Kommunale Wirtschaft und Energiewende

Wie das Stadtwerk der Zukunft aussieht

Michael Ebling 13. Februar 2017
Schaltzentrale der Stadtwerke Leipzig. Die Stadtwerke müssen Energiewende und Digitalisierung mitgestalten.
Stadtwerke sind bereits heute die Systemmanager der Energiewende vor Ort. Kommunalwirtschaft steht für Kontinuität und Sicherheit – aber ebenso für Weiterentwicklung, Wandelbarkeit und Veränderungsfähigkeit.

Ob Digitalisierung, demografischer Wandel, Energiewende, Freihandel, Infrastruktur-Erhalt und -Finanzierung oder Geflüchtete: Auf viele wichtige Fragen erwarten Wirtschaft und Gesellschaft eine Antwort. Die Kommunen und ihre Stadtwerke können bei vielen dieser Themen einen Beitrag leisten, da sie in direktem Kontakt zu den Bürgern und der heimischen Wirtschaft stehen. Sie sind heute mehr denn je Teil einer modernen Daseinsvorsorge.

Vertrauen in kommunale Unternehmen ungebrochen

Kommunalwirtschaft steht für Kontinuität und Sicherheit. Sie steht aber ebenso für Weiterentwicklung, Wandelbarkeit und Veränderungsfähigkeit. Das haben die Stadtwerke spätestens seit der Liberalisierung der Energiemärkte Ende der 1990er Jahre gezeigt. Ansprüche an Kundenservice und Produkte haben die kommunalen Unternehmen genutzt, und sie sind effizienter geworden.

Und die Bürgerinnen und Bürger sowie die Kunden wissen dies zu schätzen: Während viele Menschen immer weniger Vertrauen in Konzerne haben, sind die Zustimmungswerte für kommunale Unternehmen ungebrochen hoch: 75 Prozent der Bundesbürger bringen kommunalen Unternehmen großes Vertrauen entgegen. 91 Prozent der Befragten sind mit den kommunalen Unternehmen vor Ort zufrieden.

Infrastrukturen sind ein wichtiger Vermögenswert

Das ist ein gewichtiges Pfund. Beliebte kommunale Marken sind wichtig, um im Wettbewerb um Kunden und Mitarbeiter bestehen zu können. Vertrauen in die Richtigkeit unternehmerischer Entscheidungen schafft Akzeptanz für Infrastrukturmaßnahmen wie den Netzausbau oder den Ausbau erneuerbarer Energien. Und auch beim Umgang mit Daten ist Vertrauen ein wichtiger Faktor.

Dabei ist der wirtschaftliche Erfolg der kommunalen Unternehmen Voraussetzung dafür, dass den Bürgerinnen und Bürgern ihre wesentlichen Dienstleistungen zu jeder Zeit und ununterbrochen zur Verfügung stehen. Kommunale Infrastrukturen sind ein wichtiger Vermögenswert. Sie sind die Voraussetzung für die gleichbleibend hohe Qualität und Versorgungssicherheit – und nicht nur das. Sie sind auch ein zentraler Faktor für integrierten Klimaschutz. Kommunen setzen mit ihren Unternehmen bereits heute intelligente Ver- und Entsorgungskonzepte um, und sie arbeiten daran, die Bereiche Strom, Wärme, Wasser und Abwasser, Entsorgung sowie Verkehr immer weiter zu vernetzen. So kann nicht nur der Stromsektor zum großen Teil durch erneuerbare Energien versorgt werden, sondern auch der Wärme- und der Verkehrssektor. Hier wird die Zukunft einer ganzheitlichen Energieversorgung liegen.

Digitalisierung als Katalysator

Die Digitalisierung ist ein Katalysator dieser Prozesse. Sie bietet die Chance, wesentliche gesamtgesellschaftliche Heraus­forderungen wie den demografischen Wandel oder die Energiewende auf bisher nicht gedachtem Wege anzugehen oder aber auch klimatische und umweltbezogene Herausforderungen besser zu antizipieren und ihnen damit früher und effizienter zu begegnen. Die Digitalisierung verändert aber auch Kundenwünsche, auf welche die Stadtwerke reagieren müssen. Auch im Zeitalter von Digitalisierung wird Systemsicherheit und -stabilität der Energieversorgung eine lokale und regionale Aufgabe bleiben. Die Infrastruktur muss auch zukünftig entsprechend der spezifischen Anforderungen vor Ort gemanagt werden.

Um aber weiterhin die moderne Daseinsvorsorge sichern zu können, benötigen die kommunalen Unternehmen auch sichere politische Rahmenbedingungen. Momentan ist hier leider noch einiges im Argen. Wir haben im Stromsektor noch immer kein stimmiges Marktdesign, der Netzausbau hinkt hinterher, und wesentliche Fragen zur Finanzierungsgerechtigkeit der Energiewende sind ungeklärt – um nur einige Probleme zu nennen. Der VKU steht hier weiterhin bereit, mit der Politik die notwendigen Weichenstellungen zu diskutieren.  

Leitbild eines Stadtwerks der Zukunft

Welches Bild eines zukünftigen Stadtwerkes sollte uns also bei den unternehmerischen Entscheidungen der kommenden Jahre leiten? Ich denke an ein Stadtwerk, dass sich in einem Energiemarkt bewegt, der sich durch Verlässlichkeit und Klimafreundlichkeit auszeichnet, weil die Politik die Weichen dafür gestellt hat – und welches sich in einem Umfeld bewegt, das auf marktwirtschaftlichen Mechanismen fußt. Ob ein Unternehmen auf Erzeugung, Netze oder Vertrieb setzt oder auch alles miteinander kombiniert, sollte jede Kommune mit ihrem Stadtwerk selbst entscheiden. Hier gibt es kein Richtig oder Falsch. Dies soll und muss direkt vor Ort und individuell entschieden werden. DAS eine Geschäftsfeld, welches für das Stadtwerk der Zukunft richtig ist, gibt es nicht.

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