Abfall-Analyse

Restmüll-Tonnen werden falsch befüllt

Carl-Friedrich Höck28. Juli 2020
Was landet in der Restmülltonne?
Die Restmüllmenge in Deutschland hat sich seit 1985 fast halbiert. Doch noch immer landet viel zu viel Abfall in den schwarzen Tonnen, der dort nicht hineingehört. Das Umweltministerium sieht einen Teil der Verantwortung bei den Kommunen.

Deutschland gilt als Land der Mülltrennung – und tatsächlich hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vieles getan. Das geht aus einer Analyse von Umweltbundesamt und Umweltministerium hervor, die am Dienstag vorgestellt wurde. Demnach ist die Menge des Abfalls in Restmülltonnen in den zurückliegenden Jahrzehnten um fast die Hälfte zurückgegangen. Im Jahr 2018 fielen 128 Kilogramm Restmüll pro Einwohner*in und Jahr an. Das sind 46 Prozent weniger als im Jahr 1985. Damals hatte eine Untersuchung eine durchschnittliche Restmüllmenge von 239 Kilogramm ermittelt.

Ziel bleibt Kreislaufwirtschaft

Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth spricht von einer „Erfolgsgeschichte“. Die Deutschen hätten über Jahrzehnte die Mülltrennung erlernt. Zufrieden ist er trotzdem nicht: „Unser Ziel ist eine echte Kreislaufwirtschaft, in der kaum noch Restmüll anfällt und Rohstoffe wiederverwendet werden.“

Davon ist Deutschland noch weit entfernt. Die Analyse zeigt, dass bei der Mülltrennung weiterhin viel Luft nach oben ist. Nur 32 Prozent dessen, was in den schwarzen Tonnen landet, gehört dort auch tatsächlich hinein. Vor allem Bioabfälle werden noch viel zu oft im Restmüll entsorgt, obwohl das seit 2015 verboten ist und sogar mit hohen Bußgeldern geahndet werden kann. 39 Prozent des Inhaltes der Restmülltonnen besteht aus Bioabfällen.

Auch sogenannte trockene Wertstoffe – wie Altpapier, Glas, Kunststoffe oder Textilien – finden vielfach den Weg in die Restmülltonne. Sie machen 27 Prozent des Inhaltes aus. Und sogar problematische Gegenstände wie Altbatterien, Akkus und Energiesparlampen wurden in mehr als 60 Prozent der Abfallstichproben gefunden (0,5 Prozent der Gesamtmenge). Tatsächlich für den Restmüll gedacht sind unter anderem Windeln und weitere Hygieneprodukte, Staubsaugerbeutel oder sogenannter Feinmüll (wie Kehricht oder Asche).

Kommunen sollen Mülltrennung verbessern

Bettina Rechenberg, die als Fachbereichsleiterin beim Umweltbundesamt für das Thema Kreislaufwirtschaft zuständig ist, sieht Aufklärungsbedarf. In den Kommunen müsse eine bürgernahe Abfallberatung angeboten werden. Zwar hätten viele Städte und Kreise schon einiges unternommen. Als Beispiel nennt sie kommunale Unternehmen, die sich an Schulen wenden und dort Infotage initiieren. Doch vieles laufe getrennt nebeneinander her. „Wir wünschen uns eine bessere Vernetzung der Kommunen“, sagt Rechenberg.

Kritik an den Kommunen äußert auch Staatssekretär Flasbarth. Besonders wurmt ihn, dass die Vorgabe, Bioabfälle getrennt zu sammeln, ungenügend umgesetzt werde. „Das ist eine Verpflichtung der Kommunen, und der kommen sie nicht ausreichend nach“, meint er. Die Verantwortung liege nicht allein bei den Verbraucher*innen, denn die Mülltrennung müsse ihnen auch ermöglicht werden. Das sei nicht ausreichend der Fall. Dass etwa ein Haushalt seine Eierschalen zum Wertstoffhof fährt, sei einfach unwahrscheinlich. Deshalb müsse die Abfallentsorgung besser organisiert werden.

Der Gesetzgeber will handeln

Das Umweltministerium sei hierzu in Gesprächen mit dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU), sagt Flasbarth. Wenn von dort nichts komme, müsse der Gesetzgeber überlegen, wie er die Situation verbessert. Außerdem plane das Umweltministerium, die Regeln für die Rückgabe von Elektrogeräten im Handel zu überarbeiten, sodass auch größere Geräte als bisher dort abgegeben werden können.

Für die Auswertung wurde der Restmüll von 14 öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern analysiert. Der untersuchte Abfall entspricht ungefähr dem Inhalt von 2.800 Mülltonnen. Um ein ausgewogenes Bild zu gewinnen, wurden verschiedene Jahreszeiten, Siedlungsstrukturen und Gebührensysteme berücksichtigt. Auffällig ist: In städtischen Regionen enthielten die Tonnen pro Einwohner deutlich mehr Restmüll als in ländlichen Gebieten und Vororten. Insbesondere Bioabfälle landen in der Stadt vermehrt im Restmüll. Eine mögliche Erklärung: Auf dem Land pflegen viele Bürger*innen einen eigenen Komposthaufen.

Die kommunalen Unternehmen deuten die vorgelegten Zahlen als Bestätigung für ihr Engagement. In einem Statement des VKU heißt es: „Dass sich die Restmüllmengen in Deutschland seit 1985 fast halbiert haben, ist eine echte Erfolgsgeschichte. Möglich wurde das vor allem durch das Engagement der kommunalen Abfallwirtschaft, die die Getrenntsammlung seit Jahrzehnten ausbaut und bei den Bürgerinnen und Bürgern beständig für Abfalltrennung wirbt.” Potenzial gebe es unter anderem noch bei der Bioabfallsammlung, „trotz intensiver Öffentlichkeitsarbeit der Kommunen wie etwa der Kampagne Wir für Bio.”

Vier Irrtümer über Mülltrennung

Mit der Kampagne „Mülltrennung wirkt” wollen die Dualen Systeme über das Thema aufklären. Ein Sprecher der Kampagne verweist auf vier große Irrtümer, die in deutschen Haushalten weit verbreitet seien. Im Folgenden dokumentieren wir Auszüge aus einer Pressemitteilung der Kampagne:

Irrtum 1: Es ist egal, ob Müll getrennt wird – Mülltrennung hat keine positive Auswirkung auf die Umwelt.

Richtig ist: Mit richtiger Mülltrennung kann jeder mit wenig Aufwand einen wichtigen Beitrag für die Umwelt und den Klimaschutz leisten, weil er wertvolle Ressourcen wieder dem Wertstoffkreislauf zuführt. Das renommierte Öko-Institut in Freiburg hat berechnet, dass durch das Recycling von Leichtverpackungen aus dem Gelben Sack und der Gelben Tonne, von Verpackungen aus Glas sowie aus Papier, Pappe und Karton in Deutschland jährlich rund 3,1 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden. Das entspricht den Emissionen einer Stadt in der Größe von Bonn im gleichen Zeitraum. Jede Tonne Recyclingkunststoff, die anstelle von neu produziertem Kunststoff zum Einsatz kommt, vermeidet zwischen 1,5 und 3,2 Tonnen klimarelevanter Treibhausgase. Die Produktion von Recyclingpapier verbraucht nur ein Drittel der Energie und etwa ein Fünftel des Wassers, das für die Produktion von Frischfaserpapier benötigt wird. Und der Einsatz von recyceltem Aluminium verbraucht nur fünf Prozent der Energie, die zur Herstellung von Primäraluminium notwendig ist.

Irrtum 2: Gesammelte Verpackungsabfälle und Restmüll werden zusammen verbrannt.

Richtig ist: Verpackungsabfälle aus dem Gelben Sack und der Gelben Tonne gelangen in einen Wertstoffkreislauf und werden zum größten Teil wieder zur Herstellung neuer Produkte verwendet. Hierzu bringen die Entsorgungsunternehmen sie zunächst vollständig in Abfallsortieranlagen, die in Deutschland flächendeckend vorhanden sind. Dort werden sie nach Materialien sortiert, Restmüll und nicht Verwertbares aussortiert und alle dafür verwertbaren Abfälle dann dem Recycling zugeführt. Das 2019 in Kraft getretene Verpackungsgesetz verpflichtet die dualen Systeme dazu, dass aktuell mindestens 80 Prozent aller Glas-, Weißblech- und Aluminiumverpackungen, 85 Prozent aller Verpackungen aus Papier, Pappe und Karton und rund 60 Prozent aller Kunststoffverpackungen aus dem Gelben Sack und der Gelben Tonne recycelt werden. Je besser die Haushalte trennen, desto mehr Wertstoffe aus Verpackungsabfällen bleiben diesem Kreislauf erhalten: Verpackungsmüll, der in der Restmülltonne eingeworfen wird, wird tatsächlich verbrannt und geht dem Rohstoffkreislauf unwiederbringlich verloren. Und Restmüll, der falsch in die Gelbe Tonne oder den Gelben Sack gelangt, erschwert den Sortierprozess erheblich und kann das Recycling unmöglich machen.

Irrtum 3: Verschiedenfarbige Glasscherben werden wieder zusammengekippt.

Richtig ist: Das Zusammenkippen getrennter Glasscherben würde zu Verunreinigungen führen, die ein Recycling erschweren. Gemäß Verpackungsgesetz müssen die dualen Systeme aktuell mindestens 80 Prozent aller (Einweg-)Glasverpackungen recyceln und das ist nur mit korrekt getrenntem Glas möglich. Befindet sich zum Beispiel ein braunes Glas zwischen Weißglas, verfärbt sich beim Einschmelzen das gesamte Weißglas. Um einen Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz zu leisten, ist es deshalb wichtig, Verpackungen aus Glas korrekt zu trennen. Mit weiterem positiven Effekt für die Umwelt: Denn der Einsatz von Recyclingglas spart Energie und Ressourcen. Allein 10 Prozent Scherbeneinsatz reduzieren die Schmelzenergie um 3 Prozent und die CO2-Emissionen um 3,6 Prozent. Jede Glasflasche besteht zu 60 Prozent aus „Alt“-Scherben, bei grünen Gläsern sind es sogar bis zu 90 Prozent. Nicht zuordenbare Farben, wie beispielsweise Verpackungen aus blauem Glas, gehören im Übrigen in das Grünglas, das als Mischfarbe die meisten Unreinheiten verträgt.

Irrtum 4: In den Gelben Sack und die Gelbe Tonne gehört nur Plastik.

Richtig ist: Neben Kunststoffverpackungen gehören auch alle Verpackungen aus Weißblech, Aluminium und Verbundmaterialien wie Getränkekartons in den Gelben Sack und die Gelbe Tonne. Sie sollten dabei vollständig entleert sein, damit die Materialien im Sortierprozess sauber voneinander getrennt werden können. Ein Ausspülen der Verpackungen ist nicht erforderlich, da im anschließenden Verwertungsprozess ohnehin eine industrielle Reinigung erfolgt. Alle Gegenstände aus Kunststoff oder Metall, die keine Verpackung sind, wie Kinderspielzeug oder Zahnbürsten, gehören in die Restmülltonne oder können in einem Wertstoffhof abgegeben werden.

Quelle: muelltrennung-wirkt.de

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