Arbeitsmarktintegration

Was lokale Initiativen zur Integration von Flüchtlingen auf den Arbeitsmarkt beitragen können

Karin Billanitsch18. August 2016
Die Webseite der internetbasierten Arbeitsplatzinitiative Workeer dient Flüchtlingen und Unternehmen als Treffpunkt.
Warum eine intensive persönliche Betreuung der Geflüchteten notwendig ist, um sie besser auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Welche wichtige Rolle lokale und regionale Initiativen dabei spielen, hat das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung in einer neuen Studie untersucht

Wenn Flüchtlinge in Deutschland ankommen, sind sie in der Regel hoch motiviert, eigenständig ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Unternehmen wiederum suchen Fachkräfte. Wie aber lassen sich hunderttausende Menschen zügig in den Arbeitsmarkt integrieren? Ein Großteil der Asylsuchenden, die im Jahr 2015 nach Deutschland gekommen sind, ist im erwerbsfähigen Alter, geschätzte gut 60 Prozent hatten keine Berufsausbildung oder Studium, heißt es in einer aktuellen Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung.

Neben der Bundesagentur für Arbeit und den Jobcentern haben sich im vergangenen Jahr viele Initiativen darum gekümmert, Flüchtlingen Arbeit zu verschaffen. Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat exemplarisch zehn lokale und regionale Initiativen befragt, die an der Schnittstelle zwischen Flüchtlingen, Unternehmen und behördlichen Stellen arbeiten. „Die Studie zeigt, dass es mehr braucht als reine Vermittlungsarbeit, um Flüchtlinge und Unternehmen zusammen zu bringen“, sagt Direktor Reiner Klingholz. Die Regelprogramme seien zwar gut, aber nicht ausreichend. Die Flüchtlinge müssten an die Hand genommen werden, also intensiver betreut als andere Kunden.

Persönlicher Kontakt und Begleitung sind wichtig

Zu den ersten Schritten der befragten Initiativen gehört es, aktiv den Kontakt zu den Geflüchteten herzustellen. Viele Geflüchtete wissen gar nicht, wo es Angebote gibt. jobs4refugees in Berlin berät deshalb Bewohner von Flüchtlingsunterkünften vor Ort, hilft bei ihren Bewerbungen. Lebenslauf, Motivationsschreiben – viele der Arbeitssuchenden kennen nicht die Formalien. Einige Initiativen haben ehrenamtliche Helferkreise aufgebaut, um die Flüchtlinge bei Bewerbungsgesprächen oder der ersten Zeit im neuen Job begleiten zu können. Um Kontakte zwischen Unternehmen und Flüchtlingen herzustellen, haben manche Initiativen Internet-Datenbanken aufgebaut, wie zum Beispiel Workeer, die in Berlin entstanden ist.

Zu wenig Sprachkurse

Eine weitere Hürde sind mangelnde Sprachkenntnisse. „Sprachkurse müssen möglichst bald nach der Ankunft angeboten werden“, so die Autoren der Studie. Die Initiativen berichten indes auch, dass das Angebot nicht mit der Nachfrage Schritt halte – deshalb bieten viele Initiativen selbst Kurse an. Roland Matejka, Mitbegründer von Inflama berichtet, das manche Flüchtlinge, statt zum Sprachunterricht zu kommen, mit dem Fahrrad alle Arbeitgeber der Umgebung abgeklappert hätten – vergebens.

Das Dilemma: Weil die Motivation gerade am Anfang so hoch ist, hängt viel davon ab, wie schnell der Betroffene vermittelt werden kann. „Es müsste mehrere Angebote gleichzeitig geben und diese miteinander verzahnt werden“, sagt Stephan Sievert, einer der Autoren der Studie. Zum Beispiel Teilzeitpraktika, in denen gerade gelernte Vokabeln einsetzbar sind. Oder Sprachkurse mit beruflichem Bezug, etwa für ein Bewerbungsgespräch. Ein weiteres Problem: Die allermeisten Flüchtlinge bringen keine Zeugnisse nach Deutschland mit. Manche Initiativen versuchen daher zum Beispiel die Kompetenzen zu ermitteln, damit die Unternehmen verlässliche Informationen erhalten, an die sie anknüpfen können.

Oft braucht es Fingerspitzengefühl, um Flüchtlinge von den Vorteilen einer Ausbildung zu überzeugen: Florian Eichenmüller vom „Ausbildungscoaching für junge Flüchtlinge und Neuzuwanderer“ zeichnet den Flüchtlingen die Lohnkurve während und nach der Ausbildung auf – und daneben die Lohnkurve für jahrelange Hilfsarbeiten. Dann wird deutlich, warum eine Ausbildung lukrativ ist. Auch der Geschäftsführer der Berliner Handwerkskammer, Ulrich Wiegand, will „deutlich machen, dass im Handwerk Karriere möglich ist.“ Die Handwerkskammer hat gemeinsam mit der Berliner Senatserwaltung Arrivo Berlin mitinitiiert, um Flüchtlinge und Unternehmen zusammenzubringen, lädt Willkommensklassen ein und stellt Kontakte zu Meistern her.

Mehr Informationen:

Flüchtlinge und Asylbewerber im Bauhandwerk

JOBLINGE Kompass

Ausbildungscoaching für Junge Flüchtlinge und Neuzuwanderer

Netzwerk FiBA 2 – Flüchtlinge in Beruf und Ausbildung

Arrivo Berlin

Workeer

Work for Refugees

Inflama – INtegration von FLüchtlingen in den ArbeitsMArkt

jobs4refugees.org

Ausbildungscampus Stuttgart

 

 

 

 

 

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