Klimaschutz in den Kommunen

Natürliche Energiequelle mitten in Moers

Maicke Mackerodt15. Juli 2020
jpm/ENNI
Der Solarpark Vinn hat es auf die Referenzliste regenerativer Vorzeigeprojekte in Nordrhein-Westfalen geschafft. Errichtet hat die natürliche Energiequelle mitten in Moers, wo 100.000 Menschen leben, die ENNI Solar GmbH, Tochter des Energieversorgers ENNI Energie & Umwelt Niederrhein GmbH.

Drehscheibe am Niederrhein – so wird Moers genannt, ein schönes Städtchen am westlichen Rand vom Ruhrgebiet im Landkreis Wesel. Neben dem Moerser Schloss gibt es jetzt eine weitere Sehenswürdigkeit: Anfang des Jahres schaffte es der Solarpark im Stadtteil Vinn in die Referenzliste ­regenerativer Vorzeigeprojekte des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW).

10.000 Photovoltaik-Module

Die Energie-Agentur NRW nahm den „Solarpark inmitten der Stadt“ in die ­regenerative Bestenliste des Landes auf. Unter der Dachmarke KlimaExpo NRW will die Energie-Agentur Vielfalt im Klima­schutz zeigen und zugänglich machen. Der Solarpark Vinn ist besonders, weil er sich wegen seiner Lage relativ nah am Stadtzentrum deutlich von anderen Solarparks unterscheidet. Errichtet hat die natürliche Energiequelle mitten in Moers, wo 100.000 Menschen leben, die ENNI Solar GmbH, Tochter des Energieversorgers ENNI Energie & Umwelt Niederrhein GmbH.

Entstanden ist ENNI aus der Verschmelzung der Stadtwerke Moers und ­Neukirchen-Vluyn „ENNI hat allein den kommunalen Gesellschaften in zwei Jahrzehnten weit über 200 Millionen ­Euro Gewinn in leere Kassen gespült. Das Unternehmen ist heute mit rund 260 Millionen viermal so viel wert wie zur Gründung“, weiß Geschäftsführer Stefan Krämer. Die Tochtergesellschaft ENNI Solar ließ südlich der Autobahn A 40, direkt an der Anschlussstelle Moers-Zentrum den beeindruckend anzusehenden Solarpark Vinn errichten. Die mehr als 10.000 Photo­voltaik-Module sind auf der Fläche von fünf Fußballfeldern sturmsicher auf Betonfundamenten verankert und sollen mindestens die nächsten 20 Jahre Sonnenlicht in Strom verwandeln.

Steinkohlenbergbau-Tradition endete in Moers 1993

Nach der Steinkohlenbergbau-Tradi­tion, die in Moers 1993 endgültig endete, gewinnen jetzt Klimaschutz und umweltschonende Energiegewinnung an Bedeutung. ENNI Solar betreibt konzernweit mehrere Energie-Anlagen: Dazu gehören neben dem Solarpark Vinn das mit dem deutschen Solarpreis ausgezeichnete Solarkraftwerk, das in Mühlenfeld in Neukirchen-Vluyn liegt, zwei Windparks im Moerser Norden sowie mehr als 70 Photovoltaik-Dachanlagen, die unter anderem auf städtischen Gebäuden installiert sind. Ein Biomassekraftwerk in Utfort produziert neben Wärme auch Strom. Unterstützt werden solche Projekte in Moers mehrheitlich im Rat auch von der Bündnis-Fraktion SPD, Grüne und Die Grafschafter. „Die ENNI hat mit mutigen Ideen dieses tolle regenerative Projekt auf den Weg gebracht. Als SPD sind wir froh über einen Energieversorger, der die Energiewende vorantreibt und dabei stets die Verbraucherinnen und Verbraucher im Blick hat“, so Landtagsabgeordneter Ibrahim Yetim (SPD). Der Vize-Bürgermeister unterstützt die städtische Tochter und deren umweltfreundliche Energieproduktion auf ihrem Weg. Für Ibrahim Yetim, der bei der Kommunalwahl für die Moerser SPD um das Bürgermeisteramt kämpft, „ist der Solarpark Vinn ein tolles Beispiel für die Energiewende vor Ort“.

Was den Solarpark Vinn betrifft, beurteilten Experten im Jahr 2015 das Projekt als nahezu unmöglich zu verwirklichen. Die Fläche westlich der ­Autobahnabfahrt ist Teil des Grünzugs des Regionalverbands Ruhr, sie steht unter Landschaftsschutz, ist Wasserschutzgebiet. Vier Jahre verhandelte ENNI mit vielen Institutionen, ließ als ökologischen Ausgleich 47 Bäume pflanzen, dazu kamen 5.400 Quadratmeter Hecken und Büsche. 8.900 Quadratmeter Wiese wurden gepflanzt und mehr als 40.000 Quadratmeter Wiese werden erhalten. Über die Tochtergesellschaft ENNI Solar wurden letztendlich über 2,5 Millionen Euro in den Solarpark Vinn investiert.

Zuschlag für EEG-Fördermittel

ENNI erntet in Vinn jährlich etwa 3,7 Millionen Kilowattstunden Strom. Das reicht laut ENNI für rund 1.100 Einfamilienhäuser. Zudem leiste die Anlage durch den wegfallenden jährlichen CO2-Ausstoß von 2,2 Tonnen einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz vor Ort. Gerne hätte ENNI den Solarpark etwas größer gebaut, aber laut den gesetzlichen Vorgaben müssen Photovoltaik-Anlagen 110 Meter Abstand von der Autobahn einhalten.

Für einen weiteren geplanten Solarpark auf einem ehemaligen Nato-Gelände in Xanten erhielt ENNI als eines von nur zwei Projekten in Nordrhein-Westfalen im Januar den Zuschlag der Bundesnetzagentur für die begehrten EEG-Fördermittel. „Das zeigt, wie wirtschaftlich unsere Anlagen auch in unserer von Sonnenstunden weniger verwöhnten Region sind“, so Stefan Krämer. Das Ziel: ENNI erzeugt bisher 35 Prozent des in ihrem Netzgebiet benötigten Stroms umweltfreundlich und will bis zum Jahr 2035 zur Hälfte Ökostrom liefern, ein für Stadtwerke ambitionierter Wert.

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