Sicherheit im öffentlichen Raum

Sicher bis zur Haustür

Susanne Dohrn 01. Juli 2024
Nächtliche Taxifahrten werden in Geesthacht für Frauen bezuschusst.
Frauen-Nacht-Taxis wie in Geesthacht bieten günstigere Preise für Frauen. In Hamburg hat die SPD einen Vorstoß gestartet.

Mehr Sicherheit für Mädchen und Frauen im öffentlichen Raum, das ist die Aufgabe von Frauen-Nacht-Taxis. „Wir erhalten in der Bezirksversammlung immer wieder Rückmeldungen über als dunkel oder unsicher empfundene Orte in Hamburg“, sagt Gabor Gottlieb, SPD-Fraktionsvorsitzender im Hamburger Bezirk Eimsbüttel.

Damit Frauen mit niedrigem Einkommen sich eine sichere Heimfahrt leisten können, hat die Bezirksversammlung auf Antrag der SPD-Fraktion beschlossen, Frauen in Hamburg zu Nachtzeiten günstigere Taxipreise anzubieten. Zwar verfügt die Stadt über ein gutes öffentliches Verkehrsnetz, aber der Weg von der U-Bahn- oder Bushaltestelle nach Hause ist gerade in Außenbezirken oft einsam und dunkel.

Antrag der SPD-Fraktion im Bezirk Eimsbüttel

Der Antrag liegt beim grünen Senator der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende, denn Eimsbüttel allein kann das Modell nicht umsetzen. „Wir könnten aber ein Pilotstadtteil werden“, schlägt Gottlieb vor. Bei der Funkvermittlung Hansa-Taxi wird die Idee positiv gesehen. „Wir sind da sehr aufgeschlossen“, sagt ein Sprecher.

Geesthacht: Frauen-Nacht-Taxi seit 1993

Im schleswig-holsteinischen Geesthacht gibt es das Frauen-Nacht-Taxi seit 1993. Dafür eingesetzt hat sich damals schon der heutige Bürgermeister Olaf Schulze (SPD). Von Oktober bis März zwischen 19 und 6 Uhr sowie von April bis September von 22 bis 4 Uhr können Frauen und Mädchen sowie Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung ­einer Frau das Angebot nutzen. „Wir wollen, dass die Frauen sicher nach Hause kommen, egal woher sie kommen und wohin sie wollen“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte Anja Nowatzky.

„Schritt zu mehr Gleichberechtigung“

Frauen verfügen immer noch deutlich seltener als Männer über Autos. Sie nutzen daher häufiger Fahrräder oder den ÖPNV, und der fährt in den Nachtstunden nicht alle Stadtteile regelmäßig an. Zudem seien Frauen häufiger sexualisierter Gewalt ausgesetzt, so ­Nowatzky.

Das Frauen-Nacht-Taxi sei ein Schritt zu mehr Gleichberechtigung, weil es ihnen Schutz vor sexuellen Übergriffen biete und die Möglichkeit gebe, am gesellschaftlichen Leben der Stadt ­teilzuhaben.

Stadt bezuschusst Fahrten

Für Fahrten innerhalb von Geesthacht zahlt die Stadt einen Zuschuss von fünf, für Fahrten an den Stadtrand von sieben Euro. Drei Taxiunternehmen beteiligen sich an dem Angebot. Die Fahrer oder Fahrerinnen müssen die Frau beim Einstieg auf das Angebot hinweisen, die Kundin füllt ein Formular aus – Innenstadt- oder Stadtrandfahrt – unterschreibt und zahlt auf den Taxameter-Preis entsprechend weniger.

Die Frauen-Nacht-Taxis warten so lange, bis die Frauen sicher im Haus sind. Einmal im Monat rechnen die Taxiunternehmen mit der Stadt ab. Das jährliche Budget von 12.800 Euro sei ausreichend, so ­Nowatzky.

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