Mobilität

Mit dem Sprudel-Sprinter umweltfreundlich einkaufen

Winfried Kropp09. März 2017
Lastenfahrrad in Konstanz
Rot und frech bedruckt: die Konstanzer Lastenfahrräder.
Die Stadt Konstanz startet ein Verleih-System für Transport-Fahrräder. Damit können auch Getränkekisten emmissionsfrei nach Hause gebracht werden – eine echte Alternative zum Auto.

Einkaufen mit dem Fahrrad? Selbst fleißige Radler schütteln mit dem Kopf. Denn wie lassen sich mit dem Rad eine oder mehrere Getränke-Kisten neben anderen Einkäufen sicher transportieren?

12 Mietstationen für Lastenräder

In Konstanz hat die schwere und unhandliche Sprudelkiste als Argument gegen das Fahrrad ausgedient. Dafür sorgt der Sprudel-Sprinter, eines von 24 Lastenfahrrädern. Ein Modellprojekt des Bundes ermöglicht, in Konstanz eines der größten Verleihsysteme für Transport-Fahrräder aufzubauen.

Im ganzen Stadtgebiet wurden zum Projektstart Ende Juli 2016 zunächst 12 Mietstationen für die Lastenräder eingerichtet, an denen die Mieträder abgeholt oder nach Nutzung wieder abgestellt werden können. Der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt (CDU) war daher auch voll des Lobes über das neue Angebot, das er nur zu einem kleinen Teil bezahlen muss, weil es vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert wird. Im Rahmen des Nationalen Radfahrplans 2020 erhalten die beiden Pilotstädte Konstanz und Norderstedt insgesamt 357.000 Euro vom Bund für das Verleihsystem, das den Namen TINK trägt. Hinter dieser Abkürzung verberge sich die „Transport-Initiative nachhaltiger Kommunen, erläuterte Projekt-Koordinator Marco Walter. Mit den Fördermitteln könne das Leihsystem bis 2018 betrieben werden.

Begleitende Studie

Der Bundeszuschuss mache auch eine wissenschaftliche Begleitung des Projekts möglich, so dass andere Kommunen aus den Erfahrungen  lernen können. So werde nicht nur nach der optimalen Organisation für ein Leihrad-System gesucht. Von Interesse sei insbesondere, wie solche Angebote die Wahl der Verkehrsmittel beeinflussen und welche Faktoren den Umstieg vom Auto auf andere Verkehrsmittel leichter machen.

Einkaufen mit den Leihrädern macht Spaß, denn die Transport-Räder sind echte Hingucker. Dafür sorgen alleine schon ihre Namen. Neben dem erwähnten Sprudel-Sprinter gibt es Flohmarkt-Flitzer, die Kinder-Kutsche, den Party-Pickup oder den Picknick-Packesel. Der Hörnle-Hopper macht Laune zu einer Fahrt zum größten Konstanzer Freibad Horn am Bodensee.

Bis zu 100 Kilo-Ladungen sind möglich

Hinter dem Leihrad-System steckt jede Menge Logistik und Technik, erläuterte Dominik Langer von der Konstanzer Firma Fahrrad-Spezialitäten, die das System innerhalb der Stadt Konstanz  betreiben wird. Zur Verfügung stehen zwei Typen von Lastenfahrrädern. Das zweirädrige Transportrad bietet Platz für zwei Getränkekisten und ist für eine Zuladung bis zu 80 Kilogramm ausgelegt. Das leistungsfähigere Modell hat drei Räder und kann mit 100 Kilogramm beladen werden. Damit können bis zu vier Kinder im Transportrad mitfahren. Dafür sind sogar Sicherheitsgurte eingebaut. Alle Räder sind mit einer leichtgängigen Acht-Gang-Schaltung ausgestattet, so dass auch die Hügel im Konstanzer Stadtgebiet selbst beim voll beladenen Rad kein Hindernis darstellen.

Wie können Konstanzer ihr Lastenfahrad mieten? Der erste Schritt ist eine Registrierung auf der Internet-Seite des Projekts www.tink.bike/konstanz. Sobald die Nutzerdaten dort eingegeben wurden, kann der Interessent zur nächsten Mietstation gehen, und sich sein Miet-Rad abholen. Über die TINK-App oder eine SMS erhält er nach der Buchung einen Code, mit dem das Rad aufgeschlossen werden kann. Bei welcher  Mietstation es freie Räder gibt, verrät die App für das Smartphone oder eine Karte auf der TINK-Website. Nach der Nutzung können die Räder bei jeder Mietstation wieder abgestellt werden. Vielfahrer können gleich einen RFID-Chip besorgen und sofort einen freien Sprudelspritzer ausleihen. Die Buchung erfolgt automatisch, sobald ein Rad aufgeschlossen wird.

Lastenräder fahren ist billiger als Parken

Besonders attraktiv wird das ganze System durch den Preis. Denn die erste Stunde ist kostenlos, erst danach wird eine Gebühr von einem Euro pro angefangener halber Stunde Nutzung fällig. Damit sind die Lastenfahrräder deutlich günstiger als Parkgebühren in Konstanz. Sollten Fahrräder nicht mehr zu einer Mietstation zurückkommen oder gar gestohlen werden, können Sie mit einem eingebauten GPS-Sender lokalisiert und wieder abgeholt werden. Das macht Dominik Langer aber nicht mit einem Lieferwagen, sondern mit einem besonderen Fahrrad-Anhänger.

Die Mietstationen wurden an wichtigen Fahrtzielen für die Nutzer des öffentlichen Verkehrs eingerichtet. Aber sie liegen auch in der Nähe dicht bebauter Wohnanlagen. So sind die städtische Wohnungsbaugesellschaft WOBAK und das Studierendenwerk seezeit wichtige Kooperationspartner, die Flächen für Mietstationen zur Verfügung stellen, damit ihre Mieter kurze Wege zu diesem Angebot haben.

Infrastruktur wird gefördert

Nach längeren Jahren des Stillstands – ausgerechnet unter einem grünen Oberbürgermeister – wurde in Konstanz wieder der Ehrgeiz zur Förderung des Radverkehrs geweckt. Am Rande der Einweihung von TINK kündigte der Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn jährliche Investitionen in die Fahrradinfrastruktur in Höhe von 300.000 Euro an. Bereits 2017 wollen die Stadtwerke dann ein Verleihsystem für normale Fahrräder in Betrieb nehmen. Der Wille, die Fahrradstadt Konstanz voranzubringen, ist also vorhanden.

Genau so häufig wie die Sprudelkiste dient auch die Bierkiste als Argument gegen den Einkauf mit dem Rad. Doch ein Bier-Bike sucht man unter den 24 Lastenfahrrädern vergeblich.

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