Rezension „Smart City – made in Germany”

Das Smart-City-Kaleidoskop

Carl-Friedrich Höck23. April 2020
Cover „Smart City - Made in Germany”
Chirine Etezadzadeh hat zahlreiche Autor*innen gebeten, jeweils einen Aspekt von „Smart City” zu beschreiben. Herausgekommen ist ein umfangreiches Buch, das die Vielfalt des Themas und den Debattenstand gut abbildet.

„Smart City“ ist ein Sammelbegriff, der seit der Jahrtausendwende verwendet wird. Laut „Gabler Wirtschaftslexikon“ wird er für alle Konzepte verwendet, „Städte mithilfe der Möglichkeiten neuer technischer Entwicklungen und der Informations- und Kommunikationstechniken im Hinblick auf Ökologie, sozialem Zusammenleben, politischer Partizipation etc. zu modernisieren und lebenswerter zu gestalten.“

Platz für individuelle Perspektiven

Wie weit dieser Begriff mittlerweile reicht, zeigt das Buch „Smart City – Made in Germany“. Es widmet sich dem Thema Smart City aus einer deutschen Perspektive, umfasst 18 Themenabschnitte und 921 Seiten.

Herausgegeben wurde es von Chirine Etezadzadeh, Leiterin des SmartCity.institute. Sie hat zahlreiche Expert*innen aus Politik, Wirtschaft, Verbänden und Wissenschaft gebeten, jeweils einen Aspekt kurz und verständlich zu beschreiben. Nicht im Stile eines Lexikon-Eintrages, sondern aus ihrer individuellen Perspektive. Die gesammelten Aufsätze und Interviews sortiert Etezadzadeh unter Oberbegriffen wie „Governance“, „Bildung“, „Stadtbegrünung“ oder „Energiewirtschaft“ ein. So entsteht ein Kaleidoskop von Sichtweisen auf das jeweilige Thema.

Gelungener Aufbau

Das Buch geht Fragen nach wie: Warum sollten Kommunen smart werden? Wie kann der Prozess gestartet werden? Was sind die Voraussetzungen und wer profitiert vom Wandel? Die gegebenen Antworten sind nicht als Lehrbuchweisheiten gedacht, sondern sollen den Leser anregen, seine eigene Sicht auf das Thema zu entwickeln.
Der Aufbau ist aus zwei Gründen gut gelungen. Erstens sind die einzelnen Texte trotz des gewaltigen Buchumfanges nicht zu ausufernd. In der Regel überschreiten sie eine Länge von 10 bis 15 Seiten nicht. Der Rahmen nötigt die Autor*innen, schnell auf den Punkt zu kommen. Die kompakten Texte ermöglichen es den Leser*innen zudem, das Gesamtwerk als Handbuch zu nutzen. Zweitens ist jedem Text eine kurze Zusammenfassung vorangestellt. Das erleichtert den Zugang und die Orientierung.

Der Nachteil des Ansatzes, Unternehmer oder Verbandsmitarbeiter über ihre Arbeit schreiben zu lassen, liegt auf der Hand: Manche Beiträge gleiten ins Werbliche ab. Etwa, wenn zwei Autoren von Volkswagen in ihrem Beitrag zu urbanen Logistikanforderungen „maßgeschneiderte Produkte für besondere Kunden” anpreisen und dies mit zahlreichen PR-Bildern der firmeneigenen Fahrzeugpalette illustrieren.

Chirine Etezadzadeh (Hrsg.):
Smart City – Made in Germany.
Die Smart-City-Bewegung als Treiber einer gesellschaftlichen Transformation
Springer-Verlag 2020, 921 Seiten, 99,99 Euro, ISBN 978-3-658-27231-9

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