Chemnitz

Ludwig tritt nicht mehr an

DEMO Redaktion11. September 2019
Oberbürgermeisterin von Chemnitz, Barbara Ludwig, SPD, gibt im August 2018 ein Pressestatement ab. Eine weitere Amtszeit strebt sie nicht an.
Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig verkündet kurz nach den Landtagswahlen ihre Entscheidung. Sie steht nicht mehr für eine dritte Amtszeit zur Verfügung.

Nach der Landtagswahl hat sie sich entschieden: Die Oberbürgermeisterin der Stadt Chemnitz, Barbara Ludwig, wird nach 14 Jahren Amtszeit nicht mehr als Kandidatin bei der OB-Wahl im nächsten Sommer antreten. Am 12. September 2020 läuft ihre zweite Amtszeit ab.

„Zeit für einen Wechsel“

Sie begründete ihre Entscheidung mit den Worten, nach 14 Jahren an der Spitze der Stadt sei es „Zeit für einen Wechsel“. Ludwig: „Zu einer starken Demokratie gehören Kontinuität, aber auch Veränderung.“ Nach mehr als 20 Jahren in öffentlichen Ämtern möchte sie mit Ablauf meiner Amtszeit im kommenden Jahr anderen Dingen in ihrem Leben mehr Platz geben.

Ludwig ist gelernte Grundschullehrerin und hat eine Tochter. Sie beteuerte, bis zum Ende ihrer Amtszeit werde sie weiterhin all ihre Kraft ihrer Heimatstadt widmen. Während einer Pressekonferenz sagte sie laut einem Bericht der „Freien Presse“ zu ihrer Zukunft, sie könne sich vorstellen, wieder in ihrem eigentlichen Beruf als Grundschullehrerin zu arbeiten.

Seit 1991 in der SPD

Barbara Ludwig trat 1991 in die SPD ein. Während ihrer politischen Laufbahn war sie Abgeordnete im Sächsischen Landtag, Dezernentin für Soziales der Stadt Chemnitz, Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst und schließlich Oberbürgermeisterin der Stadt Chemnitz.

Martin Dulig, der Vorsitzende der SPD Sachsen, würdigte in einem Statement Barbara Ludwigs Arbeit: „Ludwig ist eine prägende Persönlichkeit Sachsens und der Stadt Chemnitz. Ihre Verdienste gehen weit über Chemnitz hinaus. Sie hat die parlamentarische Demokratie in Sachsen mit aufgebaut, Wissenschaft und Kunst vorangebracht und die Stadt Chemnitz in die Zukunft geführt. Dulig betonte, ihre Führungsstärke, ihr den Menschen zugewandter Politikstil und ihr Mut, die großen Herausforderungen anzupacken hätten sie immer ausgezeichnet. „Der Einsatz für gleiche Bildungschancen und soziale Gerechtigkeit ziehen sich wie ein roter Faden durch ihr politisches Engagement.“

2018 war ein schwieriges Jahr

Ludwig hat während ihrer Amtszeit auch schwierige Zeiten erlebt. Die Stadt war wegen ihren rechtsextremen Aufmärschen wiederholt im Fokus der Öffentlichkeit. Vor einem Jahr wurde ein Chemnitzer Bürger erstochen, danach hetzten Rechtsextreme pauschal gegen Ausländer, es gab Ausschreitungen. Die Oberbürgermeisterin kämpfte um den Ruf ihrer Stadt: „Die sehen jetzt alle den Karl-Marx-Kopf, Deutschlandfahnen und einen Hitlergruß“, sagte Ludwig Medienberichten zufolge damals über das Bild von ihrer Stadt.

Heute, ein Jahr nach den Ereignissen und einem Urteil gegen einen 24-jährigen Syrer sagte Ludwig: „Das Verbrechen und die Ereignisse danach haben viele Chemnitzer betroffen gemacht. Die plötzliche überregionale Aufmerksamkeit – fokussiert auf die Bilder vor dem Karl-Marx-Kopf – haben unserer Stadt sehr geschadet.“ Die Gräben zwischen sehr unterschiedlichen politischen Meinungen seien auf Straßen und Plätzen öffentlicher als vorher geworden. Chemnitz war „eine Mischung aus Traurigkeit und Angst – aber auch aus Aufstehen und Mut.“

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