Baunataler Bürgermeister

SPD bestürzt über den Tod Manfred Schaubs

Carl-Friedrich Höck22. Mai 2018
Manfred Schaub auf dem DEMO-Kommunalkongress 2017
Manfred Schaub auf dem DEMO-Kommunalkongress 2017
Er war Bürgermeister von Baunatal und sportpolitischer Sprecher der SPD. Manfred Schaub ist am Sonntag unerwartet gestorben. Die Parteispitze trauert um einen aufopferungsvollen Politiker und wertvollen Ratgeber.

Manfred Schaub war ein Energiebündel. Rastlos arbeitete er für seine nordhessische Heimat und für seine Partei, die SPD. Am Pfingstsonntag ist der Bürgermeister von Baunatal überraschend gestorben.

Der Nordhesse war Kommunalpolitiker aus Leidenschaft. Das spürten auch die Bewohner der 28.000-Einwohner-Stadt, deren Verwaltung er führte. Im vergangenen Jahr erst hatten die Baunataler den seit 2005 regierenden Bürgermeister wiedergewählt, mit 92 Prozent Zustimmung.

Einflussreich in der Landes- und Bundespolitik

Sein politisches Wirken reichte aber weit über die Stadt hinaus. Manfred Schaub, 1957 geboren, wurde 1991 Persönlicher Referent beim hessischen Innenminister Herbert Günther. Ab 1995 gehörte er zehn Jahre lang dem hessischen Landtag an und war von 1999 bis 2003 sogar Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion. Seit 2001 war er stellvertretender Landesvorsitzender der Hessen-SPD, seit 2003 sportpolitischer Sprecher der Bundespartei. Dem SPD-Bundesvorstand gehörte er seit 2007 viele Jahre an.

In der Parteispitze war sein Rat gefragt. Entsprechend bestürzt reagierten viele SPD-Politiker auf den Tod Schaubs. „Teamgeist, Fairplay und gelebte Solidarität waren Markenzeichen dieses besonderen Menschen“, erinnert sich SPD-Chefin Andrea Nahles. „Als bürgernaher und bodenständiger Politiker wusste er, was die Menschen bewegte und was sie umtrieb.“

Trauer in der SPD

Der hessische SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel sagte, er sei fassungslos. „Ich verliere einen guten Freund, der mitten aus dem Leben gerissen worden ist.“ Schaub habe im besten Sinne „für die traditionsreiche nordhessische SPD“ gestanden, für ihre Bürgernähe und Bodenständigkeit verbunden mit dem Mut zur Veränderung auf der Basis der Grundwerte der Sozialdemokratie. Als Bürgermeister seiner Geburtsstadt habe er täglich das Gespür für die Sorgen und Nöte seiner Mitmenschen bewiesen, für ihre Wünsche und Hoffnungen, und habe versucht diesen gerecht zu werden.

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der sozialdemokratischen Fraktion im EU-Parlament Udo Bullmann, der ebenfalls aus Hessen stammt. Schaub „steht für das, was uns groß gemacht hat – ehrlich, gradlinig, zuverlässig“, schreibt er auf Twitter. Und Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig bekannte: „Er gehörte zu den Menschen, die du gerne sprichst und triffst, der das Gefühl vermittelt hat – wir sind eine sozialdemokratische Familie.“

Geschätzt war Schaub auch außerhalb seiner Partei. Der Landesvorsitzende der Grünen, Kai Klose, schrieb auf Twitter: „Ruhe in Frieden, Manni. Wenn jemand ‚aufrechter Sozialdemokrat’ sagte, kamst stets Du mir in den Sinn.“

Und Franco Foraci, Korrespondent des Hessischen Rundfunks, bezeichnete Schaub als einen „der freundlichsten und angenehmsten Politiker Hessens”.

Bei der DEMO zu Gast

Trotz seines vollen Terminkalenders – mit vielen 60-Stunden-Wochen – nahm Schaub sich immer wieder gerne Zeit, den Austausch mit anderen Kommunalpolitikern zu suchen. Mehrfach war er Gast auf dem DEMO-Kommunalkongress, zuletzt im November 2017. Dort erklärte er in einer Podiumsdiskussion, wie die Stadt Baunatal Menschen unterstützt, die sich ehrenamtlich im Sport engagieren – mit einer „Vereinsservicestelle“, die unbürokratisch weiterhilft. „Wie Urlaub“ sei der Kongress für ihn gewesen, sagte Schaub damals.

Sein arbeitsreiches Leben endete am Sonntag plötzlich und unerwartet. Manfred Schaub wurde 60 Jahre alt.

 

Einen Nachruf von Thorsten Schäfer-Gümbel lesen Sie auf vorwärts.de.

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