Kommunalwahlen in Brandenburg

Plus sieben Prozent: Wie die SPD Teltow das geschafft hat

Carl-Friedrich Höck14. Juni 2024
Blick auf die Kirschblütenallee, die Grenze zwischen Berlin und Teltow (im April): Hier konnte die SPD deutliche Zugewinne erzielen.
Landesweit hat die SPD bei den Kommunalwahlen in Brandenburg Stimmen verloren. Trotzdem konnten die Genoss*innen in Teltow ihr Wahlergebnis deutlich steigern. Es gibt einen Grund, warum das auch Bundeskanzler Olaf Scholz freuen dürfte.

In Teltow ist die Welt der SPD noch in Ordnung. Bei der Wahl der Stadtverordnetenversammlung am 9. Juni ist die Partei deutlich stärkste Kraft geworden. 27,3 Prozent der Wähler*innen machten ihr Kreuz bei der SPD. Gegenüber der Wahl 2019 bedeutet das ein Plus von genau sieben Prozentpunkten. Zum Vergleich: Landesweit haben die Sozialdemokrat*innen 1,1 Prozentpunkte verloren.

Wie ist es den Genoss*innen in Teltow gelungen, sich gegen den Landestrend zu stemmen? Auf Nachfrage relativiert die Co-Vorsitzende Svenja Kraus den Stimmenzuwachs ein bisschen. 2019 habe die SPD in Teltow für ihre Verhältnisse schlecht abgeschnitten, es gab Konflikte um Neubauprojekte in der Stadt. „Wir konnten das damals verlorene Vertrauen wiedergewinnen“, sagt Kraus.

Beliebter Bürgermeister brachte Rückenwind

Auf den Plakaten: Teltows beliebter Bürgermeister Thomas Schmidt

Doch das allein erklärt nicht die guten Werte für die SPD in Teltow. Mit ihrem Wahlergebnis liegt sie mehr als zehn Prozentpunkte über dem Landesdurchschnitt. Ein weiterer Faktor für den Erfolg ist allem Anschein nach Thomas Schmidt. Seit 2002 ist der Sozialdemokrat Bürgermeister der Stadt Teltow. Schon vor seinem kommunalpolitischen Mandat war er im Ort fest verankert, erzählt Svenja Kraus. „Er ist Teltower und gelernter Koch. Er kennt hier Gott und die Welt.“ Seine bodenständige und sachorientierte Art komme nicht nur bei den Bürger*innen gut an, sondern bringe ihm auch bei anderen Parteien Respekt ein.

Im kommenden Jahr wird Schmidt nicht wieder als Bürgermeister kandidieren. Obwohl er auch nicht für die Stadtverordnetenversammlung zur Wahl stand, druckte die SPD sein Gesicht auf ihre Plakate. Der Tenor des Wahlkampfes: Schmidt wolle seinem Nachfolger eine gut bestellte Stadt hinterlassen und stehe voll und ganz hinter der SPD, die seine Arbeit weiterführen werde. „Es war klar, dass er Stimmen ziehen wird“, sagt Svenja Kraus.

SPD zeigt nicht nur im Wahlkampf Präsenz

Davon abgesehen sei die die Wahlkampagne gar nicht so außergewöhnlich gewesen, räumt die SPD-Co-Vorsitzende ein. Dafür legt der Ortsverein Wert darauf, auch außerhalb von Wahlkämpfen Gesicht zu zeigen und im Ort präsent zu sein. Regelmäßig stehen Genoss*innen mit einem Stand morgens am S-Bahnhof, von wo aus viele Teltower*innen zur Arbeit nach Berlin fahren. Dort verteilen sie Kaffee, vielleicht auch mal einen Müsliriegel.

Kraus erklärt, wie die Verankerung im Ort gelingt: „Wir haben 150 Mitglieder. Davon sind die, die aktiv sind, immer auch noch an anderen Orten aktiv: Als Vorsitzende in Fördervereinen, dem Heimatverein oder im Vorstand des Sportvereins.“ Und mit Sebastian Rüter habe die SPD einen sehr aktiven Landtagsabgeordneten, der dazu beitrage, die verschiedenen SPD-Ortsvereine der Gegend untereinander zu vernetzen.

Der Kanzler ist allgegenwärtig

In Teltow hat auch noch ein weiterer Genosse seinen Wahlkreis: Bundeskanzler Olaf Scholz. Auch sein Gesicht war während des Wahlkampfes auf vielen SPD-Plakaten zu sehen – als Teil der Kampagne für die zeitgleich stattfindende Europawahl.

In vielen Teilen Deutschlands wird derzeit diskutiert, ob die öffentliche Wahrnehmung der Ampel-Koalition den Wahlkämpfenden vor Ort geschadet hat. Scholz zu plakatieren, sei im Europawahlkampf ein Fehler gewesen, kritisierte jüngst der Juso-Vorsitzende Philipp Türmer.

Der Landtagsabgeordnete Sebastian Rüter und Claudia Eller-Funke (Listenplatz 1 für die Kreistagswahl, Mitte hinten) mit weiteren Kandidierenden am Infostand

Für Teltow gilt dieser Satz nicht, jedenfalls ist das die Überzeugung von Svenja Kraus. Zwar sei hier für eine Kommunalwahl geworben worden, „aber Olaf Scholz spielt da immer mit rein, und ich hatte nicht den Eindruck, dass er ein Grund war, uns nicht zu wählen.“ Denn Scholz mache wirklich gute Wahlkreisarbeit, berichtet die Sozialdemokratin. „Die meisten Menschen hier haben Olaf schon einmal live gesehen und gehört. Und dann wird er auch gewählt.“

Viel Zeit, sich über den Wahlerfolg zu freuen, bleibt der SPD Teltow nicht. Denn am 22. September steht schon wieder der nächste Urnengang an, diesmal für den Landtag Brandenburg. Doch das Ergebnis vom vergangenen Sonntag sei „ein guter Motivationsschub, um in den Landtagswahlkampf zu starten“, sagt Kraus.

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