Europäische Woche der Abfallvermeidung

Reparieren statt wegwerfen

Carl-Friedrich Höck20. November 2017
Reparatur Handy
Kaputten Dingen ein zweites Leben schenken: Am Beispiel eines Handys zeigte ein junger Mann am Montag, wie es geht.
„Gib Dingen ein zweites Leben“ – so lautet das Motto der achten Europäischen Woche der Abfallvermeidung. Mit mehr als 1.000 Aktionen bundesweit soll ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft gesetzt werden. Doch der Trend geht in eine andere Richtung: Es entsteht immer mehr Elektroschrott.

Staatssekretär Florian Pronold nahm den unglücklichen Zeitpunkt mit Humor. Ausgerechnet für den Morgen nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen hatte man die Medienvertreter ins Bundespresseamt geladen, um über die „Europäische Woche der Abfallvermeidung“ zu sprechen. Es gibt bessere Tage, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. „Wir haben den Termin extra so gewählt“, scherzte der SPD-Politiker. Schließlich sei das heute – nachdem die geplante Koalition in die Brüche gegangen sei – ein guter Tag, um über die Wichtigkeit des Reparierens zu reden.

Produkte gehen schneller kaputt

Dabei ist die Anti-Abfallkampagne dem Staatssekretär im Bundesumweltministerium ein durchaus ernstes Anliegen. „Gib Dingen ein zweites Leben – Reparatur in Deutschland stärken“ lautet das Motto in diesem Jahr. Neue Produkte seien in vielen Bereichen immer schwieriger zu reparieren, erklärte Pronold. Insbesondere Elektrogeräte würden heute doppelt so oft schon in den ersten fünf Jahren kaputt gehen wie noch vor einem Jahrzehnt.

Das ist von den Herstellern teils so gewollt. „Geplante Obsoleszenz“ lautet der Fachbegriff für den Umstand, dass viele Firmen ihre Produkte bewusst so konstruieren, dass sie schon nach wenigen Jahren defekt sind und sich nur schwer reparieren lassen. So wird die Kundennachfrage hoch gehalten – und mehr und mehr Schrott erzeugt.

Eine Belastung für das Klima

Es sei nicht gelungen, das Wirtschaftswachstum von der Abfallproduktion zu entkoppeln, sagt Patrick Hasenkamp, Vizepräsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU). Rund 618 Kilogramm Abfall fallen pro Kopf und Jahr in Deutschland an, rechnet er vor. Das sei gut doppelt so viel wie in Polen. „Jedes Produkt, das wir wegwerfen, wurde mit Einsatz von Ressourcen und Energie produziert und transportiert.“ Abfallvermeidung sei also ein wichtiger Baustein zum Klimaschutz, so Hasenkamp. Sie habe sich auch „als Teil der kommunalen Daseinsvorsorge” etabliert.

Der VKU unterstützt deshalb die Kampagnenwoche und koordiniert sie in Deutschland. Mit lokalen Aktionen und Projekten in 30 europäischen Ländern soll sie dazu beitragen, ein Bewusstsein für das Thema zu wecken. Hasenkamp sieht aber nicht nur die Verbraucher in der Pflicht: „Wir brauchen klare Vorgaben für die Industrie.“

Maßnahmenplan für mehr Nachhaltigkeit

Die fordert auch das Umweltbundesamt (UBA). Mit einer 7-Punkte-Strategie will es gegen Obsoleszenz vorgehen. So will das UBA eine EU-Ökodesign-Richtlinie nutzen, um Hersteller zu verpflichten Mindeststandards für Reparierbarkeit und Langlebigkeit einzuhalten. Die Kunden sollen schon beim Kauf darüber informiert werden, wie ein Produkt repariert werden kann und ob Ersatzteile verfügbar sind. Weiter fordert das UBA unter anderem eine Pflicht für Hersteller, eine Garantie anzugeben. Angestrebt wird zudem ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz für Reparaturdienstleistungen und dass Reparaturen, auch außerhalb des Haushalts, steuerlich abgesetzt werden können.

„Neue Dinge zu kaufen, das kostet richtig was – ökonomisch aber auch ökologisch“, sagt Fachbereichsleiterin Bettina Rechenberg aus dem Umweltbundesamt. Teilweise wollten Verbraucher neue Produkte, obwohl die alten noch gut seien, etwa aus modischen Gründen. Bei technischen Geräten seien auch neue Software und etwas ältere Hardware oft nicht mehr kompatibel. So werde der Neukauf „unsinnigerweise notwendig”.

Woche der Abfallvermeidung
Bettina Rechenberg, Florian Pronold und Patrick Hasenkamp (v.l.) lassen sich am Stand von der kaputt.de GmbH die Reparatur eines Handys erklären.

Immerhin scheint die Aufmerksamkeit für das Thema größer zu werden. Dafür spricht auch die steigende Beteiligung an der Europäischen Woche der Abfallvermeidung. Sie findet in dieser Woche bereits zum achten Mal statt. Mit mehr als 1.000 Aktionen im ganzen Bundesgebiet – etwa einem Umsonstflohmarkt, Infoveranstaltungen oder Reparaturworkshops – vermelden die Organisatoren einen neuen Teilnahmerekord. So kann man sich zum Beispiel am Stand der kaputt.de GmbH zeigen lassen, wie man ein Handy repariert. Beteiligt an der europäischen Kampagne sind neben dem VKU auch das Umweltministerium als offizieller Partner der Aktionswoche und das Umweltbundesamt als fachlicher Ansprechpartner.

 

Mehr Informationen
www.wochederabfallvermeidung.de

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