Künstliche Intelligenz

Wie Stadtwerke KI nutzen

Carl-Friedrich Höck18. Juni 2024
Eine Bademeisterin im Einsatz (Symbolfoto): KI kann das Aufsichtspersonal in Schwimmbädern unterstützen und so Leben retten. In München wird das erprobt.
Kommunale Unternehmen setzen Künstliche Intelligenz bereits auf unterschiedliche Weise ein. Drei Beispiele aus der Praxis aus Gelsenkirchen, dem Zweckverband Ostholstein sowie aus München.

Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) ist in den Energie-, Wasser- oder Abfallbetrieben längst angekommen. „KI kann dabei helfen, die kommunale Daseinsvorsorge zu verbessern“, sagt ein Sprecher des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU). „Sie kann dabei unterstützen, den Standort für die lokale Wirtschaft zu stärken, die Lebensqualität der Menschen zu verbessern sowie Lösungen für Klimawandel, Demografie und Stadt-Land-Unterschiede zu entwickeln.”

Blick nach Gelsenkirchen

Wie das konkret aussieht, zeigt zum Beispiel ein Blick nach Gelsenkirchen. Die Gelsenwasser AG nutzt KI, um Energie und Kosten zu sparen. Die Trinkwasserspeicher in Herten und Scholven müssen regelmäßig mit Wasser aus dem Wasserwerk Haltern befüllt werden. Die Pumpen benötigen Strom. Der Preis dafür schwankt am Beschaffungsmarkt ständig, je nach Tageszeit und aktuellem Gesamtverbrauch. Traditionell wurde das Wasser nachts in die Behälter gepumpt, wenn der Stromtarif besonders günstig war.

Mittlerweile gibt es viele erneuerbare Energiequellen, die je nach Wetterlage viel oder wenig Strom ins Netz einspeisen. Dadurch ändern sich die Strompreise im 15-Minuten-Takt. Ein KI-gestütztes Assistenzsystem ermittelt in Echtzeit und unter Berücksichtigung von Wetterprognosen die optimale Pumpenkombination, um das Wasser möglichst stromsparend und günstig in die Hochbehälter zu befördern.

Analyse von Straßenschäden

Der Zweckverband Ostholstein (ZVO) verwendet eine Bilderkennungs-KI, um den Zustand von Straßen zu erfassen. Dafür werden Abfallsammelfahrzeuge mit einem Smartphone und einer speziellen Software ausgestattet. Die KI analysiert Schäden auf den Straßen. Die Daten werden den Gemeinden und Städten im Landkreis zur Verfügung gestellt. Diese können die Informationen nutzen, um die Straßensanierung besser zu planen.

Die Stadtwerke München (SWM) testen ein System, das Leben retten könnte: Im Südschwimmbad erfassen Videokameras ungewöhnliche Bewegungen im Wasser. Wenn möglicherweise ein Badender in Not geraten ist, erhalten die Bademeister eine Warnung auf ihre Smartwatch. Handelt es sich um einen Fehlalarm, meldet das Aufsichtspersonal dies der KI per Knopfdruck – so lernt die KI ständig dazu. Die SWM setzen auch in anderen Bereichen auf die neue Technik. Zum Beispiel erstellen KI-Modelle Fahrgastprognosen für den Öffentlichen Nahverkehr oder errechnen die Reichweite von E-Bussen.

VKU entwickelt ethische Leitlinien

Solche Projekte treffen in der Bevölkerung zuweilen auf Vorbehalte. Man wisse, dass die einen in Künstlicher Intelligenz eine Chance sähen, während andere kritisch seien, so der VKU-Sprecher. Schon 2020 hat der Verband ethische Leitlinien für den Einsatz von KI entwickelt. Dabei handelt es sich um eine Orientierungshilfe für Mitgliedsunternehmen, keine verbindlichen Regeln. So heißt es in dem Papier: „KI wird so eingesetzt, dass Entscheidungen stets transparent, nachvollziehbar, erklärbar und überprüfbar bleiben.“

Künstliche Intelligenz soll zu fairen Ergebnissen führen und nicht diskriminieren. Datenschutz und -sicherheit müsse an oberster Stelle stehen. Und: „Der Mensch bleibt oberste Instanz.“ KI ersetze ihn niemals, sondern diene nur als Unterstützung und Werkzeug, besagen die VKU-Leitlinien. „Der kürzlich auf EU-Ebene verabschiedete AI Act gibt hier einen guten Rahmen, wir bewegen uns nicht im rechtsfreien Raum“, erklärt der VKU-Sprecher: „Kommunale Unternehmen sind sich der Vorbehalte aber sehr bewusst und wissen: Der digitale Wandel braucht Vertrauen.“