Allianz für Innenstädte

Örtlichen Einzelhandel stärken – Chancen der Digitalisierung nutzen

Bernd Düsterdiek19. Februar 2018
Kölner Innenstadt
Straßenszene in Köln: Damit Innenstädte lebendig bleiben, müssen Handel und Politik reagieren.
Vor zwei Jahren haben Kommunen und Händler eine „Allianz für Innenstädte” gegründet. Sie wollen die Ortskerne auch in Zeiten des Online-Handels lebendig halten. Ein Gastbeitrag von Bernd Düsterdiek, Referatsleiter beim Deutschen Städte- und Gemeindebund.

Die bereits im Jahr 2016 ins Leben gerufene „Allianz für Innenstädte“ ist eine gemeinsame Initiative des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB) und des Handelsverbandes Deutschland (HDE). Im Sinne einer nachhaltigen Handels- und Stadtentwicklung möchten beide Verbände das Thema weiter voranbringen und im Kreis der Händler, kommunaler Verantwortungsträger und der Politik über die Herausforderungen der Digitalisierung sowie der Nahversorgung lösungsorientiert diskutieren.

Viele Zukunftsfragen

Welche Auswirkungen hat der Online-Handel auf unsere Innenstädte und Ortskerne? Was können Handel und Kommunen zur Stärkung der Innenstädte tun? Welche Rahmenbedingungen müssen verbessert werden? Wie können wir dauerhaft eine Nahversorgung der Bürger, insbesondere auch im ländlichen Raum, sicherstellen? Und wie lassen sich diesbezügliche Entscheidungs- und Planungsprozesse möglichst effizient gestalten? Dabei ist von folgendem Befund auszugehen:

Mit einer guten Innenstadtgestaltung, Atmosphäre und Erlebnischarakter haben viele Städte und Gemeinden in den vergangenen Jahren ihre Attraktivität bereits positiv beeinflusst. Im Zuge der Digitalisierung unserer Gesellschaft erkennen wir jedoch dauerhafte Umsatzverschiebungen zugunsten des Online-Handels mit weitreichenden Konsequenzen für das Gefüge in unseren Städten.

Leere Schaufenster, verödete Zentren?

Experten prognostizieren, dass im Jahr 2025 bis zu 20 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes online getätigt wird. Es droht damit kurzfristig die Schließung von bis zu 50.000 weiteren Geschäften in Deutschland. In der Folge werden leere Schaufenster in unseren Innenstädten zu einer Abwärtsspirale führen, die Zentren verlieren weiter an Attraktivität. Dieser Entwicklung muss aktiv gegengesteuert werden, denn die Innenstadt ist das „Gesicht einer Stadt“ und die Visitenkarte gegenüber Besuchern und Touristen. Sie steht für Identität, Kultur und Lebensqualität und gewährleistet Wirtschaftskraft sowie Arbeitsplätze.

Städte und Handel müssen daher „an einem Strang ziehen“, um unsere Innenstädte langfristig attraktiv zu erhalten. Insbesondere gilt es, dass Händler und Kommunen die Chancen der Digitalisierung selbst aktiv nutzen. Es geht darum, den Kunden zum Beispiel mit neuen Services einen echten Mehrwert anzubieten. Neben der Online-Warenpräsentation gehören hierzu auch digitale Produktinformationen oder mobile Bezahlsysteme. Lokale Plattformen, auf denen Einzelhändler ihre Produkte und Dienstleistungen online präsentieren, leisten vielerorts bereits ebenfalls positive Beiträge.

Kommunen können Straßen gestalten und Verkehr steuern

Die Städte und Gemeinden können ihrerseits durch gestalterisch gelungene Einkaufsstraßen, Plätze mit hoher Aufenthaltsqualität, gute Wegebeziehungen zwischen Einzelhandelslagen, einen leistungsstarken ÖPNV und ein gutes Parkplatzangebot den Rahmen für einen vitalen Innenstadthandel setzen. Dazu gehört auch die Gewährleistung von Sicherheit und Sauberkeit.

Bernd Düsterdiek
Bernd Düsterdiek

Die „Stärkung der Mitte“ geht letztlich aber auch die Bürgerinnen und Bürgerinnen selbst an. Sie kann nur in enger Abstimmung mit allen Innenstadtakteuren gelingen. So sind nach Auffassung des DStGB insbesondere die Eigentümer von Handelsimmobilien aufgefordert, eine angemessene Mietpreispolitik zu betreiben. Diese müssen vermehrt neue Formen, wie etwa frequenzabhängige Mietenstaffelungen, umsetzen. Dies kann gerade den inhabergeführten und stationären Einzelhandel stützen und zu einer Stabilisierung der Innenstädte beitragen.

In Sachen „Ladenöffnungszeiten“ sprechen sich DStGB und HDE für eine maßvolle Flexibilisierung aus. Bei grundsätzlicher Wahrung der Sonn- und Feiertagsruhe sollte den Kommunen gemeinsam mit dem Einzelhandel vor Ort eigenständig die Entscheidungsfreiheit gegeben werden, die Anzahl verkaufsoffener Sonntage festzulegen.

Emmissionsarmen Lieferverkehr fördern!

Aktuell diskutiert wird zudem das Thema „Fahrverbote für Innenstädte“. Hier gilt: Statt nur an Symptomen zu kurieren, muss ein Masterplan Verkehrswende die Mobilität von Menschen und Gütern und die Lebendigkeit der Innenstädte gewährleisten. Dazu sollten die Hersteller als Verursacher der Schadstoffbelastung die Fahrzeuge zügig und vollständig umrüsten. Statt einer kaum in Anspruch genommenen Prämie beim Kauf von Elektroautos für alle plädieren DStGB und HDE für eine gezielte Förderprämie zugunsten des innenstadtrelevanten Handels und des Handwerks.

Der für den Handel relevante innerstädtische Lieferverkehr muss zudem optimiert werden. Emissionsarme Lösungen, wie Sammeldepots für Paket- und Zustelldienste an verträglichen Standorten außerhalb der Innenstädte mit anschließender Anlieferung der Waren durch Elektrofahrzeuge oder Lastenfahrräder, sollten flächendeckend ausgeweitet werden.

 

Mehr Informationen
Diese und weitere Fragen werden
auch im Jahr 2018 im Rahmen von Tagesveranstaltungen der „Allianz für Innenstädte“ besprochen werden. Nähere Informationen zu den Terminen finden Sie in Kürze auf der DStGB-Homepage unter der Rubrik „Veranstaltungen“ (www.dstgb.de). Hier ist auch das aktuelle Positionspapier „Allianz für Innenstädte“ des DStGB abrufbar.

Kommentar hinzufügen