Beispiel Dresden

Mobilitätsmanagement für umweltfreundlicheren Verkehr

12. April 2017
Der Elbepark in Dresden
Der Elbepark in Dresden: Zusätzlicher (Auto-)Verkehr soll vermieden werden.
Ein neues Unternehmen siedelt sich an, ein Einkaufscenter wird ausgebaut – solche Projekte können die Verkehrs-Infrastruktur stark belasten. Mit Mobilitätsmanagement lassen sich die negativen Folgen begrenzen. Hendrik Stalmann-Fischer erklärt, wie Dresden mit organisatorischen Maßnahmen Bus, Bahn und Rad stärken will.

Ein häufiges Ärgernis in der Stadtpolitik sind Einzelhandelsentwicklungen am Stadtrand, die in ihrer Dimension die Innenstadt gefährden und ein Ansteigen des Autoverkehrs verursachen. Häufig lassen sich jedoch solche Entwicklungen aus politischen oder anderen Gründen nicht verhindern.

Musterbeispiel Zürich

Mit einem solchen Problem sah sich die Stadt Zürich 2007 konfrontiert, als ein Investor eine Industriebrache zu einem Einkaufs- und Erlebniscenter umbauen wollte. Um die negativen Folgen für den Verkehr zu begrenzen und zu steuern, wurde ein umfangreiches Konzept erarbeitet, mit dem der motorisierte Individualverkehr von Kunden und Mitarbeitern vermieden oder auf umweltfreundliche Verkehrsmittel verlagert werden sollte. Mit etwa 70 Prozent (2009) umweltfreundlichem Verkehr wird Sihl City in Zürich heute als Musterbeispiel für betriebliches Mobilitätsmanagement angesehen.

Hinter dem Oberbegriff Mobilitätsmanagement stehen Konzepte zur Vermeidung und Verlagerung von Verkehr durch organisatorische Maßnahmen innerhalb von Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen. Häufig sind dies Maßnahmen zur Bewerbung und Erleichterung der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln oder des Fahrrads. Seltener werden Autoverkehre aktiv begrenzt. In Deutschland wurde Mobilitätsmanagement zuletzt über ein Förderprojekt der Deutschen Energieagentur („effizient mobil“) 2008 bis 2010 verbreitet.

Weniger Autos dank ausgeklügeltem Konzept

Die Landeshauptstadt Dresden will nun an erfolgreiche ältere Projekte aus den 2000ern wieder anknüpfen. Damals wurde beispielsweise beim Dresdner Chipproduzenten Infineon ein umfassendes Mobilitätskonzept gemeinsam durch Unternehmen, Verkehrsverbund, Dresdner Verkehrsbetriebe und die Stadtverwaltung entwickelt und schrittweise umgesetzt. Ergebnis waren erhebliche Steigerungen des ÖPNV- und Fahrradverkehrs, die vermehrte Bildung von Fahrgemeinschaften und eine Absenkung des Autoverkehrs. Das damals stark wachsende Unternehmen konnte daher auf die Schaffung von 400 zusätzlichen Pkw-Stellplätzen verzichten.

Ein solches Mobilitätsmanagement ist nun Bedingung für die Realisierung zusätzlicher Einkaufsflächen im Dresdner Elbe-Park. Hierbei handelt es sich um einen großen Einzelhandelsstandort mit direkter Autobahnanbindung am Rande von Dresden. Bedingung der rot-rot-grünen Stadtratskooperation ist, dass im Zuge der Ausweitung auch ein umfassendes Konzept zur Vermeidung und Verlagerung von Verkehr erstellt wird. Der Anteil umweltfreundlicher Verkehrsmittel bei den Kunden, aber auch den Beschäftigten soll so erhöht werden.

Die Belastung reduzieren

Damit soll ein Beispiel für den künftigen Umgang mit solchen Projekten gesetzt werden. Es bleibt bei dem Slogan „Innen- vor Außenentwicklung“. Falls sich Außenentwicklung nicht verhindern lässt oder schon geschehen ist, müssen aber zumindest die verkehrlichen Folgen reduziert werden.

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