Müllbeseitigung

Wie Kommunen gegen giftige Kippen vorgehen

Uwe Roth17. Dezember 2019
Wer eine Zigarettenkippe achtlos auf den Boden wirft, begeht eine Ordnungswidigkeit – und muss möglicherweise dafür zahlen.
Weggeworfene Zigarettenstummel sind eine Gefahr für die Umwelt. Viele Kommunen gehen schärfer gegen Umweltsünder vor und haben beispielsweise die Geldbußen teils drastisch erhöht.

Zigarettenkippen sind Sondermüll. Sie sind wegen der darin enthaltenen Stoffe (unter anderem Arsen, Blei, Chrom, Kupfer, Kadmium, Benzol, Teer und Nikotin ) eine Gefahr für die Umwelt. Der Zigarettenfilter besteht aus Celluloseacetat und zersetzt sich erst nach langer Zeit in der Natur. Wird in Städten und Bereichen von Küstengewässern groß aufgeräumt, machen die giftigen Stummel 30 bis 40 Prozent des anfallenden Abfalls aus.

Seit Kommunen solche Raucher ins Visier genommen haben, die ihre Stummel auf dem Asphalt entsorgen, wird der Ordnungsdienst immer mehr zur Umweltpolizei. Doch ohne saftige Geldbußen zeigen Ermahnungen wenig Wirkung.

Esslingen: Bis zu 250 Euro Geldbuße

In der 95.000-Einwohner-Stadt Esslingen bei Stuttgart wird für eine weggeworfene Kippe ein Verwarnungsgeld von 55 Euro fällig. „Im Einzelfall kann eine Geldbuße bis 250 Euro festgesetzt werden, insbesondere, wenn die Betroffenen sich uneinsichtig zeigen oder bereits wegen einer gleichartigen Ordnungswidrigkeit verwarnt worden sind“, teilt ein Sprecher von Oberbürgermeister Jürgen Zieger (SPD) mit.

Obwohl nur auf frischer Tat erwischte Raucher zur Verantwortung gezogen werden können, sind weggeworfene Kippen „der am häufigsten festgestellte Kleinmüllverstoß“ – nach dem Liegenlassen von Glasflaschen. Heranwachsende seien eher diejenigen, die ihren Partymüll zurückließen. Raucher, denen der Ordnungssinn fehle, seien dagegen Ältere, so der Rathaussprecher.

Neuer Bußgeldkatalog und Zivilstreifen

Maximal 250 Euro werden auch in Mannheim fällig. Im Schnitt bewegt sich das Bußgeld bei 75 Euro. Im April hatte die Stadt die Strafe von 20 Euro auf diesen Betrag angehoben. Möglich machte dies ein neuer Bußgeldkatalog des baden-württembergischen Umweltministeriums. Seither nahm das Ordnungsamt 275 Beanstandungen auf.

Die meisten Verstöße registrieren Ordnungshüter, die in zivil unterwegs sind. „Insgesamt ist die Sauberkeit in den Planken besser geworden. Die Maßnahmen zeigen Wirkung, sodass die Außendienstmitarbeitenden nicht mehr so häufig beanstanden müssen“, sagt eine Sprecherin von Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD). Die Planken ist die neu gestaltete Haupteinkaufsstraße Mannheims. Der Umgang mit den Ertappten sei hingegen schwieriger geworden: „Seit Erhöhung der Bußgelder zeigen sich die Betroffenen, wohl auf Grund der Höhe der Bußgelder, vermehrt uneinsichtig.“

Wilder Müll bleibt Belastung

Trotz erhöhter und mehr verhängter Bußgelder bleibt wilder Müll in der Stadt wegen höherer Personalkosten eine finanzielle Belastung. Denn sowohl in Esslingen und Mannheim hat der Ordnungsdienst mehr Mitarbeiter bekommen, um die Aufgabe zu bewältigen. Und auch die Stadtreinigung wurde gestärkt. 

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