Verkehrsplanung

Oldenburg: Grünes Licht für das Fahrrad

Ulf Buschmann15. Mai 2020
Die Liebe der Oldenburger zum Fahrrad ist legendär. Sie gehört zur DNA der Stadt.
Für Niedersachsens drittgrößte Stadt Oldenburg gehört das Fahrrad als Verkehrsmittel einfach dazu – dafür wurde sie auch schon mehrfach ausgezeichnet. Entsprechend hoch sind die Prioritäten bei der Verkehrsplanung. Während der Corona-Pandemie jetzt viele Menschen auf das Fahrrad um.

Wenn es um die Stellung des Fahrrades geht, muss Ulf Prange nicht lange überlegen. „Das ist die DNA von Oldenburg“, sagt der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Rat von Niedersachsens drittgrößter Stadt. Wer in die Stadt nordwestlich von Bremen kommt, wähnt sich schon fast in den Niederlanden. 48 Prozent der Oldenburgerinnen und Oldenburger zwischen 14 und 69 Jahren benutzen einer Untersuchung zufolge täglich das Fahrrad als Verkehrsmittel. Und das quer durch alle Gesellschafts- und Altersschichten. „Das ist für eine Großstadt ein enorm hoher Wert“, sagt auch Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD).

Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann hält ebenso viel vom Verkehrsmittel Fahrrad wie die meisten Oldenburger. Foto: Hauke-Christian Dittrich

Mehr Verkehrsfläche für Radler

Mittel- bis langfristig sollen es sogar noch mehr werden. Dafür gibt es zwar noch keine konkreten Planungen, wohl aber konzeptionelle Überlegungen. Zu diesen gehört ein Mix aus mehr Verkehrsfläche für das Fahrrad, den Protected Bike Lanes, und einiges mehr. Schon jetzt sind nahezu alle Einbahnstraßen der Stadt an der Hunte für Zweiradnutzer in beide Richtungen befahrbar. Schutzstreifen auf den Fahrbahnen gibt es kaum, dafür aber an einigen Stellen Wärmebildkameras. Sie erfassen Fahrradfahrer und sorgen für längere Grünphasen an den Ampeln. Basis des Ganzen ist der „Strategieplan Mobilität und Verkehr“ von 2014. Im Jahr 2018 gab es eine Evaluation und die Fortschreibung. 2025 soll der Strategieplan nach aktuellen Planungen auslaufen.

Nach Auskunft von Krogmann fließen denn auch allein in diesem Jahr mehr als drei Millionen Euro in den Ausbau von Rad- und Fußwegen – alles in allem seien es 29 Einzelmaßnahmen. „Wir werden Rekordinvestitionen in diesem Bereich vornehmen und etwa 23 Euro pro Einwohner für Rad- und Fußwege ausgeben“, erklärt der Oberbürgermeister. Und: „Wir wollen den Ausbau der Radwege in den kommenden Jahren noch einmal verstärken, unsere Stadt wird damit weiter an Attraktivität gewinnen, und ein Beitrag zum Klimaschutz ist es auch.“ Auch radelnde Berufspendler hat er im Blick: „Mit besseren Radschnellverbindungen ins Umland wollen wir es noch attraktiver machen, mit dem Rad in die Stadt zu kommen.“

Auszeichnung als „Fahrradfreundlichste Kommune Niedersachsens“

Der vergleichsweise hohe Komfort, den Fahrradfahrerinnen und -fahrer in Oldenburg genießen, hat der Stadt schon diverse Auszeichnungen eingebracht. So trägt sie noch bis September des Jahres den Titel „Fahrradfreundlichste Kommune Niedersachsens“. Ihn vergibt die „Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen Niedersachsen/Bremen“ (AGFK) alle vier Jahre. Auch bundesweit räumt Oldenburg ab. So hat der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC)  die Norddeutschen nach einer Online-Abstimmung zu einer der drei fahrradfreundlichsten Städte in der Kategorie 100.000 bis 200.000 Einwohner gekrönt. Vor Oldenburg liegen Göttingen auf Rang 1 und Erlangen auf dem zweiten Platz.

Zu noch besseren Ergebnissen kommt der Berliner Digitalversicherer Coya in einer neuen Studie. Danach bietet Oldenburg die besten Bedingungen für Fahrradfahrer und ist Deutschlands fahrradfreundlichste Stadt. Es folgen Münster, Freiburg im Breisgau, Bamberg und Göttingen.  Schlusslicht auf Rang 50 ist Stuttgart.

Oldenburg hat viel vor

Der Stellenwert des Fahrrades schlägt sich auch in der Verwaltung nieder. Nach Auskunft von Norbert Korallus, Leiter des Fachdienstes Verkehrsplanung beim Amt für Verkehr und Straßenbau, gibt es seit einigen Jahren das „Team Rad“. Hierzu gehören neben den Verkehrsplanern auch Mitarbeiter der Abteilungen Straßenunterhaltung und Tiefbau. Dadurch werde unter anderem gewährleistet, dass kleine und mittlere Maßnahmen, wie es sie oft für Fahrräder gibt, bei großen Verkehrsprojekten „mit gleicher Priorität“ behandelt werden, erklärt Korallus.

Mittel- bis langfristig hat Oldenburg noch viel mehr vor. Um den Anteil des Fahrrades am Verkehr zu erhöhen, haben die Planer unter anderem im Blick, dem Individualverkehr Fläche zu entziehen. Sprich: Weniger Platz für Autos, mehr Platz für Fahrradfahrer, aber auch für Fußgänger. Auch Protected Bike Lanes soll es an der Hunte schon bald geben – und das nicht erst nach Auslaufen des aktuellen Mobilitäts- und Verkehrs-Strategieplans. Die Bike Lane soll nach den augenblicklichen Planungen im Zuge der Nadorster Straße, der alten B69, gebaut werden.

 

Bildunterschriften

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Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann hält ebenso viel vom Verkehrsmittel Fahrrad wie die meisten Oldenburger. Foto: Hauke-Christian Dittrich

 

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Die Liebe der Oldenburger zum Fahrrad ist legendär. Sie gehört zur DNA der Stadt. Foto Peter Duddek

Vorbild Kopenhagen

Das None-plus-Ultra des Fahrradverkehrs ist weltweit die dänische Hauptstadt Kopenhagen. Ein Verfahren zum Messen mit 13 Bewertungskriterien hat die Copenhagenize Design Company entwickelt – den Copenhagenize Index, der inzwischen weltweiter Standard ist: Abgefragt werden unter anderem das Vorhandensein von Bike-Sharing-Programmen, einer Fahrradkultur, die Akzeptanz von Radfahrern, von Verkehrsberuhigungen sowie einer umfangreichen Fahrrad-Infrastruktur. Hierzu zählen Fahrradstraßen und -ständer, Überdachungen für Räder und Garagen sowie die Kombination mit dem öffentlichen Nahverkehr. Gemessen wird die Fahrradfreundlichkeit in Städten weltweit mit mehr als 600.000 Einwohnern. Auf den Plätzen zwei und drei landen im Jahr 2019 Amsterdam und Utrecht gelandet. Die beste deutsche Stadt auf Platz elf ist Bremen.

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