verfolgen und die Fahrzeugflotte entsprechend stetig zu vergrößern.“

In Karlsruhe hofft stadtmobil darauf, künftig auch Stellplätze im öffentlichen Raum nutzen zu können. Es gebe „gute Intentionen“ seitens der Stadt – aber noch keine feste Zusage.

 

 

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