Brandenburg

„Eine Stimme für Städte mit historischer Bausubstanz“

Karin Billanitsch22. Mai 2019
Frank Steffen, Bürgermeister von Beeskow.
In der Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen in Brandenburg“ sind 31 Kommunen zusammengeschlossen. Über die Chancen und Vorteile, die sich daraus ergeben, hat die DEMO mit Frank Steffen, Bürgermeister von Beeskow und Vorstand der AG, gesprochen.

Herr Steffen, die Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen in Brandenburg“ gibt es schon seit dem Jahr 1992. Welche Vorteile haben sich dadurch für die beteiligten Orte ergeben und verwirklicht?

Die Chance ist einmal, dass die AG historische Stadtkerne ursprünglich gegründet wurde, um Städten, die durch ihre historische Bausubstanz den Anspruch haben, im Denkmalsschutz in der Städtebauförderung besonders gefördert zu werden, eine Stimme zu verschaffen. Das war der Start. Das hat sich in allen Städten bemerkbar gemacht: Alle haben umfangreiche Fördermittel aus diesem Programm bekommen.
Wir haben als Städte dadurch auch eine sehr enge Begleitung durch das Land Brandenburg. Wir haben zum Beispiel eine Bewertungskommission, die regelmäßig schaut, wie die Entwicklung in den Städten ist. Wir haben darüber hinaus eine sehr enge Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege. Das sind die großen Punkte, von denen wir profitieren.

Können Sie ein Beispiel aus Beeskow nennen?

Ein wirkliches Kleinod, das auch mit Fördermitteln saniert worden ist, ist das Café Bibka. Es liegt ein bisschen abgelegen in der Mauerstrasse und ist ein ehemaliger Fachwerk-Speicher gewesen. Den haben wir liebevoll restauriert. Er beherbergt heute ein beliebtes Bibliothekscafé.

Hat sich gezeigt, dass auch eine bessere touristische Vermarktung möglich ist?

Das ist ein Feld, auf dem wir seit zirka zehn Jahren zunehmend aktiver werden. Wir koordinieren  die gemeinsame touristische Vermarktung der Stadtkerne, zum Beispiel auf der  Touristikmesse ITB in Berlin. Wir haben in Brandenburg sechs Radrouten ausgewiesen, die die historischen Stadtkerne verbinden. Wir haben das „Denkmal des Monats“ und beteiligen uns an den landesweiten „Kulturland-Kampagnen“. Man merkt eben auch, dass Besucher extra in die historischen Stadtkerne kommen, weil sie ihre touristischen Reisen mit dem Kulturerlebnis verbinden wollen. Dafür gibt es auch ein Gewinnspiel, dass den Besuch der Stadtkerne attraktiv macht und bei dem es tolle Preise zu gewinnen gibt.

Stützen Sie sich hier auch auf Evaluationen?

Die Wirkungen der Arbeit der Arbeitsgemeinschaft selbst können wir nicht messen. Aber für Beeskow kann ich sagen: Wir haben kontinuierlich ansteigende Besucherzahlen in der Stadt. Und als ich in diesem Jahr einen Tag auf der ITB war, war ich sehr überrascht, wie viele Menschen an den Stand der Arbeitsgemeinschaft kommen und sich ausdrücklich nach unseren Angeboten erkundigen.

Kommen wir zu dem Jahresthema „200 Jahre Fontane“. Welche Ideen hat die Stadt Beeskow, um an den Romancier zu erinnern? 

Wir haben ein kleines Jahresprogramm aufgelegt mit verschiedenen Partnern. Es wird Veranstaltungen rund um Fontane in unserer Bibliothek geben. Es sind spezielle Stadtführungen in diesem Jahr geplant. Die Burg Beeskow wird sich Fontane widmen. Und dann, ganz wichtig, beteiligen wir uns an der „Kulturland“-Kampagne, die wir dieses Jahr unter die Überschrift ‚Tourismus‘ gestellt haben. Denn zu Lebzeiten Fontanes kann man das erste Aufkommen von Tourismus bei uns in Beeskow merken, dass die Bürger begannen zu reisen und dass die Menschen in die Stadt gekommen sind, weil sie sie als touristisches Ziel gesehen haben. Fontane war einer der ersten Autoren, der darüber berichtet hat.

Wenn man als Tourist nach Beeskow kommt, für einen Tag, wo soll der Besucher, die Besucherin als erstes hingehen, und wo kann man eine Pause einlegen?

Ich empfehle unmittelbar auf dem Marktplatz zu starten, dann ist man mitten im historischen Stadtkern, mit zahlreichen Einzelhandelsgeschäften. Es gibt am Markt zwei sehr schöne Cafés, die man besuchen kann. Und von dort führt der Weg zur Sankt Marienkirche an der Spree, und von der Spree aus hat man einen kurzen Weg bis zur Burg Beeskow, einem Kultur- und Bildungszentrum mit dem Musikmuseum in der Stadt.

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